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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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geduldet seyn. Sie wollen die Freyheit haben, die christ-liche Religion zu bestreiten; und doch geduldet seyn. Siewollen die Freyheit haben, den Gott der Christen zu ver-lachen; und doch geduldet seyn. Das ist freylich ein we-nig viel: und ganz gewiß mehr, als ihren vermeinten Vor-gangern in der alten jüdischen Kirche erlaubt war. Dennwenn deren einer des Herrn Namen lästerte, ( ^evit.XXi V. i2. ) so ward er ohne Barmherzigkeit gesiciniget,und die Entschuldigung half ihm nichts, daß er nicht denwahren Gott, den die Vernunft den Menschen lehre, son-dern den Aftergoit gelästert habe, wie die Juden sich ihnbildeten. Und schon hieraus, meine ich, ist zu schließen,daß auch die alte jüdische Religion es in diesem Stückenicht anders werde gehalten haben, als sie es alle halten.

Z. Was von dem übrigen Znnhalte der Stelle zudenken und zu sagen, brauchen meine 5,eser nicht von mirzu lernen. Aber wie sehr merkt man es ihr an, daß sievor dreyssig Jahren geschrieben worden! Wie? noch itztwaren der gesuuden Vernunft alle Wege versperret, Go.tnach ihrer Einsicht, unter einem angenommenen Christen-namen, zu verehren? Freylich, ein dergleichen angenom-mener Christenname, als Arianer, Soeinianer, ist viel-leicht noch eben so verhaßt, als er es jemals war. Allein,was braucht es auch dieser Namen? Ist der bloße Na-me Christ nicht weitläustig, nicht bezeichnend genug?Sind die Namen Calvinist und Lutheraner nichr eben soverwerflich geworden? Weg mit allen diesen Namen, dieuns der Einsicht eines Einzigen unrerwerfen! Wir sindChristen, biblijche Christen, vernünftige Christen. Den

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