Zeitschrift 
Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
Seite
33
Einzelbild herunterladen
 

^-- < 33 ) --------------

Ja, ich schäme mich nicht zu bekennen, daß die Fabeln, welchein dem Renner zerstreut sind, nach meinem Geschmacke(ich weiß wohl, daß Gellerrs Urtheil ganz anders aus-gefallen ist) weit lebhafter und unterhaltender erzähltsind, als diefe vorgegebenen Fabeln des SchwäbischenZeitalters.

Was der Schweizerische Kunstrichter von den ma-teriellern Kennzeichen seiner bessern Handschrist sagt,scheint eher noch ein historischer Beweis zu seyn.' Scheint,sage ich: denn im Grunde ist es doch nur auch, dunkleunerklärliche Empfindung.So viel man, sagt er, ausden Charakteren der Buchstaben urtheilen kann, so istsie gegen dem Ausgange des dreyzehnten Jahrhundertsgeschrieben worden.,. Wie wohl stünde es mit derKenntniß der Handschriften, wenn es in irgend einerSprache von irgend einer Zeit Buchstabenzüge gäbe, auswelchen sich bis auf ein halbes Jahrhundert dasAlter derselben mit Zuverlässigkeit angeben liesse. Frey-lich müßte es wohl dergleichen geben, und sie würdenvielleicht auch zu bestimmen seyn, wenn man eine grosseMenge von Handschriften des nehmlichen Landes und dernehmlichen Sprache vor sich hätte , deren Folge und Ord-nung aus andern unstreitigen Gründen bereits bestimmtwäre. Aber wo ist das? und wo hat man das? Da,wo wir in der Diplomatie" itzt noch halten , bedarf esschon eines sehr kundigen Mannes, der sich aus den blos-sen Zügen der Buchstaben nicht mehr als um ein Jahr-hundert irren soll; wie das jeder Gelehrte eingestehenwird, der Erfahrung in solchen Dingen hat nnd weder

sich noch andere bekriegen will.- So ist denn auch

C bisher