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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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ans andre Subjekte angewandt wird. Das längste Ge-dicht in diesem Geschmacke steht Bl. LXXX, und hat denTitel: Von nianichcrley vnüycr arbayr. Freylichentsteht durch diese ahnliche Form und deren öftere Wieder-kehr eine gewisse Monotonie, die für den, der mehrere Stückehinter einander liest, bald ermüdend wird; für sich ge-nommen hat aber doch diese Form etwas sehr epigram-matisches, und die beyden wesentlichen Bestandtheiledes Sinngedichts, die unser Aessing in seiner Theoriedesselben 5) so glücklich entwickelte, iLrwartUNg undAufschluß, im vorzüglichen Grade, wiewohl dieser letz-tere nicht immer gleich überraschend und befriedigend ist.

Großentheils zwar sind die hier gesammelten Ge-dichte Sittensprüche, moralische Bemerkungen und ^ebcns-regeln; aber nicht durchgehends. Es giebt auch manchelLrzähiungen, oder, wie sie meistens überschrieben sind,Verspiele, darunter, von denen ich vielleicht die bessernein andermal bekannt machen werde. Andre, die aberden geringsten poetischen Werth haben, sind historischeDenkverse, z. B. von verschiednen Pabsien, Städten,u. f. Noch andre, gleichfalls sehr unpvetisch, enthal-ten Medicinische Rathgebuugcn; wieder andre, Räthsel;und einige, die beysammen stehen, ertheilen Verhaltungs-regeln für besondre Stande, als für Eehalre, d. i.Dienstboten, und für Handwerker. Die meisten Versedieser letztern Gattung sind vierteilig, und offenbar zttDenksprüchen bestimmt.

So vermischten Inhalts gehen diese einzelnen poeti-schen Stücke, einige leer gelassene Blätter mit eingerech-net,

Vermischte Schriften, TH.I. S.ioZ.