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«enig Nachrichten und Denkmäler sind bisher von diesenletzter» bekannt gemacht; und wie öde ist immer nochdas Feld unsrer poetischen Literatur von diesem vierzehn--ten und dem größten Theile des folgenden fünfzehntenJahrhunderts! Schon in der Einleitung deS vorhergehen-den Abschnitts habe ich dieser L.ücke, und des allgemeinerndichtrischen Charakters, während dieses Zwifchenraums,erwähnt; und die in diesem Abschnitte selbst mitgetheiltenProben damaliger Poesie geben einen, wenn gleich nichtsehr beträchtlichen, Beytrag zu ihrer Ausfüllung; gleich-falls beträchtlicher wegen der bisherigen Eiuzelnheit sol-cher Proben. „Von den Minnesängern bis zu Luthern, ,— sagt Herr ^lopstock") dem künftigen Geschichtschrei-ber unsrer Sprache — „ist ein weiter Weg. Ich hatte„nie der Müsse genung um zu sehen, ob dort auch Rosen„an den Dornen wären. Du mußt ihn auf deiner Wan-derschaft gehen.,.
Sowohl dieß Bedürfniß, als der Gebrauch der erstenHandschrift unsrer Bibliothek, woraus ich die meistenProben alrdeurjchcn NlAyek und Verstandes imvorigen Abschnitte nahm, veranlasst mich, bey einemDichter etwas länger zu verweilen, der in der gedachtenPeriode das grösste klassische Ansehen hatte, und der gang-barste, beliebteste Vvltsdichter war, wenn gleich seineLebenszeit, wie ich hernach zeigen werde, etwas früher fällt»Dieser Dichter ist Freydank; kein unbekannter Name inder Geschichte unsrer Poesie, von dem aber die bisherertheilten Nachrichten noch sehr unbestimmt, oder dochwenigstens sehr unzulänglich sind. Dieß zu zeigen, will
ich
Deutsche Gelehrtent'epublik, B.I. S.-?o.