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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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Schwerlich hatte ei' dieß Ansehen schon bey seinen Lebzei-ten erhalten; und sclbst die Benennung der selig mann,in der ersten dieser Stellen, scheint Renners Gleichzei-tigkeit mit demHrc^dant nicht zn vertragen, wenn dieseWorte gleich hier mehr den rresslichen, als den ver-storbenen Mann zu bezeichnen scheinen. Die Zeit aber,wenn Hugo von Tr>'mberg seinen Renner vollendethat, weiß man aus dessen Beschluß genau, nämlich;

Da tansent und drey hundert jar

Nach Christus gcburt vergangen waren,

Drithalbs jar gleich vor den jarea,

Da die Juden in Franken wurden erschlagen, u. s. f.Auf allen Fall also gehört Freydank wenigstens in dasdreyzehrtte Jahrhundert, und vermuthlich nicht in dessenletzte Halste. Eine Vermuthung, die auch durch diemerkwürdige Stelle bestätigt wird, welche Hr. Prof.Casparsott in seiner Vorrede zum ersten Theil des Wil-helm von Oranse aus dem alten Gedichte Wilhelmvon Vrabanr mitgetheilt hat, wo (S. XVIII.) Frey-dant's Name mitten unter den Dichtern des schwäbischenZeitpunkts, oder den sogenannten Minnesingern, vor-kommt. Unter diese ist er auch weit mehr zu rechnen,als in die Periode der Meistersänger, wenn er gleichauch hier lNeisier heisst; denn das war bey manchenunter jenen Dichtern der Fall, und ist es auch in der näm-lichen Stelle bey Gottfried von Srraßburg. Auchdie Art, wie Branr in der Beschlußreif ihn bezeich-net, setzt ein damals schon entfernteres Alter voraus!Daß menglich bei dir sehen kan,

Daß man vor zeiten auch hat ghan

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