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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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In Deutschen landen dapffer lcutDie dwarheyt rcdten alle zeit.

Eben das gilt von Wagner's Ausdruck in der oben an-geführten Stelle seiner gereimten Vorrede, daß dieß Ge-dicht bis auf Bram's Entdeckung lange Zeit verlegenblieben sey.

Den meisten Ruf scheinen freylich die SprücheFreydank's zu Trymberg's Zeiten gehabt zu haben.Von ihnen gilt wohl vorzüglich, was Spangenbergin der oben angeführten Stelle sagt: Man hilr da-mals auf keinen Spruch nichts, den nichr HerrZre^danck gedichrer. Wörtlich das nämliche stehtauf dem Titelblatt der wormser Ausgabe:

Man hielt etwann vf keynen spruch nicht,Welchen nit Herr Frcidanck hctt gedicht.

Aber auch wahrend des ganzen vierzehnten und fünfzehn-ten Jahrhunderts, und selbst noch im sechszehnten, daVram ihn durch den Druck allgemeiner bekannt gemachthatte, war sein Ansehen groß. Das beweisen die öfternAnführungen seiner Sprüche in damaligen Schriften,z. B. in Baumann's Kommentar zum Rcmecke Fuchs,und in Agrirsla's Sprüchwörtern. Und einen sehrauffallenden Beweis davon fand ich in der, im vorigen'Ab-schnitte beschriebenen, ersten Handschrist, wo an zwey ver-schiednen Stellen, »litten unter Sprüchen eines David,Hoseas, Paulus, Hieronymus, Ambrosius, Ge-neßa, Plaro, u.a. Sprüche aus dem Freydank stehen,die eben so, wie jene,.bloß mit seinem Namen überschrie-ben sind.

Es