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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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Es ist eben diese Handschiist unsrer Bibliothek, dieich also hier nicht abermals zu beschreiben brauche, diemich zu dieser ganzen Untersuchung veranlasst hat; und eSwird Ieit seyn, nach einem so umständlichen Eingange,Meine leser mit dieser Veranlassung naher bekannt zu ma-chen. Sie werden sich erinnern, daß diese Handschristzwey Abtheilungen ihres poetischen Inhalts hat. BeymDurchlesen der ersten Abtheilung stieß ich Bl. I.XXVII,S. i, ganz unerwartet auf folgende letzte Zeile der zwey-ten Columne, die, als Ueberschrift, mit rothen Buch-staben geschrieben ist:

Freidanck die gotlich lieb jn tichtens zwangk.Auf der umstehenden Seite fand ich nun folgende sechsZeilen:

Ich pin gcnennet freygedanck

Gotliche licb mich tichtens zwanck.

Dis dicht heysi die bcschcidcnheit

Die aller tugcnd krön cmff rreit.

Mich hat gedichtet freygedanck.

Vil mcnschcn sein an synncn kranck.Dann folgt, durch einen ziemlich weiten Zwischenraumabgesetzt, eine neue Überschrift: VL>ie man ZSt alyeivdienen soll; und dann die Verse:

Got alzcit dienen cmewanck

Ist alkr wcyßheit avfanck, *) u. s. f.

Jene

*) In Hrn. Dr. Anton's Mspte müssen die FreydankischenSprüche eine ganz andreOrdnung haben, oder vielleicht nur ein«zeln ercerpirt seyn. Denn die in seiner gegebenen Probe auf diesebeyden Zeilen folgenden Verft: Wer vmb dise kuryezeit :c. stehen in der wormftr Ausgabe erst im zzstenKapitet.