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MS 311 - Brentano I : [Allgemeine Volkswirtschaftslehre] ; [Vorlesungsskript WS 1910/11]
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VIII. Die Absatzverh31tnisse und ihre Wirkungen. $ 25

Zum Schluss der Betrachtungen der konkreten Grundbedingungender Volkswirtschaft eine der wichtigsten,wenn nicht die wichtigste der-selben* die Absatzverhältnisse,oder alt anderen Worten, "der Markt".

Unsere Vorstellung vom Markt knüpft sich regelmässig an einenOrt,wo sich Käufer und Verkäufer gegenüber treten. Allein hier handeltes sich nur um die Uebertragung einer Vorstellung. Nicht der Ort istder Markt,sondern die Summe aller Beziehungen zwischen Käufer und Ver-käufer,die zum Austausch der Güter führen und welche die Bedingungenbestimmen, die für den Prei3<% massgebend sind. Also das Wesen des Matk-

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tes knüpft sich nicht an den Ort der Zusammenkunft,sondem an die Tat- jsache der Zusammenkunft. 3

Ein solcher Markt ist nicht überall vorhanden gewesen; er ist jj

auch heute nicht überall und nicht überall in gleichem Masse vorhanden. ;

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Der Markt kann ganz oder nahezu fehlen. Wo kein Markt. da kein Austausch ;oder wenigstens kiein regelmässiger.Die Folge ist,ein jeder produzirtfür den eigenen Bedarf oder wie man es ausdrückt,die Vol ksw i rtschaf t

ist Naturalwirtschaft. j;

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Wo aber ein Markt vorhanden ist, da kann er beschränkt sein, uhdzwar kann diese Beschränkung eine natürliche oder eine Künstliche sein, ij;

^ Natürliche findet statt,da wo Verkehrswege fehein; so war imMittelalter meist nur Verkehr auf den Wasserstrassen, von den weni- {gen Landstra8sen,die schlecht und unsicher waren,abgesehen:* Käufer jund Verkäufer sind im Zugang zu einander beschränkt oder verhindert. (Ferner aus technischen Gründen überall da, wo es sich um leichtverderbbare Waren handelt, die nicht von weither geschafft werden /

kennen. Jede Verbesserung im Verkehrswesen erweitert den Markt. '

Künstliche Beschränkungen des Marktes finden statt durch