Oekonomische Politik( Brentano)
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dem anderen B 5,50 M. Ein jedes trage 10 Zentner. Nun werde ein jedes der beiden Grundstücke besserbestellt; z. B. auf jedes der beiden werden 50 kg künstlichen Düngers verwendet, was einem Kosten-prei.se von etwa 7,50 M. entspricht. Hierdurch wird ein Mehrerträgnis erzielt und zwar auf dem besserenGrundstück A von 2 Zentnern, auf dem schlechteren B von 1 Zentner pro Morgen. Wir erhalten alsdann
folgende Tabelle:
Ertrug
Gesamte
Produktionskosten
in Zentnern
Produktionskoster
pro 1 Zentner
A
10
50,00 M.
5,00 M.
12
57.50 M.
4,79 M.
B
10
55,00 M.
6,50 M.
11
62,50- M.
5,68 M.
Es erhellt, dass auf dem fruchtbareren Grundstück der Uebergang zu intensiverer Bestellungbei einem niedrigeren und sogar bei einem sinkenden Preise noch möglich und nützlich ist, währender auf dem unfruchtbareren Grundstück nur bei einem höheren und steigenden Preise möglich ist.(Vergl Drill, S. 73. Vergl. auch den untersten Thünen’schen Kreis auf der folgenden Seite.)
Was in dem hier angenommenen Beispiele veranschaulicht ist, wird durch die Erfahrungenbestätigt, welche Puricelli in der angeführten Dissertation veröffentlicht hat. Ich entnehme ihr diefolgende Tabelle (vergl. Puricelli, Bogen I, III und IV):
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126,84 !350,00 |249,90 !
Kartoffel
Gerste
Rüben
Roherträge in dz auf 1 ha
Differenz der Roherträge.
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226,87 | 61,52
42,40 52,50
396,98 : 188,85
258,66
54,20
543,94
89,0b !j 31,7958,20 ji 11,80214,42 ! 146,96
li
27.565,70
55.57
85,83
230,10
1657,30
74,41
111,15
615(20
Diese Tabelle zeigt zwar nur die durch den Mehraufwand von Kosten verstärkte Zuführung vonStalldünger), herbeigeführte Steigerung der Roherträge, nicht der Reinerträge ; allein da der Mehraufwandauf gutem wie auf schlechtem Boden gleich gross ist, bedeutet hier die Differenz in den erzielten Roh-erträgen eine gleiche Differenz im Reinertrag. Es ergibt sich daraus eine sehr beträchtliche Verschiedenheitin der Rentabilität der Mehrverwendung von Stallmistdünger auf gutem und auf schlechtem Boden.
Was in vorstehender Tabelle auf Grund der Ergebnisse von Versuchen auf landwirtschaftlichenVersuchsstationen berechnet ist, zeigen in gleicher Weise die Erfahrungen auf einem Gute im KreiseTorgau und auf einem Rittergute mit Vorwerk in der Amtshauptmannschaft Grossenhain, die Puricellimitteilt. Ich beschränke mich hier auf Wiedergabe des ersteren. Die Grösse des Feldareals der Wirt-schaft im Kreise Torgau beträgt 88 ha. Davon sind 77 guter, 11 schlechter Boden. Die Fruchtfolgeauf dem guten Boden ist 1. Weizen + 2. Kartoffeln oder Futterrüben, teilweise Ackerbohnen, 3. Roggenbezw. Hafer mit Klee, 4. Klee, 5. Weizen; die Fruchtfolge auf dem schlechten Boden ist 1. Roggen2. Kartoffeln, 3. Roggen, 4. Lupinen (zum Unterpflügen). ln Anlehnung an diese Fruchifolgem werdenauf den guten Boden 38808 dz, auf den schlechten 3080 dz Stalldünger verwendet, auf 1 ha guten Bodenalso 604, auf 1 lia schlechten 280 dz. Dieser Düngeraufwand kostete auf gutem Boden 352,80 M., aufschlechtem 196,00 M. Die Höhe der Roherträge betrug auf 1 ha guten Bodens an Weizen 82 dz, anKartoffeln 180 dz (Futterrüben 600 dz), Roggen 24 dz (Hafer. 25 dz), Klee 80 dz, Weizen 28 dz; auf 1 haschlechten Bodens Roggen 10 dz, Kartoffeln 110 dz, Roggen 9 dz. Lupinen 25 dz. In Geld betrugen dieRoherträge auf 1 ha guten Bodens Weizen 608 M., Kartoffeln 486 M., Roggen 408 M., der Klee kam nurin der Wirtschaft zur Verwendung, Weizen 532 M.; auf 1 ha schlechten Bodens Roggen 170 M., Kartoffeln297 M., Roggen 163 M., Lupinen für den Roggen untergepffügt. Mit Berücksichtigung der Stalldünger-kosten und unter Zugrundelegung eines für die betreffenden Wirtschaftsverhältnisse sich ergebendenPachtzinses von 92 M. pro 1 ha guten und 24 M. pro 1 ha schlechten Bodens stellten sich die Rein-erträge auf gutem Boden auf 40,70 M. pro 1 ha und auf 18,00 M. pro 1 ha schlechten Bodens. Obwohlder Mehraufwand auf dem guten Boden ein grösserer war und dieser in dem höheren Pachtzins einenhöheren Boden wert verzinste, als dies beim schlechten Boden der Fall war, brachte dieser ein Defizit,wo jener immer noch einen Reinertrag abwarf.
10. Einfluss der Lage des Betriebes zum Markt auf den intensiven Charakter der Landwirtschaft.
Nehmen wir vier Landgüter von sonst gleicher Beschaffenheit. Bei dem einen betragen dieFrachtkosten zum Markte 3 M., beim zweiten 2 M., beim dritten 1 M., beim vierten 0,60 M. pro ScheffelGetreide. Der Scheffel kostet 6 M. auf dem Markte. Im übrigen legen wir das oben wiedergegebeneBeispiel Roschers zu Grunde.
Auf dem Landgut, dessen Frachtkosten 3 M. betragen, gestaltet sich das Verhältnis unterAnnahme eines Marktpreises von 6 M. pro Scheffel folgendermassen:
Rohertrag in Scheffeln .Rohertrag in MarkDavon ab: a) Bestellungskostenb) Frachtkosten
Zusammen . . . ■
Bleibt Reinertrag .
bei Frucht-wechsel-wirtschaft
Koppel-
vrtrtschaft
Dreifelder-
wirtschaft
wilde Feld-gras-wirtschaft
7 000
3 000
1200
42 000
18 000
7200
30 375
10 125
3037,5
: . 21 000
:.0 000‘
3600
61.3:75 i
c-.T.-ilO 125
- -•"'6637,5
— 9 375
— 1 125
562,5
400
2400
506,25
1200
1706,25
693,76
3