Oekonomische Politik( Brentano)
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russischen Handelsvertrag von 1894. Stuttgart 1900. — F. C. Huber, Der Getreidezoll und die deutscheHandelspolitik. Stuttgart 1900. — J. Conrad, Die Stellung der landwirtschaftlichen Zölle u. s. w.in Bd. 90 d. Sehr. d. Yer. f. Sozialpolitik. — A. Schäffle, Ein Votum gegen den neuesten Zolltarif-entwurf. Tübingen 1901. — L. Brentano, Das Freihandelsargument. Berlin-Schönberg 1901. —Derselbe, Die Schrecken des überwiegenden Industriestaates. Berlin 1901. — Derselbe, Die Getreide-zölle als Mittel gegen die Not der Landwirte. Berlin 1903. — H. Dietzel, Weltwirtschaft und Volks-wirtschaft. Dresden 1900. — Derselbe, Kornzoll und Sozialreform. Berlin 1901. — Derselbe, Sozial-politik und Handelspolitik. Berlin 1902. — Derselbe, Das Produzenteninteresse der Arbeiter und dieHandelsfreiheit. Jena 1903.'— W. Lotz, Der Schutz der deutschen Landwirtschaft und die Aufgabender künftigen deutschen Handelspolitik. Berlin 1900. — Derselbe, Sonderinteressen gegenüber derWissenschaft einst und jetzt. Berlin 1902. — C. Leisewitz, Die landwirtschaftliche Produktion imDeutschen Reiche und ihr Verhältnis zum Stand des bezüglichen inländischen Bedarfs. Conrads Jahr-bücher, 3. F., XXII, S. 188.— Emil Zeckendorf, Die Gerstenzollerhöhung. Ein wirtschaftlicher Ausblickfür Süddeutschland. München 1901. — Lotz und Rau, Wirtschaftsergebnisse einiger mittlerer undkleinerer Getreidebauern in der Pfalz. Conrads Jahrbücher, 3. F., XXII, 241 ff. — P. Mombert, DieBelastung des Arbeitereinkommens durch die Kornzölle. Jena 1901. — A. Schulz, Kornzoll, Kornpreisund Arbeitslohn. Leipzig 1902. — P. Arndt, Der Schutz der nationalen Arbeit 1902. Jena 1902. —.1. Flathmann, Die Landbevölkerung der Provinz Hannover und die Agrarzölle. Berlin 1902. —Alfred Marquard, Württemberg und der Brotgetreidezoll. Stuttgart, Kommissionsverlag von OskarGeischel, 1902. — Anonym: Der deutsche Bauer und die Getreidezölle. Jena 1902. — VergL auch diePolemik zwischen Brentano und Oldenberg im Jahrgang 1903 der von F. Naumann herausgegebenenBerliner Wochenschrift „Die Zeit“. — Georg Mayr, Statistik der gerichtlichen Polizei im Königr. Bayernu. in einigen anderen Ländern. XVI. Heft der Beiträge zur Statistik d. Kgr. Bayern. München 1867,S. 42, 56. — Hermann Berg, Getreidepreise u. Kriminalität in Deutschland seit 1882. Berlin 1902.
Yergl. auch für und gegen Verhandlungen des Vereins für Sozialpolitik 1901 im 98. Bandvon dessen Schriften. Leipzig 1902.
I. Getreide.
1. Ueber die Anbaufläche der verschiedenen Feldfrüchte. Vergl. oben Tabelle 1 auf S. 11 und 12.Hiernach ist die Anbaufläche für die 4 Hauptgetreidearten um 5 °/n, insbesondere für Brotgetreide um2°/o und die der wichtigsten Hackfrüchte um 21°/o gestiegen, während die Handelspflanzen eine Einbussevon 30% und der Futterbau hinsichtlich seiner wichtigsten Repräsentanten einen Verlust von 1% zuverzeichnen haben. Dieses Bild verschiebt sich aber bedeutend, wenn man die in der oben abgedrucktenTabelle wiedergegebenen Zahlen für die einzelnen Staaten, bezw. Landesteile ins Auge fasst.
Der Anbau des Brotgetreides: Weizen, Spelz und Roggen stieg
a) anhaltend von
1878 bis
1893 und 1900,
bezw. blieb unverändert mit
1000 ha in
1878
1893
1900
1878
1893
1900
Ostpreussen
488
531
541
Schleswig - Holstein
.188
195
196
Westprenssen
429
451
461
Hannover
491
519
522
Brandenburg
654
681
682
Oldenburg
67
72
75
Pommern
462
487
488
Hessen-Nassau
207
211
212
Posen
606
673
695
Braunschweig
62
63
62
Mecklenburg- Schwerin
208
214
215
Mecklenburg - Strelitz
38
40
38
b) von 1878 bis 1893, seither fallend oder stabil, jedoch immer noch höher als 1878 mit
1000 ha in
1878 1893 1900 1878 1893 1900
Provinz Sachsen 489 511 507 Anhalt 39 44 42
Westfalen 306 317 314
Die Anbaufläche von Weizen, Spelz und Roggen fiel
a) von 1878 bis 1900 mit einer zwischenzeitigen Steigerung von 1878 bis 1893 mit 1000 ha in
1878
1893
1900
1878
1893
1900
Schlesien
799
820
784
Königreich Sachsen
269
279
267
b) ununterbrochen von 1878 bis 1900
mit 1000 ha in
1878
1893
1900
1878
1893
1900
Bayern
972
960
945
Baden
165
151
139
Rheinland
383
370
354
Grossherzogt. Hessen
115
107
101
Württemberg
257
252
240
Eisass - Lothringen
234
225
203
Der Anbau von Roggen und Weizen steigt demnach anhaltend von 1878 bis 1900 in jenenProvinzen resp. Staaten, in welchen der Grossgrundbesitz die erste Stelle einnimmt: In Ost- und West-preussen, Brandenburg, Pommern, Posen, den beiden Mecklenburg, ferner dort, wo der Grossbauer überwiegt,aber gleichzeitig der Grossbetrieb in erheblicher Stärke daneben auftritt, wie in Schleswig-Holstein,Braunschweig, ferner Hannover, Oldenburg; Ausnahme nur Hessen-Nassau.
Der Roggen- und Weizenbau nimmt wohl bis z. .1. 1893 zu, geht aber seither zurück in Ländernbezw. Provinzen, in welchen der Grossbetrieb oder der Grossbauer vorherrscht, nebenher aber der Mittel-bauer sich geltend machen kann, wie in Schlesien, dem Königreich und der Provinz Sachsen, Westfalenund Anhalt.
Der Anbau von Brotgetreide ist seit 3, je 4 Jahrzehnten überall dort in ausgesprochenemRückgang, wo der Mittelbauer im Lande oben ansteht; d. i. in Bayern, Württemberg, Baden, Hessenu. den Reichslanden. Für Bayern werden (in: die Landwirtschaft in Bayern, Denkschrift u. s. w. 1862)für den Anfang der sechziger Jahre an Anbaufläche für Roggen, Weizen u. Dinkel 1061000ha ausgewiesen;i. J. 1878 zeigt die obige Uebersicht nur mehr 972000 ha u. f. 1900 nur 945000 ha; die dem Brotgetreidegewidmete Fläche hat sich demnach in den abgelaufenen 40 Jahren in Bayern um 7% vermindert.