Ausgabe 
11 (5.1.1851) 1
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wuchs die Verlegenheit der Expedition von Tag zu Tag. Der P. Ryllo ernannteunter dieſen Umſtänden den Miſſionär Dr. Ignaz Knoblecher zum Generalvicar derausgedehnten Miſſion, übergab ihm die Vollmachten, die er aus den Händen SeinerHeiligkeit empfangen, und befugte ihn, die Angelegenheiten des Vicariates nach ſeinemagenen Gutachten zu lenken und zu leiten. Die Gefahr, in der die Expedition, anwelcher dieſer ſtets den wärmſten Antheil genommen, ſchwebte, bewog ihn, die ſchwereLaſt auf ſeine Schultern zu nehmen, in der Hoffnung, daß ihm Monſignor Caſolani,der ſelbſt bei der Expedition war, ſo lange mit Rath, und That beiſtehen würde, bisder heilige Stuhl zur Beſetzung der ſo viel als erledigten Stelle des apoſtoliſchenVicars geſchritten wäre.

Die Aufmerkſamkeit des Generalvicars ward nun darauf gewendet, wie er denvon der Expedition gewichenen Muth wieder aufrichten würde. Die göttliche Vor-ſehung und die Sorgfalt des P. Ryllo half ihm ſein Vorhaben auszuführen. Jenerhatte nämlich kurz vorher einen Kaufvertrag für ein Stück Gartenland, das mittender Stadt am Nil gelegen war, geſchloſſen; dieſer ließ in dem baufälligen GebäudeAnſtalten treffen, um fo gut als möglich eine Capelle, Schule und einige Wohn-fluben für die Miſſionäre einzurichten, und ſo ohne Weiters die Miſſion in Gang zubringen. Mittlerweile ſuchte der Herr die Expedition auf eine ſehr empfindliche Weiſeheim; er entriß am 17. Juni 1848 die ſchöne Seele des nicht wieder erſetzlichenP. Ryllo aus ihrer Mitte. Ein Schlag, der, obſchon man darauf vorbereitet war,dennoch den tiefſten Schmerz verurſachte. Nachdem die irdiſchen Reſte dieſes theurenErſtlingsopfers der Miſſion feierlich zur Erde beſtattet waren, brachte jeder Tag neueBeſchwerden. Der junge Chef lag in einem fernen Lande ohne Geld und ohne Credit-briefe an der Spitze einer Expedition, der er wenigſtens das Nothwendigſte für dentäglichen Bedarf herbeiſchaffen ſollte. Auch aus dieſer Verlegenheit zog ihn die gött-liche Vorſehung, da ſich Jemand herbeiließ, ihm zur Deckung des Erforderlichen fürmehrere Monale eine Summe Geldes gegen einen Wechſel, der von der Propagandaaus bezahlt werden ſollte, vorzuſtrecken.

Als endlich auch dieſe Angelegenheit beigelegt war, ſetzte ſich, als ob ſich alleElemente gegen die junge Miſſion verſchworen hätten, von einer andern Seite einGewitter gegen dieſelbe in Anzug. Einige ihrer europäiſchen Feinde hetzten den har-ten Haled⸗Paſcha auf, daß er in ſeinem Fanatismus gegen dieſelbe ergrimmteund ſie zu zerreißen drohte. Dieſe erfreute ſich jedoch eines beſondern Schutzes vonOben, und überlebte trotz der ſchrecklichen Drohungen den Sturz des ägyptiſchen Macht-habers in Sudan. Mittlerweile ſchickte der Generalvicar ſeine Miſſionsberichte nachRom. Monſignor Caſolani trat ſelbſt die Rückreiſe an, und Angelo Vinco, einerder Miſſionäre, mußte ſich ſeines zerrütteten Geſundheitszuſtandes halber ebenfalls nachEuropa begeben, wenn er anders dem fremden Klima nicht unterliegen wollte. DerGeneralvicar blieb mit Emmanuele Pedamente, dem einzigen Miſſtonär in derMiſſion, und ſeine ganze Aufmerkſamkeit ward von nun an von der erſten, mitgöttlichem Beiſtande gegründeten Station in Anſpruch genommen. Die proviſoriſcheCapelle war bereits vor Pfingſten 1848 im Miſſionshauſe eröffnet, und mit einerAnzahl von kleinen Negern, die in das Haus aufgenommen worden ſind, die Pflanz-ſchule von künftigen Miſſionären gegründet, die den klimatiſchen Beſchwerden wenigerausgeſetzt ſind, als die Weißen. Dieſe kleinen Zöglinge werden nach Thunlichkeit inden Elementargegenſtänden unterrichtet, beſtanden nach wenigen Monaten die Prüfun-gen als Katechumenen, und ſind bereits ſeit dem Allerheiligenfeſte 1848 in den Schooßder katholiſchen Kirche aufgenommen worden. Dieſen kleinen Erſtlingen der neuenGemeinde geſellten ſich andere bei, die Kleinen zogen auch Erwachſene an, und ſovermehrte ſich die Anzahl der Auserwählten durch den Segen, den der Himmel derMiſſion angedeihen ließ. Das Kirchlein wird immer voller. Das unbefleckte Opferdes göttlichen Lammes wird täglich am Altare in jenem fernen Lande zur Sühnungder göttlichen Herrlichkeit gebracht, und heiße Gebete ſteigen aus der Bruſt der kleinenSchwarzen für die Bekehrung ungläubiger Brüder vor den Thron des Allerhöchſten