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Der zerrüttete Zuſtand, in dem ſich Europa die letzten zwei Jahre befand; warUrſache, daß ſich die Miſſion von Inner⸗Afrika einer gewünſchten Theilnahme vonSeiten gläubiger Katholiken nicht erfreute, obſchon man ſich keineswegs beklagenkonnte, daß man ihrer nicht da oder dort gedacht. Rom ſchickte ihm ſo haͤnge Unler—⸗ſtützung, bis die Anarchie daſelbſt alle Feſſeln geſprengt hatte— drei Miſſionärekamen 1849 im Frühjahre als eine kleine Verſtärkung in Chärtum an, ſie kamen aberals wahre Pilger, indem ſie für den Unterhalt der Miſſton nichts mitbrachten. Esſchien alſo, daß man ſie dem harten Schickſal überlaſſen hätte; nur die Krainer gedach⸗ten ihres Landsmannes im Junern von Afrika, und ſchickten ihm wenigſtens, ſo vielals nothwendig war, um ihm und ſeinen neuen Angehörigen das Leben zu friften
Der Generalvicar ſah mit betrübtem Herzen der Zukunft entgegen: doch in derHoffnung, daß der Herr die verhängnißvollen Tage abkürzen werde, lebte er für ſeinekleine Gemeinde, und bemühte ſich zu gleicher Zeit, von den unglücklichen Geſchöpfen,welche die geldgierigen Mäkler aus den entfernteſten Negerländern auf den Selaven—⸗markt nach Chartum bringen, Erkundigungen über den Zuſtand, die Sitten, Spra⸗chen, Fähigkeiten ꝛc. der zahlloſen Staͤmme ſeiner ausgedehnten Miſſion einzuziehen.Gegen die Mitte des Novembers 1849 vertraute er die Station in Chartum der Ob—ſorge zweier Miſſtonäre an, und trat mit zwei anderen eine Explorationsreiſe gegendas unbekannte Innere ſeiner Miſſton an, nachdem es ihm nicht wenige Mühe geko—ſtet hatte, die allſeitigen Hinderniſſe, die ihm von den egyptiſchen Machihabern in denWeg gelegt wurden, zu beſeitigen. Dieſe Erxpedition ſchlug ihren Weg auf dem mäch—tigen Bah'r el Abiad gegen die Urwaldungen ein, die die Scheidewand zwiſchenden ägyptiſchen Beſitzungen und den freien Negerſtämmen bilden, und die zugleich dieGränze des vorgedrungenen Islam und des Heidenthumes ſind. Sie uͤberſchrittendieſelbe binnen einiger Tage, und ſegelten den Strom hinan durch die unermeßlicheFläche des gausgedehnten Savannengebietes vorwärts— bis ſie gegen die Mitte desMongtes Jänner d. J. bis zum Berge Logwek, der unter dem 40 9 N. Breite gele—gen, noch nie von einem Europäer betreten, gedrungen. Sie trafen auf dieſem unge—heuren Gebiete die zahlreichen Stämme der Schillukz, Dinka-, Nuér⸗, Kyk⸗, Helyab⸗,Bor⸗, Zhir⸗ und Bäry⸗Neger, die ſich in Reihenfolge in den Beſitz der Uferländer,die vom Weißen Strome beſpühlt werden, theilen. Dieſe Stämme haben mit gerin⸗gen Ausnahmen feſte Wohnplätze, ſie leben unter ihren Ortshäuptern, die gewöhnlichden Stamm-Häuptlingen(Königen) untergeordnet ſind, und erfreuen ſich faſt durch—gehends einer im Ganzen genommen ſeht milden Regierung. Ihre Nahrung undBeſchäftigung beſchränkt ſich auf den Ackerbau, die Viehzucht, den Fiſchfang und dieJagd. Aus dem fruchtbaren Boden könnten ſie bei einer zweckgemäßen Beſtellung desFeldbaues Schätze gewinnen; das hohe Savannengras gibt ihnen fuͤr ihre HeerdenFutter im Ueberfluſſe, indeſſen ihnen der Strom mit ſeinen Fiſchen, Krokodilen undNilpferden, ſo wie die Waͤlder mit einem zahlreichen Wild, eine ſtaͤte Gelegenheitzum Fiſchfange und zur Jagd darbietet, deren Uebung ſte zum Theil in kriegeriſcherStimmung erhält.
Die Miſſionäre ſehen auf dieſer Reiſe ein unerſchöpfliches Feld für künftige Miſ—ſionen. Die aufgezählten Negerſtämme ſind durchgehends freie Neger, in geiſtlicherBeziehung verkrüppelte Söhne der Natur, die ſich ſelbſt überlaſſen, doch Dank derweiten Ferne, und den ſeltſamen Gegenden, die ſie bewohnen, manche natürlicheTugend anerkennen, die ſie ſonſt verloren hätten, wenn raffinirte Bildung ſchon zuihnen gedrungen wäre.
Wohl werden ſich aber auch der Verbreitung des Chriſtenthumes mächtige Hin—
derniſſe entgegen ſtellen, da beſonders die klimatifchen Verhältniſſe der Art ſind, daßder Weiße in vielen Gegenden gar nicht, und in anderen nur mühſam ſein Lebenerhalten kann. Doch vor dieſer Aufopferung läßt ſich der katholiſche Miſſtonär nichtabſchrecken; die Annalen der Verbreitung unſers heiligen Glaubens geben uns diehinlänglichſten Belege von dem Muthe, der Unerſchrockenheit und Ausdauer der Glau—bensboten. Dieſer troſtreiche Gedanke erfüllte auch den Generalvicar, als er von