Ausgabe 
11 (5.1.1851) 1
Seite
5
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

5

ſeiner Reiſe in die erſte Statlon zurückgekehrt, dieſelbe dem Schutze Gottes und derObſorge ſeiner Miſſionäre anvertraute, und im Monat Mai de i die ferne Reiſe nachEuropä antrat, um bei unſern eifrigen Katholiken hilfreiche Theilnahme und thätigeMitwirkung in der Ausführung der von der göttlichen Barmherzigkeit gefaßten Rathſchlüſſe und ſeiner Beſtrebungen zum Wohle der vernachläſſigten Neger zu ſuchen.

Um zu ſeinem Zwecke zu gelangen, braucht derſelbe fuͤr die Reiſen in den Nil⸗regionen wenigſtens ein Paar eigene Miſſionsſchiffe, da die Miethe derſelben bei Eröffnung der Miſſion den Miſſtonären zu hoch zu ſtehen kommen würde, und da dieſeſonſt in eine zu ſehr abhängige Lage von geldgierigen Speculanten kommen würden,welches leider bis auf den heutigen Tag der Fall daſelbſt geweſen iſt. Um den Miſſionären dauerhaften Erfolg zu ichern, und das Chriſtenthum ſelbſt in jenen Gegenden zu verbreiten, wo es den Weißen nicht möglich wird, vorzudringen, iſt die obenerwähnte Pflanzſchule von Eingebornen angelegt worden; die Miſſionäre haben ſichden kargen Biſſen, den ſie zur Friſtung des Lebens hatten, abgebrochen, um dieſelbeaufrecht zu erhalten. Unter den Zöglingen ſind bis jetzt nur ſehr wenige, die losge⸗kauft wurden, und ihre Anzahl ſteht in keiner Proportion zur Ausdehnung der Miſſton,da dieſe einen Flächenraum einnimmt, der zweimal ſo groß iſt wie ganz Europa.

Der Wunſch des Generalvicars iſt, dieſes Inſtitut zu vergrößern, nebſt derreligiöſen Bildung den Zöglingen Unterricht im Landbau und in den, für die Geſittung unentbehrlichſten Handwerken zu ertheilen, und in Chartum ein Mädcheninſtitutvon kleinen Negerinnen zu errichten, damit dieſe zu weiblichen Arbeiten und einemchriſtlichen Wandel geleitet würden.

Wuͤrden mehrere Individuen von einem Stamme losgekauft, auf die gehörigeWeiſe unterrichtet, ſo würden ſie unter Anleitung am zweckdienlichſten unter ihrenAngehörigen in der Heimat wirken können. Chriſtenthum und Cultur würden Handin Hand in die fernen Gegenden dringen, die Fintracht würde zwiſchen den Stämmen zuwege gebracht, und der graäßlichſte Schandeck der Menſchheit, die Sclavereider Neger, endlich zu Grade getragen.

Dieß iſt die Aufgabe, die der Herr in ſeiner unendlichen Barmherzigkeit derMiſſton zur neuen Verherrlichung ſeiner Kirche und zum Heile der Neger beſchieden,als er Sr. Heiligkeit dem Papſte Gregor eingab, dieſelbe zu erxöffnen. Dieſes Bewußtſeyn belebt die darin betheiligten Miſſtonäre, und feuert ſie zur Beharrlichkeit inihrem Berufe an. Die aufkeimende Miſſton jenſeits der Wüſte hegt aber die ſichereHoffnung, daß ihr die katholiſchen Herzen Deutſchlands ihre Theilnahme nicht verſagen,ſondern mildreich dieſelbe aufzubauen ſich beſtreben werden.

Das erſte Kripplein.

In manchen Gotteshäuſern und in manchen Häuſern der Menſchen, darin nochkindliche Herzen in gläubiger Liebe für den Gottmenſchen ſchlaägen, finden wir amheiligen Abend und ſofort im Verlaufe der heiligen Weihnachtszeit, in bald größerem,bald kleinerem Maaßſtabe, zierlich gebaute und feſtlich beleuchtete Nachbildungen desStalles zu Bethlehem und ſeiner Umgebung in jener Nacht des Heiles, da der SohnGottes leibhaftig eintrat in die Reihen der Menſchenkinder, um für alle Generationendas belebende Glied des geiſtigtodten Geſchlechtes zu ſeyn.

Allbekannt iſt es nun, daß der ſeraphiſche Heilige, Franciscus von Aſſiſi,als der Erfinder und erſte Erbauer dieſer nachgebildeten Geburtsſtätten Chriſti, kurzhinKrippen genaͤnnt, bezeichnet wird. Minder allgemein bekannt jedoch und fuͤrmanchen der frommen Leſer dieſes Blattes nicht ohne Intereſſe dürfte der Vorgangbei der erſten Krippenandacht ſeyn. Dieſer Vorgang fey hier zur Erbauungerzählt, nach dem Berichte, den ein Biograph) des häligen Seraphicus davon gibt.

Vogt: der heilige Franciseus von Aſſiſi.