Ausgabe 
11 (12.1.1851) 2
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irgend einer Bulle oder eines Briefes des Papstes in England verbietet unter Andro-hung jener summarischen Strafe, welche die christliche Liebe jenes Geistlichen von Liver-pool verlangte, nämlich der Todesstrafe. Die durch dieses Gesetz ausgesteMe Strafeist nun zwar durch eine Parlamentsacte von 1847 abgeschafft worden; allein SirEdward behauptet, daß daS Gesetz selbst nicht zurückgenommen worden und daß dieEinbringung oder Veröffentlichung von Bullen noch immer eine Verletzung der Gesetzedes Königreichs sey. Jedenfalls aber besteht die Strafe nicht mehr, und man müßtejetzt eine andere anwenden. Wird nnn die englische Regierung diese Bahn betretenwollen, wird sie dieselbe zu betreten wagen? In zwei Monaten, wenn das Parlamentwieder zusammentritt, werden wir eS sehen.

Schon jetzt ist das Ministerium über diese Frage gespalten. Lord John Russell ist für die Bestrafung, vor Allem weil er die Ehre hat, Russell zu heißen und einenAhn zu haben, aus dem die Geschichte einen Märtyrer gemacht hat, obgleich er imGrunde nichts weiter war, als ein Empörer; dann weil er auf gut Glück hin seinenBrief an den Bischof von Durham in die Welt geschickt hat und allzu weit gegangenist, um zurück zu können: endlich weil er durch Schwimmen mit dem Strome seinenPacht mit der Gewalt zu erneuen hofft, der dem Erlöschen sehr nahe war. LordPalmerston wird wahrscheinlich, auf seiner Seite stehen, nicht sowohl aus protestanti-schem Feuereifer, als aus Abneigung gegen den römischen Hof und auS Groll gegendie Politik und die gegenwärtigen Allianzen des Papstes. Zu ihnen muß man nochden nenen Kanzler Lord Truro zählen, der übrigens in England kein besonderesAnsehen genießt, nicht einmal als Gcsetzkundiger, und bei dem Banket der Eity selbstbei seinem College» Lord Campbell Aergerniß erregte durch einen Ausfall, der desChefs der Justiz nicht sehr würdig war. Allein die anderen bedeutendsten Mitgliederdes Cabinets Lord Grey, Sir Charles Wood, Lord Lansdowne sind demVernehmen nach weit entfernt die Uebereilung zu billigen, mit welcher Lord JohnRussell die Regierung in diese Lage gebracht hat; und ein Mann, dessen Stellung undCharakter nolhwendig bei diesem Anlasse von großem Gewichte seyn werden, LordClarendon gilt dasnr, daß er sie gänzlich mißbillige. Lord Clarendon ist nämlichVicekönig von Irland , d. i. von jenem Theile des vereinigten Königreiches, von wel-chem Sir Robert Peel gesagt hat:Dieß ist der Stein des Anstoßes."

Lord John Russell kann überzeugt seyn, daß dieser Stein des Anstoßes auch fürihn vorhanden ist. Die Suprematie und das Monopol einer Kirche, die nur von800,000 Individuen anerkannt, dagegen 3 Millionen von Widersachern aufgcdrungcnist, ist und bleibt eine Anomalie, die in einem und demselben Hause stets Verlegen-heiten bereiten wird. Die englische Regierung ist genöthigt gewesen, mit dieser hun-dertjährigen Ungerechtigkeit zu tranSigiren; sie hat zuerst die Emancipationsacte gege-ben, und endlich die kalholischen Bischöfe von Irland officiell anerkannt. Wir unserenTheiles haben geglaubt, sie habe dieß aus Gerechtigkeitssinn eben so sehr, als ausFurcht vor der Empörung gethan: jetzt müssen wir daran zweifeln. Doch dem seywie ihm wolle, sie hat nicht nur nicht das Recht, sondern auch nicht die Macht mehr,diese durch die Nothwendigkeit ihr entrissenen nnd durch Jahrhunderte der Unterdrückungso theuer erkauften Zugeständnisse wieder zurückzunehmen. Canning sagte, als er vomWiderrufe der Union sprach:Die Union widerrufen! eben so gut könne man dieHeptarchie wiederherstellen!" Dieses Wort läßt sich eben so gut auf die Emancipa-ticmsacte anwenden.

ES darf überhaupt nie vergessen werden, daß Irland eine Schwierigkeit ist fürAlles, was die Regierung in England selbst thun möchte. Irland schützt dieenglischen Katholiken. Wenn z. B. die Regierung und das Parlament denkatholischen englischen Bischöfen untersagen wollten, Titel anzunehmen, so müßten siedieses Verbot auch auf die Bischöfe Irlands ausdehnen. Ist eS ja doch dieselbeStaatSkirche, die zu London wie zu Dublin herrscht; die Königin ist die Souveräninder einen wie der andern. Wenn die Butte deS Papstes ein Eingriff in die katholischeSuprematie in England ist, so ist sie es auch in Irland ; die Wahrheit wechselt nicht