Ausgabe 
11 (12.1.1851) 2
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von einem Ufer des St. Georgcauals zum andern. Nun aber sind die Titel der katho-lischen Bischöse Irlands seit langer Zeil von Regierung unv Parlament anerkanntund angenommen; entweder muß man also die katholische Kirche Irlands unterdrücken,oder man muß der katholischen Kirche in England, die nur eine mit ihr ausmacht,dieselben Rechte gewähren. Gerade jetzt finden wir in den englischen Blättern eineErklärung des Grafen von Sainr-GcrmainS, ehemaligen Staatssecretärs für Irland ,und in derselben die folgenden Worte:DaS Parlament wird, wenn es über dieseFrage Gesetze macht, in folgendem Dilemma sich befinden: entweder muß eS in Eng-land untersagen, was eS in Irland erlaubt, oder eS muß in Irland untersagen, waSdort seit undenklicher Zeit ohne Hinderniß geschehen ist. Im ersten Falle wird daSParlament die Einheit der Kirche zerstören, und dadurch ihre Stellung in Irland schwächen (und einen Eingriff in fremde Rechte sich erlauben); im zweiten Falle wirdcS eine große und allgemeine Unzufriedenheit unter den Katholiken Irlands hervor-rufen, die Schwierigkeit dieses Land zu verwalten vermehren, und unserm Gesetzbuchenur ein Gesetz hinzufügen, das bestimmt ist, wie so viele andere, nur ein todter Buch-stabe zu bleiben."

Mau hätte die Frage unmöglich besser stellen können. Wahrscheinlich betrachtetsie Lord Clarendon in dem nämlichen Lichte und ist nicht geneigt, alle Früchte feinerweisen Politik aufs Spiel zu setze«, durch welche er die Ehre gehabt bat, Irland den Frieden zu geben. Lord John Russell muß jetzt die Schmähungen bereuen, dieseine Stellung als erster Minister, d. i. als Repräsentant der Interessen der ganzenNation ohne Unterschied der Glaubensbekenntnisse, ihm mehr als irgend einem Andernuntersagen mußte; er wirb cS zu bedauern haben, so leichthin alsabergläubischeMummercien" die Uebungen einer Religion qualifieirt zu haben, zu der sich mehr alszehn Millionen Unterthanen seiner Souvcränin bekennen; und waS ehemals für seinenruhmreichen Nebenbuhler und Vorgänger im Amte eine große Schwierigkeit war,könnte für ihn wohl zur unübersteiglichen Schwierigkeit werden.

A us Pari S.

DaS Faubourg St. Marceau und die Schwester Rosalie.

Eine der Pariser Vorstädte, die von dem schmutzigsten und zerlumptesten Pöbel,gleichsam von dem Auswürfe der Bevölkerung bewohnt wird, ist daS Faubourg St.Marceau. In keinem andern Bezirke der mit Elend und Laster aller Art so gesegne-ten Hauptstadt herrscht eine ähnliche Verwahrlosung der Menschen an Leib und Seele,eine solche Gleichgiltigkeit gegen die Vortheile höherer Gesittung bei so barbarischemHasse gegen Diejenigen, die derselben theilhaftig sind, eine so cnnische Hingabe andie Unordnung und den Unflat, eine so erschreckende Bereitwilligkeit, vor jedwederNoth veS Augenblickes in abscheulicher Betäubung Schutz zu suchen und eine so mäch-tige Neigung zu revolutionärem Schwindel in allen Dingen.

Ich sage herrscht, ich sollte vielleicht sagen herrschte, denn seitdem die Choleraim Sommer neunundvierzig diese Vorstadt, so entsetzlich heimsuchte, ist in dem Geisteund den Gewohnheiten ihrer Insassen eine merkliche Aenderung eingetreten. Die Ver-heerungen, die das grausame, ost so plötzlich erscheiucnde, so zauberschnell daS begon>ncne Werk vollendende Ungethüm in diesem von jeher verpesteten Häusergewinkclanrichtete, möchten an sich schon diese rohen, aber zugänglichen Gemüther zum Jnsich-gehen bestimmt, die Hand deS TodeS, die ganze Wohnungen vom Keller bis zumGiebel ausräumte, mag sie an die unsichtbare Gegenwart einer höheren Macht gemahnt,und die das Maaß, daS doch schon hohe Maaß ihrer alltäglichen Entbehrungen unoVerlegenheiten weit übersteigende Bedrängniß im Gefolge der mörderischen Seuche wieeine Strafe des Himmels aus sie gewirkt haben. Aber hiczu kamen noch andereTriebfedern der Bekehrung und Beweggründe der Besserung.

Die Religion bot all ihre Kräfte zu geistiger und körperlicher Linderung des

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