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unabsehbaren Elends auf, die Priester drangen in die ekelhaftesten Behälter seit Men-schengedenken aufgestapelten Unraths, wo ganze Haushaltungen mit stets sich erneuern-dem Ungeziefer seit Jahren in enger mephitischer Gemeinschaft lebten, die Gesellschaf-ten frommer Laien verdreifachten ihre Anstrengungen, religiöse Frauen aus den höhernStänden suchten hungernde Familien mit Arznei und anderm Bedarf in ihren trau-rigen Stätten ans, und die barmherzigen Schwestern bewiesen sich wahrhast helden-müthig.
DaS HauS dieser Spital- und Schulnonnen in dem Faubourg St. Marceauwird von einer Dame geleitet, die in ganz Frankreich nicht bloß durch ihre ausgebrei-tete Wohlthätigkeit und ihren Feuereifer für die Armen, fondern durch ihren vielseiti-gen Einfluß und die Ursprünglichkeit ihres Wesens zu einer Berühmtheit gelangt ist,nach der mancher Künstler, Politiker nnd Literator, der auf der großen Oper, imPalais Bourbon oder im Feuilleton der „Presse" ein mithin leuchtender Stern ist,vergebens trachten dürfte.
Soeur Rosalie hat sich in den Junitagen als Retterin einiger Officiere derNationalgaide und als leitende Wärterin an den Barricaden hervorgethan. Sie wardaher lange Zeit auf verschiedenen Bildern in ihrer Ordenstracht, aber stark verjüngt,wie sie die Blutgier der Insurgenten stillte, zu sehen, und General Lamoriciere,damal« Kriegsminister, stellte sich mit der galanten Ungebundenheit, die ihm geläufigist, in ihrem Hause ein und legte ihr, nebst dem Danke der Negierung, das Aner-bieten des Ehrenkreuzes, das sie jedoch, glaub' ich, ausschlug, und überfluthende Ver-sprechungen officieller Hilfe und Aufmerksamkeit zu Füßen.
' Soeur Rosalie wurde von dieser etwas martialischen Darlegung ritterlicher Svm.pathie weder verblüfft noch geblendet. Sie war an den Verkehr mit den politischenGroßmächten des Landes, wie an die Dienstbarkeit von Fürsten und Ministern seitlanger Zeit gewöhnt; sie hatte Zutritt bei Carl X,, und Ludwig Philipp in derTasche, Soult hatte mit ihr wie mit einem alten KriegSgefährten sich unterhalten,und Guizot gab ihr Audienz, so oft sie es verlangte.
In ganz Paris verzweigt sich ihre Macht, in allen Vierteln, in allen Ständen,in allen Parteien hat sie Bekannte und Agenten, wo sie nicht selbst anklopfen kann,läßt sie anklopfen, Gläubige und Ungläubige rekrulirt sie im Namen der christlichenLiebe für ihre Unternehmungen und sogar von Voltairianern läßt sie, sagt man, Tri-but sich zahlen. Ihre Sammlungen sind oft erstaunenswerth ergiebig, sie weiß sogeschickt zu bitten, und mit Liebenswürdigkeit so dringend zu fordern, man schlägteine.r so hohen Person nicht leicht Etwas ab und wagt eS nicht, mit einer geringenBeisteuer ihr zu kommen; kurz sie besitzt das beneidenSwerthe Vorrecht, die Cassen derArmen schneller und besser als irgend eine ihrer Colleginnen zu füllen und den ReichendaS wohlthuende Bewußtseyn erhöhter Freigebigkeit zu verschaffen. (Oest. R.-Z.)
Ein Mittel gegen die Sonntagsentheiligung.
Den Grund zu allen religiösen Vereinen hat der Heiland selbst gelegt, in derStiftung seiner Kirche, des großen Vorbildes aller besonderen Vereine, und in denWorten: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, bin Ich mittenunter ihnen." In diesem AuSspruche liegt die Aufforderung, jedes gute Werk inGemeinsamkeit zu beginnen, und liegt die Verheißung deS göttlichen SegenS zu demim Namen des Herrn begonnenen Werke. Gegenwärtig breitet sich über Frankreich wiederum ein Verein aus, der obgleich klein in seinem Ursprung, doch durch die Idee,die ihm zu Grunde liegt, allerwärts Beifall findet und Großes verspricht — „DieBruderschaft zur Sühne der Gott dem Herrn zugefügten Unbilden." ES war imJahre 1847, als der Pfarrer einer kleinen Pfarrei Lanone, im BiSthum LangreS ,welche leider fast alleS religiösen Geistes bar geworden, bei einer veranstalteten Mis-sion lebhaft von dem Gedanken sich ergriffen fühlte, seinen Pfarrkindern einen Verein