Ausgabe 
11 (19.1.1851) 3
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hat es bis jetzt nicht dahin bringen können, die Directoren und Behörden der evan-gelischen Schulanstalten in Berlin zu vermögen, für den katholischen Religionsunter-richt der hiesigen kntholischen Gymnasiasten zu sorgen, ungeachtet ihre Zahl wohl 80bis 100 betragen möchte. Man ist jetzt entschlossen, diesem Mangel entschieden abzu-helfen, da die Parität der Consessionen eS verlangt, soll diese nicht bloß eine papiernebleiben. Man hat sich bis jetzt, wenn auch nicht entschieden geweigert, doch sehrlässige in dieser Beziehung gezeigt. Ohne Energie möchte wohl kaum etwas zu erlan-gen seyn, zumal der intolerante Geist früherer Zeit in den östlichen Provinzen über-haupt sich nicht selten Geltung zu verschaffen sucht. Der Magistrat von Königsbergz. B. schlug daS Gesuch der Katholiken, für den entsprechenden Religionsunterrichtder 200 die städtischen Gymnasien besuchenden katholischen Gymnasiasten sorgen zuwollen, mit dem kategorischen Bescheide:die Gymnasien seyen protestantische, undNiemand sey verpflichtet, sie zu besuchen," rund heraus ab. Erinnern wir unS hier-bei, daß an den katholischen Gymnasien für den evangelischen Religionsunterricht nachMöglichkeit gesorgt wird, sobald ein einziger evangelischer Schüler vorhanden ist, dür-fen wir uns der Worte Fenslon's erinnern, daß die Evangelischen die Toleranz pre-digen , die Katholiken sie üben. Wir halten es indeß für eine unabweisliche PflichtdeS Unterrichtsministeriums, in dieser Hinsicht die geeigneten Maaßnahmen zu treffen.Für Berlin hofft man, einen Geistlichen, welcher auch die philologischen Studien durch-gemacht hat, zu gewinnen.

Der FontzS sür das eine Hospital, daS gleichfalls seine Entstehung den Ideender Herren Brinckmann und v. Ketteler verdankt, hat sich bereits auf 31,000 THIr.ausgedehnt, fast die Hälfte der Summe, welche man für die erste Anlage für nöthigerachtet, und zwar hat derselbe innerhalb zweier Jahre diese so bedeutende Höheerreicht. Auch wird Peter von Cornelius zu Gunsten desselben ein Bild malen, wel-ches, wie wir hören, bereits in Angriff genommen ist und in Stahl gestochen werdenwird. Dasselbe wird eine Scene aus dem Leben der heiligen Elisabeth von Thüringen darstellen, welche nach der Legende den Eifer der Krankenpflege so weit ausdehnte,daß sie die armen Kranken gegen den Willen ihres Gemahls sogar im Schlosse unter-brachte. Das Bild soll nun den Moment auffassen, in welchem der Landgraf, erzürntüber die wiederholte Uebertretung seiner Gebote, selbst die Betten untersucht und beimAufheben der Decke, durch welche Elisabeth ihm den Anblick des Kranken entziehenwollte, Christus selbst statt deS Kranken erblickt. Gewiß ein sinnreicher Stoff für dieBezeichnung der Armenpflege.

Auch in der Provinz ist die katholische Seclsorge entschieden im Fortschritt. DieZahl der früher vorhandenen sechs Pfarreien hat sich innerhalb der sechs letzten Jahreverdoppelt, und die Zahl der Schullehrer in 11 Jahren sich von 15 auf 31 erweitert.Die Zahl der Katholiken in Brandenburg und Pommern beläuft sich nach der letztenZählung am Schlüsse deS verflossenen Jahres auf 37,000 Seelen. (Wests. M.)

Wien .

Wien , 3. Jan. Die ehrwürdigen Redemptoristinnen am Rennweg, derenKloster und Kirche seit ihrer cannibalischen Vertreibung zu militärischen Zwecken ver-wendet wurden, haben auf ihre früher beabsichtigte Zurückkunft nach Wien verzichtet,und Haus und Kirche bereits verkauft. So eben werden die werthvollen Dekorationenaus der Kirche geräumt, um sofort mit andern Kirchen-Utensilien in eine neue Stif-tung der ehrwürdigen Frauen nach Belgien gebracht zu werden. So ist auch daS LobGottes aus dem Munde dieser opferfreudigen Seelen sür daS dem Abgrunde der Gott-losigkeit zueilende Wien für immer verklungen. Die Zahl der Gerechten , deren Gebetversöhnend und sühnend durch die Wolken dringt, wird täglich kleiner in Wien .(Kath. Bl. a M.)

Verantwortlicher Redacteur : L. Schönchen.

Verlagö-Znhaber: F. C> Kremer.