Ausgabe 
11 (19.1.1851) 3
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Ebene fernhin einladet. Referent besuchte die Mission einige Mal und war erstauntüber die heilige, ernste Stille, die unter den Tausenden herrschte, welche zur Missionzusammengeströmt waren. Die Vergleichung mit den Jahren 1848 und 1849 drängtesich uns unwillkürlich auf. Welch wüster Lärm, welche bacchanalische Aufregungzeigte sich aus den Offenburger Volksversammlungen vom 19. März 1848 und 13. Mai1849, wo ein Stay, ein geckenhafter Knabe Gögg, betrunkene, meineidige Soldatenan eine von Wahnsinn ergriffene Menge sprachen, und die schmählichsten Ausdrückegegen einen der edelsten Fürsten, ja gegen alle Fürsten , den vollsten Beifall ernteten.Dagegen welche heilige, stille Freude auf dieser religiösen Volksversammlung in Urlos-fen! Welche Genügsamkeit unter diesen Tausenden, welche die wenigen LebenSmittel,die sie mitgebracht hatten, da und dort sich in Gruppen lagernd, genossen, und dannwieder zur Kirche eilten, wo dcS TageS dreimal über die wichtigsten Religionswahr-heiten die ergreifendsten Vorträge gehalten wurden, welche selbst die Herzen vielerVerirrten mächtig erschütterten. Die Beichtstühle waren von Morgens 3 Uhr bis spätin die Nacht umdrängt. Die Menge zog her und zog ab in der ruhigsten Stimmung.Am dritten Fastensonntage predigte ein ausgezeichneter Gottesmann vor wenigstens7000 Menschen, die auf dem Kirchplatze versammelt, waren, da die große Kirche solcheMenge nicht zu fassen vermochte; lautlose Stille herrschte wie in der Kirche. DiePrediger faßten ihre Sache am rechten Puncte an, ihre Reden waren auch vorzüglicheinzelnen Ständen gewidmet, z. B. der Jungfrau, dem Jünglinge, dem Ehegatten.Der Jungfrau wurde ihre erhabene Bestimmung erklärt, und gezeigt, wie sie durchKeuschheit, Sanftmuth, Fleiß und Gehorsam sich die Achtung ihrer Nebenmenschenverschaffen kann. Dem Jünglinge, der seinem Berufe mit Eifer obliegt, ob Landwirt!),Handwerker, Künstler oder Gelehrter, wird Fleiß, Mäßigung, Nüchternheit, Gehor-sam und Sanftmuth empfohlen, die Folgen der Trunkenheit, der Streitsucht, derUnzucht in all ihren traurigen Abstufungen vor Augen gestellt, und bewiesen, daß dieLaster, die er mit 18 24 Jahren treibt, demselben auch als Mann mit 30 50Jahren, ja bis an das Grab ankleben."

(Fortsetzung folgt.)

Berlin .

Die katholische Bevölkerung in Berlin wie in der ganzen Delegatur schreitet indem unablässigen Bestreben, die kirchlichen Einrichtungen zu vervollkommnen und zuerweitern, mit sichtlichem Erfolge voran, ein Beweis, daß die Bahn, welche diefrühern Pröpste, die Herren Brinckmann und v. Ketteler, hier betreten und eingehal-ten haben, auch unter der jetzigen Leitung des Herrn Pelldram nicht verlassen wird.Durch unablässiges Streben wurde der sonntägliche Gottesdienst in der Hauptstadt,welcher bei einer so großen katholischen Bevölkeruug, außer der entlegenen Jnvaliden-kirche, ausschließlich auf die.Hauptkirche zu St. Hedwig beschränkt war, auf vierPuncte ausgedehnt, das Hospital und die Garnisonskirche, die bis noch vor kurzerZeit sehr vernachlässigte katholische Schule reorganisirt, ein treffliches SchulhauS gebautund ein Unterricht eingeführt, welcher den Anforderungen einer tüchtigen Stadtschuleentspricht. Bei der großen Zahl der hiesigen Gemeindeglieder (sie hat nach jüngsterZahlung fast 21,000 Pfarrangehörige, außerdem 470 überwiese»? Katholiken unterder hier garnisonirenden Linie) kann indeß der so sehr umfassenden Scelsorge kaum inden nothwendigsten Dingen genügt werden, zumal die Thätigkeit der bis jetzt vorhan-denen fünf resp, sechs Geistlichen durch die Anhäufung der Landwehr in Berlin unddie Funktion am Hospital in neuester Zeit noch wesentlich gesteigert ist. Man hatdeßhalb ernstlich Bedacht genommen, einen sechsten Geistlichen definitiv zu gewinnen,der durch die Erweiterung des Hospitals und den nicht mehr zu versäumenden Reli-gionsunterricht unter den katholischen Gymnasiasten sämmtlicher hiesigen Gymnasiennoch großentheilS in Anspruch genommen werden wird. Die vielgerühmte Toleranz