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preisen Gott, daß unter uns in Mitten einer gläubigen Christenheit das hochheiligeOpfer, das ja nach der Verheißung Gottes vom Anfgange der Sonne bis zu ihremNiedergange dargebracht werden soll, noch alltäglich wie zur Zeit des heil. BonifaciuS gefeiert wird. Jene aber habe«, von neuer Irrlehre bethört, die Altäre des neuenBundes verlassen; sie haben sich von den Quellen des Heiles entfernt, und sich selbstneue Brunnen gegraben, die kein Wasser zu halten vermögen Gerade deßhalb nun,weil das Band, daS Deutschland an die Kirche von England knüpfte, so enge war,fühlten wir uns ganz insbesondere durch die Verwaisung und Verödung von diesemschönen Theile des Weinberges Christi so schmerzlich berührt, so hart mit betroffen.Wir sahen uns selbst verwundet, weil diejenigen ihre Treue gegen die Kirche Christigebrochen hatten, die uns zuerst Treue gegen Gott und seine heilige Kirche gelehrt.Cin gewisses Gefühl von Unbehaglichkeit und Unsicherheit hatte sich unser bemächtigt,seitdem diejenigen nicht mehr mit uns waren, die, als Stammgenossen so enge mituns verwandt, früher so oft in den heiligsten Bestrebungen unsere Freunde, und inder Gefahr unsere Bundesgenossen gewesen waren. Seit lange waren wir von derNeberzeugung durchdrungen, daß ein vollkommener Sieg des katholischen Glaubens inDeutschland Und im Norden überhaupt nicht so bald gehofft werden dürfe, so langenicht in dem Reiche, von wo aus das Licht des Christenthumes zu uns gebracht wor-den ist, die Kirche eine heimathliche Stätte wiedergefunden hätte. Mit um so größererTheilnahme haben wir darum immer die Kämpfe und Drangsale beobachtet, wodurchdie kleine ihrem katholischen Glauben treugcblicbcne Heerde in England seit Jahrhun-derten ist heimgesucht worden. Von allen Seiten von der Macht ihrer übermüthigenFeinde umgeben und fast erdrückt, ist diese muthige Schaar doch nicht erlegen. Oft-mals sogar am Leben bedroht, mit dem Verluste ihrer zeitlichen Güter bestraft, undlange Zeit hindurch ihres Bürgerrechtes beraubt, haben diese treuen Söhne des heil.Augustinus und Anselmus den Verlust alles Zeitlichen für Nichts geachtet gegen dieErhaltung und Rettung ihres heiligen Glaubens. Um so dankbarer preisen wir jetztunsern Gott, daß Er eine so rührende Standhaftigkeit und Treue so herrlich belohnthat. Die kleine Heerde ist allmälig wieder gewachsen und zu einer großen Zahl vonGläubigen erstarkt, und min endlich ist auch der Zeitpunct gekommen, wo in England wieder rechtmäßige Nachfolger der Apostel die seit fast 300 Jahren ununterbrocheneReihenfolge der Bischöfe fortsetzen. Die Kirche von England ist wieder als eine eben-bürtige Tochter eingefügt in den Bund der christlichen Völker, und nach langer,schmerzlicher Vereinsamung ist der Wittwenschleier wieder von ihrem Angesichte weg-genommen. Darüber jubeln und freuen sich alle christlichen Herzen, und dankbarbeugen wir unsere Kniee vor Dem, der in der Wiedererhebung des Einen Volkesallen christlichen Völkern eine so große Freude bereitet hat.
Allein wir können nicht verhehlen, daß in die große Freude, womit bei derNachricht von der Wiedererrichtung der Biöthümer in England ganz insbesondere dieKatholiken Deutschlands erfüllt wurden, sich bei uns Luxemburgern ein eigenthümlichesGefühl des Schmerzes und der Wehmuth einmischt. Auch unserm Lande ward daöLicht deS Glaubens von Britannien aus gebracht. Der heilige Willibrordus kam vondort zu uns herüber, und in einer Kirche unseres Landes bewahren wir seine heiligenReliquien als ein kostbares Unterpfand deS himmlischen Segens. Wir haben denSchatz deS Glaubens treu bewahrt, und uie konnte Schisma oder Ketzerei Raumgewinnen auf diesem durch den heiligen Willibrordus geheiligten Boden. Und dennochist die gläubige Heerde hicsclbst ohne einen Bischof. In ganz Deutschland ist keinLändchen noch so klein, wenn anders die katholische Religion nicht gewaltsam unter-drückt wird, wo nicht die kirchlichen Verhältnisse durch feierliche Verträge mit Rom geordnet wären, und wo nicht rechtmäßige Bischöfe die Heerde der Gläubigen weide-ten: aber bei uns hat man kein Concordat, bei uns läßt man nicht zu, daß ein Nach-folger der Apostel den Hirtenstab führe; man behandelt Luxemburg als das Landeiner Mission, und wendet ans dasselbe Gesetze an, die nie und nimmer auf unsAnwendung finden dürften. Ja, selbst der apostolische Vicar, der dieser Mission mit