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bis zum nächsten Morgen zögern zu dürfen. Aber zusehends entschwand der Athem.Man brachte ihm die heilige Wegzehrung, spendete ihm die heilige Oelung und gabihm die apostolische Absolution, bei deren Schluß er ruhig und sanft die Seele imKreise seiner Mitbrüder aushauchte, in deren Mitte ihn Gott vor kurzem erst geführthatte, um für sie nach den harten BerufSmühen eine stille Ruhezelle zu bauen, wozuihn seine Emsigkeit zu Reutte hinlänglich befähigt zeigte. Der liebe Gott ordnete nichtnach der Menschen Gedanken und rief den Baumeister zu sich ... .
In Betreff der weiter» Vorgänge mit der theuren Leiche schließe ich Dir denBericht des Wahrheitsfrcundes bei. Er lautet: „Die vorige Nummer des „Wahrheits-sreundeö" erwähnte in einer kurzen Notiz den Tod des hochwürdigen Pater AccursiuSGärtner auS dem Orden des heil. Franciscus, das Leichenbegäugniß fand am zweitenTag nach seinem Hinscheiden, am 4. Sept. von dem Pfarrhause der St. Johannes-Kirche aus statt. Es war die erste Tvdtenfeier eines deutschen Priesters, die je mCincinnati begangen, und so hatten sich denn anch die Amtsbrüder von fast der gan-zen Stadt zusammengefunden, um dem in ihrer Mitte zuletzt Angekommenen das letzteGeleite und die letzte Ehre zu erweisen, Es that dem Schreiber dieser Zeilen ungc-mein wohl, als er nach alter deutscher Sitte die Hülle des Verstorbenen am Tagevor seiner Beerdigung in priesterlicher Kleidung auf einem „Paradebett" im Sprach-zimmer der St. Johannes-Pfarrei ausgestellt sah — wie auf einem zu den HäupterndeS im ewigen Schlafe da Ruhenden ein kleiner Altar sich erhob, ans welchem dasSinnbild und Werkzeug der höchsten Priestergewalt, der Opferkelch, die erhabeneWürde des Dahingeschiedenen anzeigte. Die violette Farbe des priesterlichen Ornates,wie sie daö römische Ritnal zur Bekleidung eines Priesters im Sarge vorschreibt,war eine heilsame Mahnung für die am Leben Zurückgebliebenen, sür den Verstorbeneneifrige Gebete zum hohen Priester im Himmel emporzuschicken, daß die allenfallsigcBußzeit im ReinigungSorte abgekürzt, und die Trauer wegen der noch nicht erfolgtenReinigung mit Gott bald in die vollste Freude der ewigen Herrlichkeit möchte ver-wandelt werden. Das thaten denn anch die Priester, als sie sich anschickten, dieLeiche anS dem Pfarrhause in die Kirche zum Trauergottesbienst hinüber zn tragen.Der hochw. Herr Gcneralvicar und Pfarrer der St. Pauluskirche, Joseph Ferue-diug, segnete den Verblichenen unter Assistenz der hochw. Herren Jakob Wood alsDiacon, und I. H. LüerS als Subdiacon im Tranerhause ein, worauf der Leichcn-zug auf der Ostseite der Kirche sich entwickelte, und unter Absingung des Psalmes„Miserere" sich zum Gotteshause hinbewegte. Sechs Priester trugen den Sarg, dieandern anwesenden Geistlichen (die Priester im Chorrock und Stole) gingen demselbenvoraus, und die Vorsteher der Kirche begleiteten im Namen der Gemeinde die Leichezn beiden Seiten. Alle trugen brennende Kerzen in ihren Händen. In der Kirchewnrde der „Todtenbaum" wieder auf einem Katafalk aufgepflanzt und ein feierlichesRequiem vom hochw. Herrn P. Supcrior der Tiroler-Franciscaner in Nordamerika ,P. Wilhelm Unterth jener, unter Assistenz oben genannter Leviten begonnen. Nachdem Libera und der Absingung der dabei vorgeschriebenen Kirchengcbcte vom hochwür-digen Herrn Gcneralvicar Ferneding, hielt P. Wilhelm Gärtner vom Altare auseine ergreifende Leichenrede, welche auf die im Presbytern»» versammelten Priesternicht weniger tiefen Eindruck machte, als auf die von allen Kirchen Cincinnati's zu-sammengeströmten Gläubigen. Das schwere Gericht, daS einem Priester nach seinemTode bevorsteht, die schweren Verantwortlichkeiten, die ein Priester bei seiner heiligenWeihe übernimmt, die mühesamen Pflichten, die ein Priester zu erfüllen hat, wareilfür die katholischen Laien AneifernugSpnucte genug, um das Loos der Priester nichtzu erschweren, sondern so viel als möglich zn erleichtern, und für selbe bei ihrenLebzeiten, wie nach ihrem Tode fleißig zu beten. Nach der Predigt führte der Säuger-chor unter Leitung des Hrn. Klausmeyer eine passende Cantate recht erbaulich aufDer Todtenwagen und die Leichenbeglciter waren gerade weggefahren um die irci-schcn Ueberreste des Pater AccursiuS nach dem St. Johannes-Gottesacker (über eineStunde Weges von der Stadt entfernt) zu bringen, da brachte in Eile ein eifriger