Ausgabe 
11 (23.2.1851) 8
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Landleute, die aber einen reichen Schatz der Gottseligkeit besaßen, und den Knabenvon der Wiege an zur Frömmigkeit anleiteten. Hatte das siebenjährige Kind dieWoche recht gut zugebracht, so durfte eS zum Lohne dafür am Samstage zu Ehrender allerseligsten Jungfrau Maria fasten, und die wenigen Kreuzer, die eS statt seinesFrühstückes von der Mutter erhielt, den Armen austheilen. Als Clemens in früherJugend noch seinen Vater verlor, führte ihn die Mutter zu dem Bilde des Gekreuzig,ten mit den Worten:Siehe dieser ist von nun an dein Vater; gib Acht, daß du aufdem Wege wandelst, der ihm wohlgefällig ist."

Clemens wuchs in wahrer Gottesfurcht heran ; sein sehnlichster Wunsch warstet's, studiren und Priester werden zu können; bei der Armuth seiner Mutter warenindessen die Aussichten für ihn trübe. Und hier ist es in der That bemerkenswerth,auf welchen Wegen die Vorsehung den Mann, den sie zu einem auserlesenen Werk-zeuge in ihrem Dienste bestimmt hatte, lange hindurch führte, und zu seinem erhabenenBerufe heranbildete.

Mit fünfzehn Jahren ging Clemens, weil ihm die Mittel zur Erreichung seinesHerzenswunsches gänzlich mangelten, nach Znaim, einem Städtchen in Mähren ,erlernte hier daS Bäckerhandwerk und arbeitete dann eine Zeitlang als Bäcker in derPrämonstratenser-Abtei Brück bei Znaim . Bald jedoch entdeckte er hier dem Prälatensein Verlangen zu studiren; dieser prüfte seine Fähigkeiten und ließ ihn darauf dieunteren Classen der Klosterschule besuchen. In wenigen Jahren machte Clemens treff-liche Fortschritte; seine innige Sehnsucht aber sich vollkommener und ungetheilter Gottweihen zu können, zog ihn mächtig hinaus in die Einsamkeit. Er wollte Einstedlerwerden. Rasch hatte er sich eine Stätte hierzu ausersehen, eine Wohnung errichtet.Der Ruf seines tugendhaften Lebens zog bald das Volk der Umgegend zu ihm hin;mit Freude und heiligem Eifer ergriff der gottinnige Jüngling diese Gelegenheit,Alle, die da kamen, zum Gebete und zur Liebe Jesu Christi anzufeuern. Kaum aberhatte er zwei Jahre zur Erbauung Vieler in dieser Weise zugebracht, so führte ihnder Herr, dessen Absichten andere waren, auch von hier wieder hinweg. Das Institutder Einsiedler wurde nämlich durch Kaiser Joseph II. aufgehoben; Hoffbauer verließseinen seitherigen Aufenthalt und begab sich nach Wien . Hier ernährte er sich durchdaS Handwerk, das er erlernt; doch sein Herz fand keine Ruhe in solcher Beschäfti-gung; eine Pilgerfahrt nach Rom, die er bald darauf mit einem Freunde, Kunzmann,der gleichfalls Bäcker war, unternahm, nährte nur die Begierde in seinem Innern,sein Leben ganz dem Dienste Gottes zu opfern. Gestärkt, aber noch ohne Licht überseine Zukunft kehrte er nach Wien zurück. Eine vortheilhafte Verbindung, welcheihm hier angeboten wurde, schlug Hoffbauer aus. Das Getümmel der Welt wardihm, der auf den Pfaden des innern Lebens immer voranschritt, mit jedem Tage mehrzum Ueberdruß, und so wanderte er nach kurzer Zeit mit dem genannten Kunzmannzum andern Male nach Rom , den Weg kürzend durch Gebet und heilige Gesänge;dort wollte er zunächst die Einsamkeit wieder aufsuchen, deren Glück er früher genossen.Nachdem unsere beiden Pilger die Gräber der heiligen Apostel besucht, wandten sieihre Schritte gen Tivoli, wo sie von dem ehrwürdigen Cardinalbischofe GregorBarnabas Chiatamonti, dem nachmaligen Papste Pius VII. , auf ihr dringen-des'Bitten die Erlaubniß sich in seiner Diöcese niederzulassen und das Eremitenkleiderhielten. In einem Walde bei Tivoli, wo sich bereits vier andere Eremiten aufhiel-ten, gab sich nun Hoffbauer mit aller Kraft seines gottliebenden Gemüthes lediglichden Uebungen der Frömmigkeit hin, in unablässigem Gebete und unter vielfachen Ab-tödtungen zum Herrn flehend, daß er ihn über seinen Beruf erleuchten und nachseinem heiligsten Willen führen möge. Gott erhörte das Gebet seines Dieners undließ ihn klar erkennen, daß er ihm im Priesterstande dienen, und für daS Heil Vielerwirken sollte. Der Stimme GotteS unbedingt folgend verließ Hoffbauer die Einsiedelei,die er ein halbes Jahr bewohnt, und kehrte nach Wien zurück, um seine früher begon-neuen Studien wieder aufzunehmen und zu vollenden. Mittel hierzu hatte er heuteso wenig wie damals, doch er ging im unerschütterlichen Vertrauen auf Den, der ihn