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berufen. In der That ließ ihn der Herr in Wien bald eine fromme Wittwe finden,die sowohl für seinen Lebensunterbalt, als für alle Bedürfnisse zu seinen Studiensorgte. In Jahren bereits vorgerückt, widmete sich Hoffbauer nun mit unermüdlichemFleiße ven Wissenschaften, ohne deßwegen von dem Gebete abzulassen. Er hatte dieQuelle aller Weisheit und aller Wissenschaft längst schon kennen gelernt; dieserQuelle, unserm Heilande JesuS Christus suchte er sich immer mehr zu nähern, aufdaß von hier aus Segen und befruchtende Kraft ausströme in seine Studien. AlleSonntage sah man ihn während des ganzen Vormittagsgottesdiensteö in der St. Sal-vatorkirche ministriren. In den Ferien zog er meist zu Fuß unter harten Entbehrun-gen über die Alpen, um Rom und seine ihm so lieb gewordene Einsiedelei zu Tivoliwieder zu besuchen.
Wie Hoffbauer überhaupt mit ganzer Seele der Kirche ergeben war, so warenauch in seinen Studien ihre Lehren allein ihm Richtschnur und er ließ sich nicht irreleiten durch den Geist der falschen Aufklärung, welcher damals in die Wissenschaftund ihre Diener hineingefahren war. Beweis hiefür möge folgender charakteristischeZug seyn. Einst trug ein Professor Sätze vor, die gegen die katholische Lehre ver-stießen; alsbald erhob sich Hoffbauer und sprach mit apostolischem Freimuthe: .WasSie so eben gelehrt haben, Herr Professor, ist nicht katholisch!" und verließ sogleia>den Hörsaal. Viele Jahre nachher, da Hoffbauer schon lange Priester war, begeg-nete ihm einstens ein alter Herr, der ihn eine Zeitlang firirte und endlich die Fragean ihn stellte, ob er nicht als Student einmal die eben erwähnten Worte einem Pro-fessor gesagt. Auf die bejahende Antwort sagte der Herr: Dieser Professor bin ich;ich danke Ihnen für jene Zurechtweisung, die für mich zwar beschämend, aber heilsamwar; ich dachte darüber nach, fand, daß sie Recht hätten und kehrte in mich.
Nach Vollendung seiner philosophischen Studien betete Hoffbauer mit neuerInbrunst zu Gott um Erleuchtung über seinen Beruf. Er stand, ohne es noch zuahnen, nunmehr endlich nach langem Streben und Ringen dem Ziele nahe, welches» erreichen, dem Port, wo seine Seele Ruhe finden sollte. Noch ein Schritt bliebihm zu thun übrig, und auch zu diesem lenkte ihn jetzt der Herr. Eine innere Stimmerief ihn wieder nach Rom . In Begleitung eines andern Studenten Namens Hibel,mit welchem er schon einige Zeit enge befreundet war, trat er die Reise an; eS warim Jahre 1782 oder 1783.
In der heiligen Stadt angekommen, beschlossen die Freunde am folgenden Mor-gen in jene Kirche zu gehen, deren Glocken sie zuerst rufen würden. Um vier UhrFrüh dem ersten Glöcklein folgend, kamen sie in eine kleine ruhige Kirche, wo ebendie Priester die Morgenbetrachtnng verrichteten. Erbaut durch Alles, was er hierwahrnahm, fragte Hoffbauer einen Knaben, was denn das für Geistliche seyen?„Es sind die Priester des Nllerheiligsten Erlösers und Sie werden auch ein solcherPriester werden," war die Antwort des Knaben, die auf den Fragesteller im Zusam-menhange mit allen andern Momenten einen tiefen Eindruck machte. Bald suchtendie Freunde den P. Rector des Hauses auf, der sie bereitwillig über den Zweck unddie Regeln des Institutes unterrichtete und ihnen dann nach kurzer Unterredung ohnealle Aufforderung die Aufnahme in die Congregation anbot. Hoffbauer fühlte diebarmherzige Hand des Herrn über sich und ohne einen Augenblick zu zögern nahm erdas Anerbieten an. Am andern Tage folgte sein Freund Hibel seinem Beispiele undBeide wurden nun nach Frosinone in das Noviziat geschickt. Der heilige AlphonS,der damals noch lebte, freute sich innigst über den Eintritt dieser beiden ersten Deut-schen in seine Congregation und im Geiste die Zukunft ahnend oder durch höhere Er-leuchtung erkennend, sagte er: Gott wird unfehlbar durch die Vermittlung jener beidenMänner seine Ehre in Deutschland ausbreiten.
Daß Hoffbauer ein eifriger Novize war, bedarf wohl nach dem Bisherigenkeiner besondern Erwähnung. Nachdem er diese Prüfungszeit zurückgelegt und dasStudium der Theologie absolvirt hatte, wurde er endlich gemeinsam mit Hibel zumPriester geweiht; er war damals 34 Jahre alt.