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So war Hoffbauer unter schwere» Kämpfen, nach langem Sehnen reif gewor-den und tüchtig zu den apostolischen Arbeiten, für welche Gott ihn erkoren hatte;alsbald sollte er damit beginnen. Schon von dem Augenblicke seines Eintrittes indie Congregation an hatte er den lebhaften Wunsch gehegt, dieselbe später in seinVaterland zu verpflanzen; nach seiner Weihe zum Priester steigerte sich dieser Wunschzum sehnlichsten Verlangen. Insbesondere hatte er Wien im Auge; da wünschte ereine Niederlassung der Congregation gründen zu können. Da seine Oberen dieß Vor-haben guthießen, so reiste P. Hoffbauer, zum Superior ernannt, im Jahre 1785mit P. Hibel nach Wien ab, um wo möglich daselbst ein HauS zu errichten. Aberdie damalige Zeit war solchem Unternehmen nicht günstig; es war die unselige Zeitdes Zusammensturzes, deS Niederreißens; für ein Ausbauen, namentlich auf kirchlich'religiösem Gebiete war wenig Aussicht. Die Kirche, die Braut Jesu Christi , die indem Kreislauf der Zeiten das Leben, welches ihr himmlischer Bräutigam als dasseinige ihr eingehaucht, in stetem Wechsel wiederum auszuleben hat, sie war damalsbereits in jene herbe und schmerzenSvolle Passionswoche eingetreten, welche in derblutigen Verfolgung und Hinschlachtung von Hunderten ihrer treuesten Diener inFrankreich , und dann in der bittern Kränkung und der wiederholten Einkerkerung ihressichtbaren Oberhauptes den Höhepunct finden sollte. ES war der Augenblick gekom-men, wo man die Braut des Herrn ihrer Kleider zu berauben begann, um sie sofortnackt und arm dem Höhne ihrer Feinde zu überliefern. Die Einziehung der Kirchen-güter hatte ihren Anfang genommen, die später mit dem großartigen Acre gewaltsamerUnterdrückung, wie K. A. Menzel die Säcularisation bezeichnet, endigen sollte.
Kaiser Joseph II., ergriffen von dem Alles auflösenden und zerstörenden Geiste,dessen finsteres Wehen durch die ganze europäische Gesellschaft ging, der sich ihm aberin der Truggestalt eines Lichtengels darstellte und seine Augen blendete, hatte schonin den Jahren 1781 und 1782 alle Klöster contemplativer Orden im Umfange seinerStaaten aufgehoben und durch sein Verbiet gegen den Zusammenhang der klösterlichenInstitute in Oesterreich mit ihren auswärtigen Obern den Lebensnerv unterbunden,und ein Jahr vor Ankunft des P. Hoffbauer in Wien 1784 hatte er abermals einesehr große Zahl von Klöstern und Stiftern eingezogen.
Unter solchen Umständen war Wien für jetzt kein Boden für das Wirken deSP. Hoffbauer; der Segen, welchen er bringen wollte, fand dort noch keine Stätte;er entschloß sich daher sogleich, weiter zu ziehen und zwar wollte er seine Schrittenach Warschau, der Hauptstadt Polens wenden. Noch vor seiner Abreise von Wien führte ihm die Vorsehung seinen Jugendfreund Kunzmann zu, der nach kurzer Ueber-legung als Laienbruder in die Congregation eintrat und hierauf mit unsern beidenPatres nach Warschau wanderte.
Hier angelangt, eilte Hoffbauer, sich mit P. Hibel dem damaligen apostolischenNuntius, Saluzzo , vorzustellen, um durch dessen einflußreiche Verwendung die Erlaub-niß, sich hier niederlassen zu dürfen, zu erlangen. Monsignore Saluzzo , der alsgeborner Neapolitaner die Söhne deS heiligen Alphons mit Freude begrüßte, empfahlsie sogleich dem Könige StanislauS II. und bewirkte, daß ihnen die Kirche zum heil.Benno übergeben wurde. *)
In äußerster Armuth begannen die Patres ihre Wirksamkeit zu Warschau . Mitzwei Thalern Baarschaft waren sie angekommen; die Wohnung, welche ihnen ange-wiesen wurde, war klein und elend; eine Kammer, von deren Wänden daö Wasserherabträufelte imv deren einzige MeubleS ein Tisch und einige Stühle waren, dienteihnen zum Aufenthalte; NachtS schliefen die Patres auf dem Tische, während BruderEmmanuel Kunzmann auf einem Stuhle ruhete, bis ihm einer der Patreö im Laufeder Nacht seinen Platz einräumte. Wie hinsichtlich der.Wohnung, so hatten sie auchbezüglich aller andern Lebensbedürfnisse die größten Entbehrungen zu ertragen. **)
') Vou dcr Kirche wurden die Rcdcmptoristen in Warschau später Bennonitcn genannt.
Im Jahre 1731 ließ ihnen Pins VII., dcr durch seinen Nuntius von ihrer Armuth undi ihrem aufopfernden Wirken hörte, aus der Casse dcr Propaganda eine jährliche Unterstützung von 100Scudi (L40 fl.) anweisen.