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Aus dem Leben des ersten deutschen Redemptoristen .
(Fortsetzung.)
Die apostolischen Arbeiten des Pater Hoffbauer und seiner Mitbrtider in Polen waren zu bedeutend, deren Erfolge zu gesegnet, als daß sie, namentlich in einer ansolchen Erscheinungen so armen Zeit, lange hätten verborgen bleiben können. DerRuf davon drang bald über die Gränzen des polnischen Reiches nach Deutschland hinüber und erweckte an manchen Orten die Sehnsucht, die Priester der Versammlungdes allcrheiligsten Erlösers von Warschau herüber verpflanzen zu können. Von ver-schiedenen Seiten laugten deßfallsige Einladungen bei Hoffbauer ein; so von demdamaligen apostolischen NuutiuS in der Schweiz , welcher ein Kollegium in Constanzgegründet zu sehen wünschte; so ferner von dem Propst des Capitels zu Lindau , dersogar ein HauS sür die Congregation anbot. Gleich diesen verlangte auch der Bischofvon St. Polten die Ncdemptoristen in seine Diöcese zu ziehen. Er wurde hierbeizunächst von der Absicht geleitet, durch dieselben seinem KieruS jährlich Erercitienabhalten zu lassen; zugleich wollte er, als Bischof des kaiserlichen Heereö, sie mit derEinrichtung und Leitung einer BilduugSanstalt für Feldcapläne betrauen. Alle dieseWünsche und Pläne konnten indessen bei der Ungunst der Zeiten nicht realisirt werden.
Im Jahre 1801 oder 1802 wurde P. Hoffbauer wiederholt, und zwar durcheinen besondern Abgeordneten, der ihn in Warschau anssnchte, um Absenkung einigerPriester der Versammlung in die Schweiz gebeten. Von wem dießmal die Einladungausging, darüber haben wir nähere Nachrichten nicht zur Hand; auch die Eingangserwähnte LebenSskizze bietet hierüber nichts.
Hoffbauer begab sich nunmehr wirklich mit einigen Gliedern der Congregationnach Deutschland und es gelang ihm, an der Gränze der Schweiz , auf dem GebietevcS Fürsten Joh. Nepomuk Schwarzeuberg, der sich den Ankömmlingen sehr gewogenzeigte, eine Niederlassung zu gründen.*) Ein altcS Schloß auf einem Berge, derThabor genannt, bei dem Dorfe Jcstettcu wurde den Cougrcgirten zur Wohnungangewiesen. Unter ähnlichen Entbehrungen, wie ehemals in Warschau , begannen dieMitglieder dieses neuen HauseS ihre Arbeiten. Ihr außerordentlicher Eifer in Predigtdes Wortes Gottes und in der Verwaltung des heil. Bußsacramentes gewann ihnenin kurzer Zeit auch hier Liebe und Verehrung des Volkes und überdies) fand auch hierihre Gemeinde selbst sehr bald einen Zuwachs an Mitgliedern.
Hoffbauer, der unterdessen eine Reise nach Rom gemacht hatte, suchte im Herbste1804 dk Seinigeu auf dem Thabor heim. Während seines Aufenthaltes in ihrerMitte kamen Abgeordnete von Tryberg im Schwarzwalde in der damaligen DiöceseConstanz und baten den Seligen, einige Priester dorthin zu senden, wo eine besuchteWallfahrtskirche der heil. Muttcrgottes bestand und sür die geistigen Bedürfnisse derWallfahrer nicht ausreichend Fürsorge getroffen war. Hoffbauer, auf diese Bitte ein-gehend, führte selbst einige seiner geistlichen Söhne nach Tryberg . Von den Bewoh-ner» auf das Freundlichste aufgenommen und mit allem Nöthigen versehen, fandendie PatreS hier ein weites Feld der Thätigkeit und arbeiteten freudig im heil. Wett-streite mit ihren Brüdern auf dem Thabor.
So viel Gutes konnte der Mcnschenmörder von Anbeginn nicht ungehindertso, tg/cschehen lassen; wie wir heute so oft zu sehen Gelegenheit haben, eben so boter auch damals alsbald seinen Landsturm auf gegen die Priester des allcrheiligstenErlösers. Während daS Voll ihnen anhing, wurde ihnen von anderer Seite Haßund Verfolgung in reichlichem Maaße zu Theil, so daß sich P. Hoffbauer endlichgenöthigt sah, die beiden Häuser auf dem Thabor und zu Tryberg wieder zu verlassen.Er wandte sich, durch diese Erfahrung keineswegs entmuthigt, nach Babenhauscn,