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8000 Menschen nach ihrem Flächeninhalte fassen kann, bereits so angefüllt war, daßbis zum Portale Kopf an Kopf stand. Es läßt sich leicht denken, daß cS auch hiernicht ohne Neckereien abgeht. So wurde schon Montags erzählt: zwei Personen,nicht katholisch, Mann und Frau seyen des NachtS von Räubern überfallen undjämmerlich zerschlagen worden, und daS habe Niemand Anders gethan, als — dieJesuiten , oder sie haben eS wenigstens thun lassen. Dieser Mann und diese Frausind nun allerdings jämmerlich zerschlagen worden, aber, wie man sagt, von —ihrem eigenen Sohne, der in die Stube einbrach, der Mutter die eine Hand entzwei-schlug, dem Vater den Kops u. s. w. verwundete und sich dann aus dem Staubemachte. Während am Dienstage über daS schändlichste Laster der gegenwärtigen Zeitund die schönste Tugend unserer deutschen Voreltern gepredigt wurde, ertönte eingellender Pfiff in die Kirche hinein, und mehrere edle Zuhörer der Predigt bliesenfortwährend aus Tabakspfeifen dicke Rauchwolken ihren Nachbarn ins Gesicht. Auchhielt der Hochwürdigstc Bischof eine ergreifende Anrede an die in der Kirche versam-melte Schuljugend der Umgegend. Heute fiel keine derartige Unart mehr vor. Mögeder Erfolg dieser Misston von dem Segen Gottes eben so gekrönt werden, wieanderwärts! (Rhein . Bl.) _
Der Kirchenfurst in der Hütte der Armuth.
Eineö Tages fuhr ein herrschaftlicher Wagen einen Berg in N. hinauf. Obenstand eine ärmliche Bauernhütte, ringsum gestützt, daß sie nicht zusammenstürze.Vor der Hütte spielten drei mit Lumpen bedeckte Kinder, deren Gesichter von Hungerund Entbehrung zwar gebleicht, doch in unschuldiger Freude lächelten. Der Fremdeim Wagen ließ stille halten und stieg aus. Wie einst der göttliche Kinderfreund,begrüßt er freundlich die Kleinen und begehrte von ihnen in die Hütte geführt zuwerden. Die Kinder, welche, wie Kinder überhaupt, bald merkten, wer sie liebhabe, faßten Zutrauen zu dem fremden Herrn und hüpften freudig vor ihm her, insStübchen hinein, wo der Großvater, ein blinder Greis, allein saß und die ebengesottenen Kartoffeln, seine und seiner Enkel einzige Mittagskost, bedächtig befühlte,ob sie wohl schon genießbar seyen. Mit freundlicher Stimme, die zu Herzen ging,fragte der Fremde den Alten um seine Umstände und erfuhr, daß der Greis und dieübrigen Bewohner dieser Hütte sehr dürftig leben mußten. Aber wie getraut ihreuch, fragte er weiter, in dieser so baufälligen Hütte, die alle Tage einzustürzen droht,zu leben? Ach, entgegnete der Greis, es würde zwar nur 80 fl. kosten, sie wiederherzustellen; aber woher so viel Geld nehmen, da daö Essen schon so theuer zu stehenkommt? Der Fremde tröstete den Greis, ermunterte ihn zum Vertrauen auf den„Vater unser, der Du bist im Himmel" und steckte ihm ein Papier in die Hand,mit der, Mahnung, es wohl zu verwahren, bis die Eltern der Kleinen, die bei derFeldarbeit dienten, nach Hause kämen. Er ließ auch kalte Küche aus seinem Wagenhereintragen und speiste vie hungernden Kindlein und den armen Großvater. Nachder Mahlzeit, wobei sowohl der Mund der Kleinen, um die gar so guten Bissen zuverspeisen, als auch ihre Augen, um den schönen, großen, so lieben Mann mit demblinkenden Riug am Finger zu betrachten, genug zu thun hatten, segnete dieser Groß»Vater und Enkelchen und fuhr von dannen. Abends, als die Eltern von der Arbeitheimkehrten, sprangen die Kleinen ihnen munter entgegen und plauderten, wie gutsie heut gegessen, wie ein großer, schöner, fremder Herr dagewesen, der daS Essenmitgebracht und dem Großvater habe er ein Papier gegeben; sie hätten eS aber nichtnehmen und sehen dürfen! Neugierig eilte man in die Hütte und das geheimnißvollePapier war eine UZV fl. Banknote! Wie waren die armen Leute so glücklich und seg-neten den großen, schönen, fremden Herrn und seine Barmherzigkeit! Und dieser Herr?Aus der Beschreibung der Kinder und aus Nachfragen auf der nächsten Station ergabsich endlich, daß der mitleidige Vater der Armen kein Anderer war, als der hochwür-digste Cardinal Melchior. (NegenSburger Zeitung 1347.) Die Nutzanwendungkönnen sich die Leser, vorzüglich die großen Herren, selber machen/ (Schl. K. BI.)
VcrlagS-Jnhahcr: F. C. Kremer.