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Erbauung, Belehrung und christlichen Betrachtungen gewidmet, einen entscheidendenEinfluß auf die Kräftigung des christlichen Bewußtseyns und der Sittlichkeit habenwerden. Ja es sind unS die unermeßlichen Schätze unserer heiligen Kirche, die ewi-gen Grundwahrheiten des Christenthumes so recht klar enthüllt und in ihrer ernstenHerrlichkeit auf das.Überzeugendste entwickelt worden. Weit entfernt, unserer berufs-treuen, würdigen Geistlichkeit zu nahe treten zu wollen, muß eS doch offen zuge-standen werden, daß die äußern Umstände bei der Mission, die glänzende Redner-gabe der PatreS die freudige, begeisterte Theilnahme der Zuhörer, Geist und Herzfür jedes Wort empfänglicher machten, als eö sonst im gewöhnlichen Alltagsleben zugeschehen pflegt.
Die guten Folgen der Mission zeigen sich aber auch jetzt schon im bürgerlichenLeben. Langjährige Feindschaften sind gehoben und einer aufrichtigen Nächstenliebe gewi-chen; — fremdes Eigenthum wird häufig zurückgegeben und das Raisonuiren in Wirths-localen :c., es läßt nach. Ein schon erstarkler Baum sällt schwerlich auf einen Hiebund so wird der Rheingau auch jetzt noch Manches zu wünschen übrig lassen. Wirdaber unsere Hoffnung, die Mission im Rheingau oft und bald wiederholt zu sehen,erfüllt, so darf man sich überzeugt halten, daß der Rheingau in moralischer und reli-giöser Hinsicht seinen alten Ruhm wieder erlangen wird; und ist das einmal erreicht,so wird der gütige Schöpfer und Herr auch den zeillichen Segen unS nicht vorent-halten. — Bei der ganzen Mission ist auch nicht eine einzige absichtliche, böswilligeStörung vorgekommen; alle Anwesenden waren ein Herz und eine Seele. Den pro-testantischen und israelitischen Zuhörern begegnete man allseitig aufö zuvorkommendste,und auch sie verließen nie das Gotteshaus, ohne sichtbar von dem Gehörten ergriffenzu seyn, und der Jsraelit S. S. glaubte, im Herrn Superior wären Salomon undJesaiaS vereinigt.
Einen Tadel, der die Mission von gewisser Seite trifft, darf ich jedoch nichtunerwähnt lassen. Es wurde nämlich bei den Vortrügen über die Standespflichtenauf's strengste darauf gehalten, daß nur solche Persomn zugelassen wurden, die demStande, für den die Predigt gerade gehalten wurde, angehörten. Die Gründe fürdieses Verfahren sind jedoch so einleuchtend und für Jeden, der einen klaren Kopf hat,so überzeugend, daß es eine böswillige Tadelsucht verräth, sich hierüber mißbilligendzu äußern. Möge der gütige Gott dem beendeten MissionSwerke den nachhaltigstenund reichsten Segen für Zeit und Ewigkeit schenken! (Rhein . Bl.)
Von der Nahe, 13. Febr. Ein reges Leben haben wir gegenwärtig hier;in dem kleinen Dorfe Pfasfenschwabcnheim werden im Verlaufe dieser WocheVolksmissionen gehalten, was um so bemerkenswerther ist, da der Ort selbst nurein Filialdorf und die Kirche simultan ist. Es sind diese Missionen in der Thatwahre Volksmissionen, denn die Einladung zu denselben geschah lediglich durch daSVolk, das ist durch die katholischen Bewohner von Pfaffenschwabenheim, wie mir dasmit Gewißheit versichert wurde, die sowohl den Herren Missionären als auch den zurAushilfe nothwendigen Geistlichen ans der Nachbarschaft die freundlichste Aufnahmeboten. Der Hochwürdigste Herr Bischof Wilhelm Emmanuel wußte aber auchein so edleS Benehmen seiner Pfaffenschwabenheimer zu würdigen, ordnete nicht nurdie Mission an, sondern kam selbst, um die Stelle des einen der Missionäre, deSHerrn Pater Werdenberg, der in Straßburg erkrankte, zu übernehmen. Nachdeman dem ersten Sonntage, theils wegen des Simultangebrauchcs der Kirche, theilsauch wegen der sehr regnerischen Witterung, die Kirche nicht sehr stark besucht war,das Wetter jedoch am Montage sich schon zu bessern anfing, und am Dienstage dieErde gefroren, die Witterung am Nachmittage sehr schön geworden, der HochwürdigsteHerr Bischof auch bereits am Montage Abends angekommen war, hatten sich dieBesucher der Mission schon bis zu 5000—6000 vermehrt, so daß die große ehemaligeKlosterkirche, welche, wenn sie, das Chor mitgerechnet, gedrängt voll ist, gegen