Ausgabe 
11 (30.3.1851) 13
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waren die Herren PatreS Miller, Riegger, Druck, Pernizza, Heilig, Gemming,Wieland, Castel, Gampel und EichclSbach; dieselben sind während dreizehn Tagenunermüdet thätig gewesen in Verkündigung des göttlichen Wortes und in SpendungdeS BußsacramentS. Täglich wurden drei Vorträge im Dom gehalten, außerdembesondere Belehrungen über die Standespflichten in der schönen Liebfraucnkirche: fürdie Jungfrauen, für die Frauen, für die unverheirathetcn und für die verheirathetenMänner an verschiedenen Tagen, und zwar für jeden Stand ausschließlich gegeben.Die hochwürdigen PatreS verkündeten die ewigen Wahrheiten nach der Reihenfolgeder Exercitien deö heiligen JgnaliuS mit der diesem Orden eigenen Klarheit, Kraftund Lebendigkeit und praktischen Einfachheit. Alles sollte dienen, den Christen zubelehren, zu erschüttern, zur Buße umzustimmen, um den Weg christlichen Lebens mitMuth zu ergreifen. Von dem Eingehen in die einzelnen Vorträge müssen wir absehen,können aber sagen, daß sie ohne Ausnahme den tiefsten Eindruck gemacht haben.Selbst das Abwechseln der verschiedenen Redner war angenehm, weil jeder Zuhörerfür den Zug seiner Stimmung Auswahl fand. Bald ergriff die tiefe christliche Auf-fassung, bald die Innigkeit deö Gefühls oder die niederschmetternde Kraft des Wortesgegen die Sünde; plastische Darstellung, praktische Einfachheit und wissenschaftlicheGründlichkeit waren die Grundtöne, welche vorherrschten. Den Eindruck mehrte dasKlostergewand, und daS Bewußtseyn, daß diese Männer Alles verlassen hatten, umApostel deS Glaubens zu seyn, und daß sie weit hergekommen waren, nichts Anderessuchend, als Seelen zu gewinnen. Großen Einfluß übten die mit den Predigten ver-bundenen oder mit denselben in Zusammenhang stehenden heiligen Handlungen undActe. Morgens folgte nach der Predigt die heilige Messe, Nachmittags Erklärungund Abbeten deS Rosenkranzes, Abends Bußgesänge mit sacramentalischem Segen.Dahin gehören ferner: die feierliche Uebergabe der Facnltäten an die Herren PatreSdurch den hochwürdigsten Bischof, die Segnung deS MissionökreuzeS, die Erneuerungder Taufgelübde, die Abbitte vor dem alterheiligsten Sacramente, und besonders dieGeneralcommunionen. Nach den ersten Tagen folgte schon die Beicht der Erstcommu-nicanten und deren Gencralcommunion, dann an andern Tagen solche für die Jung-frauen, für die Frauen, für die Jünglinge und Männer, und nach dem Schlüsse derMisston noch eine gleiche für die Gymnasiasten und Bürgerschüier. Diese General-communionen waren gleichsam die Lichtpuncte der Missionen, und besonders geeignet,daS neue Leben der Liebe in die Herzen der Theilnebmenden auSzugießcu. Unausge-setzt waren die Missionäre vom frühen Morgen bis zum späten Abend mit dem Beicht-hören beschäftigt; sie wurden darin aufs Thätigste von den hochwürdigsten HerrenBischöfen Arnolvi und Braun und der hochwüidigen Domgeistlichkcit unterstützt, unvin den Pfarrkirchen geschah daS Gleiche Seitens der Seelsorger und anderer Priester.ES war nämlich der Andrang zu den Predigten so groß, daß der sehr geräumigeDom die Gläubigen nicht fassen konnte der Dom faßt, wenn er gefüllt ist, an6000 Menschen, und der Andrang zum Bußsacramente war über alles Erwarten stark.Um 1 Uhr Mvrgens erhoben sich schon die Christen, um ein Plätzlein am Beicht -stuhle zu finden, und sie dauerten aus bis zum späten Abend, nnd Viele mußten denGang und das AuSdauern bis in den dritten Tag wiederholen; Manche fanden keineStelle. Es begreift sich dieß, wenn man erwägt, daß (die Anzahl der KatholikendeS Stadtcantons beträgt gegen 23,000) 12-14,000 heilige Communionen in dieserZeit theils im Dome, theils in den Pfarrkirchen statt hatten, und daß der greßteTheil der Beichten Generalbeichtcn gewesen sind. Erschütternd wirkte daS Läuten dergroßen Domglocke um halb 9 Uhr eines jeden Abends der MissionSzeit. Wenn dieseTöne vom ehrwürdigen Dome erschallten, dann warfen sich in dcn Häusern, und wosie auch waren, die Gläubigen auf die Knie und beteten fünf Vater unser zur Be-kehrung der Sünder.

Fragen Sie mich über daS Resultat der Missionen, so antworte ich einfach: dieTheilnahme aus allen Classen der Bevölkerung ist außerordentlich groß und stätgewesen; das Wort Gottes ist mit großer Sehnsucht angehört worden, die innigste