Ausgabe 
11 (6.4.1851) 14
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Entschlüssen zu bewegen Sorge trugen. Daraus mußten Wir leicht zur Einsicht kom-men, daß es schlechterdings nothwendig sey, diesem Erzbischvfe die Leitung der Kirchevon Goa zu entziehen. Aber wir erwogen zugleich, daß der Schritt mit ernstenSchwierigkeiten und Gefahren verbunden sey, wenn die Regierung von Portugal indiesem Puncte nicht Hand in Hand mit uns ginge. Daher trugen Wir Unserem außer-ordentlichen Jnternuntius und apostolischen Delegaten, welcher im Jahre 1847 in Rom war und nach Lissabon zurückkehren sollte, ans, mit der königl. Regierung wegen derZurückberufung des Erzbischofs von Goa zu unterhandeln und dieß Geschäft mit allerSorgfalt und möglichstem Eifer zu betreiben. Als die Verhandlungen eingeleitet waren,ermangelte er (der Delegat) nicht, NnS im folgenden Jahre 1848 über die vorzüg-lichsten Bedingungen in Kenntniß zu setzen, auf welche hin die Sache, wie erglaubte, sich beilegen ließe; und Wir trugen Sorge, ihm unsere deßfallsige Meinungmitzutheilen.

Aber der Brief, clci. 8. Juli, geschrieben von Unserem Cardinal-Staatssecretär,war in der Zeit der Wirren aufgefangen oder durch andere Umstände zurückgehaltenworden, in dem Augenblicke, wo wir gegen Ende des nämlichen Jahres, gezwungenRom zu verlassen, Unsern Aufenthalt in Gaeta nahmen. Hier erhielten wir Depeschenund Documcnte von Unserem Nuntius übersendet, aus welchen hervorging, daß zwi-schen ihm und der königl. Regierung im vorigen 2l. October ein Uebereinkommengetroffen worden sey, daß der Prälat Joseph von der Metropole von Goa auf irgendeine andere Metropolitankirche in paitiku8 inticlelium versetzt werden solle, und daßer, ohne Verzug nach Lissabon zurückkehrt, provisorisch mit der Stelle eines Kommis-särs der Bulle für die Kreuzzüge betraut und in der Folge zum Coadjutor des Erz-bischofs von Braga mit künftiger Nachfolge ernannt werden solle, nachdem er Unsdurch seine Briefe jedenfalls den Beweis seiner Unterwerfung und seiner Ergebenheitgegen den apostolischen Stuhl gegeben hätte; und daß endlich, um alle nachfolgendenStreitigkeiten bei der Einsetzung eines neuen Bischofs zu Goa zum Vorhinein abzu-schneiden, in dem apostolischen Acte, welcher dem erwählten Prälaten die erzbischöflicheWürde überträgt, ausdrücklich die Gränzen gezogen werden sollen, die er bei derAusübung seiner Autorität nicht überschreiten darf. Wir erfuhren zugleich, daß dieportugiesische Regierung auf Befehl der sehr getreuen Königin an 5en ErzbischofJoseph geschrieben hätte, um ihn von Alldem in Kenntniß zu setzen, und ihn dringendstaufzufordern, unverzüglich nach Lissabon zurückzukehren. Zu gleicher Zeit lag uns derportugiesische Gesandte beim heiligen Stuhl, welcher uns nach Gaeta gefolgt war,inständig an im Namen seiner Regierung, dem Prälaten, dessen Rückkehr nach Por-tugalbevorstand, zuzusichern, nicht bloß das Amt eines Commissärs der Bulle für dieKreuzzüge so lange zu führe», bis der Sitz von Braga vacant wäre, sondern ihnauch als Coadjutor des Erzbischofcs dieser Kirche mit nachfolgender Succession in demgerade bevorstehenden Consistorium zu ernennen, denn eS wäre kein Zweifel, sagteder Gesamte, daß der Prälat sich beeilen würde, sobald als möglich das erwarteteUnterwerfungsschreiben an Uns zu lichten.

In Mitte der Bedrängnisse, von denen Wir umgeben waren, erregte diese For-derung, der Brief des päpstlichen Jnternuntius, von dem Wir gerade sprachen, undvor allem der Punct der Uebereinkunft bezüglich der künftigen Succession in derKirche von Braga für den Erzbischof Joseph, unsere Besorgnisse in nicht geringemMaaße. Wir riefen uns all das Schlimme in das Gedächtniß zurück, welches sichdieser Prälat in seinen Verrichtungen als Erzbischof von Goa hatte zu Schuldenkommen lassen; auf der andern Seite stand aber sehr zu befürchten, daß Wir, wennWir Uns weigerten den Vertrag Unseres Jnternuntius zu ratificiren, nicht alleinUnsere Hoffnung, welche wir geschöpft hatten, diesen Prälaten auS Indien zu ent-fernen, aufgeben müßten, sondern auch zu erwarten hätten, daß er und seine Partei-gänger von dieser Weigerung Anlaß nehmen würden, in diesen Gegenden ernstereZerwürfnisse zum Nachtheile der Religion hervorzurufen. Es ließ sich jedoch hoffen,daß der Prälat, welcher übrigens in wissenschaftlicher und moralischer Beziehung nicht