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Das ist eS, was Wir durch Bitten und Gebete und. gottgefällige Werke zuerhalten streben vom Vater der Barmherzigkeit, durch JesuS Christus seinen Sohn,und Wir erwarten es zu Euerer Frömmigkeit, Ehrwürdige Brüder, daß Ihr nichtablassen werdet, Euer Bitten und Gebet mit dem Unsrigen zu vereinen.
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Der Inhalt des Briefes, welchen der Erzbischof von Palmhra an Se. Heiligkeit PapstPlus IX. schrieb, ist auszugsweise folgender: Im Eingange beklagt der Prälat, dem hl.Vater Schmerz verursacht zu haben durch sein Betragen und seine Abschiedsallocution inGoa, bittet dann Se. Heiligkeit, diesen Brief wohlgefällig aufzunehmen, und gesteht, daßer sein Betragen weder rechtfertigen noch loben könne. Die Promulganon der Bullen seynicht von ihm in der Absicht geschehen, um dem hl. Stuhle zu opponiren; der Prälat wolleimmerhin die Geheimnisse des hl. Stuhles bewahren, und verspricht immerwährenden Ge-horsam gegen das Haupt der katholischen Kirche . Er gibt dann die Schuld der meisten Vor-würfe, die ihm gemacht worden, gewissen Schriftstellern, welche die Gränzen der Liebe undder Achtung nicht eingehalten, und endlich schließt der Brief mit dem feierlichen Bekennt-nisse der Unterwerfung und Anerkenntniß der Autorität des Papstes und der Bitt? umseinen Segen.
Das Antwort-Schreiben Sr. Heiligkeit vom 6. Jan. 1851 lautet im Wesentlichendahin: zuerst werden alle Versprechungen des Erzbischofes einzeln wiederholt, dann spricht sichder hl. Vater dahin aus, daß er glaube, alle diese Versicherungen kämen aus einem reinenHerzen, und berechtigten daher zur Hoffnung, daß in Zukunft alle Handlungen und Ansich-ten mit diesen Versicherungen übereinstimmen werden. „Denn du darfst keineswegs vergessen,ehrwürdiger Bruder, daß es für einen katholischen Bischof nichts Theureres, nichts Ver-bindlicheres gebe, als die oberste Gewalt des heiligen Stuhles Petri anzuerkennen, vonwelchem die priesterliche Einheit ausgeht, die Einsetzung der Bischöfe und die Leitung derKirche entspringt, als aus allen Kräften die Rechte dieses Stuhles, welche nicht aufmenschliche sondern auf göttliche Autorität sich stützen, zu ehren und zu wahren, dem römi« ^schen Papste getreulich anzuhängen, jegliche Achtung und allen Gehorsam demjenigen zu er-weisen, welcher, auf diesen Stuhl gesetzt, in der Person des hl. Apostelfürsten Petrus vonUnserm Herrn selbst die Macht erhalten hat, die Schafe und die Lämmer zu weiden, zu herr-schen und zu regieren über die ganze Kirche auf der weiten Welt." Der hl. Vater legt demPrälaten ans Herz, wie unselig und gefährlich es seh, von dem Gehorsam zum hl. Stuhleabzuweichen, und die Einheit der Kirche zu stören. Der hl. Stuhl erwarte zu ihm, daßder Prälat das gegebene Beispiel wieder gut mache, und die schlimme Meinung überihn in eine gute umwandle. In dieser Hoffnung wird ihm der apostolische Segen zu Theil.
Erinnerung an einen Kirchenschatz. *)
Als jüngst die katholischen Blätter die Nachricht brachten, Bamberg sey wiederim Besitze eines Theiles des ehrwürdigen Schatzes seiner Kathedrale, da nahmenwir an der Freude der Metropole den herzlichsten Antheil und wünschten, eS möchtendie zurückgekehrten Heiligthümer auch jenen Schatz des Glaubens und der Frömmig-keit wieder gefunden oder neu belebt haben, wodurch jene Zeiten ausgezeichnet waren,an welche sie so lebhaft erinnern.
Ihre Beschreibung weckte indeß auch die wehmüthige Erinnerung an ein Kleinodauf, dessen Besitz dereinst Bamberg'S bischöfliche Suffragankirche Eichstätt vor allenübrigen auszeichnete, dessen Rückkehr sie aber niemals mehr freudig wird begrüßenkönnen.
Zwar hat Eichstätt nie das Glück verloren, die Priestergewande seines erstenBischofes zu besitzen, und noch immer stellt es dieselben am Feste deS Heiligen zurSeite seines Altares zur Verehrung auS; dvH früherhin war eS erlaubt, an diesem
-) Kath. Bl. a. Franken.
"*) Wir haben darüber kürzlich im Feuilleton der Postzeitung berichtet.