Ausgabe 
11 (6.4.1851) 14
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Tage auf demselben Altar noch einen Schmuck zu bewundern, der weniger durch Kunstals durch den Reichthum ausgezeichnet war, welchen die Frömmigkeit zu Gottes Ehregeopfert hatte.

Abb6 Migne hat erst vor einigen Jahren in seiner Encyklopädie der katholischenLiturgie, so wie sie in der Uebersetzung vor uns liegt, die Monstranz der Domkirchevon Eichstätt als die kostbarste der Christenheit bezeichnet und bei Erwähnung ihresWerthes beigefügt, daß Niemand ihren verschwenderischen Reichthum tadeln werde,da er zur Ehre des Heiligsten der Sacramente verwendet ist. Leider hat jetzt dasAllerheiligste diese Ehre, die Schatzkammer der Domkirche ihren werthvollsten Schmuckverloren, von welchen Nichts als der Schatten übrig geblieben, eine Abbildung näm-lich, die in der bischöflichen HauScapelle aufbewahrt wird.

Wie sich an alles Bewunderungswürdige die Sage anschließt, so hat sie eSauch hier zu thun nicht unterlassen. Sie erzählt von Bischof Johann Conrad vonGemmingen, daß er seine Jugend als Edelknabe am Hofe der Königin Elisabeth vonEngland zubrachte und dort am Hochstifte Eichstätt präbendirt wurde. Bei der Ab-reise entläßt ihn die Königin mit dem Versprechen, würde dereinst eine Insel ihmzufallen, so werde sie ihm und seiner Kirche ein Andenken übersenden. Conrad bestieg,nachdem er vorher noch Domdechant von Augsburg geworden, 1595 den Stuhl desheiligen Willibald, und ein reiches Geschenk an Gold und Edelgestein bestätigt, daßdie Königin ihr Wort nicht vergessen. Ein Ornat mit Perlen besetzt und eine Mon-stranz, die kostbarste der Welt, sollte der Nachwelt Zeugniß geben, wie ein Bischofvon Eichstätt seinen Reichthum zu Gottes Ehre zu verwenden gewußt habe.

Wir lassen den Werth dieser Erzählung, die nur jüngere Geschichtschreiber ken-nen, dahin gestellt seyn, genug, noch heute liest man, was ConradS Nachfolger ihmauf das Grab geschrieben, daß er bei weiser Sparsamkeit mitten in Kriegsläuften,die sein Hochstift gefährdeten, seiner Kirche einen reichen Schatz gesammelt, dessenberühmtester Theil die Monstranz gewesen.

Wir haben eine Beschreibung dieses kostbaren heiligen Geräthes im Manuskriptvor uns, welcher im Zusammenhalte mit der noch vorhandenen Abbildung folgendeEinzelheiten entnommen sind.

Augsburg hat den Ruhm, durch einen seiner Künstler die werthvollste Monstranzder Christenheit verfertigt zu haben. Jakob Bayer vollendete im Laufe eines JahreS(1610-1611) das Werk und erhielt für seine Arbeit 3000 Gulden ausbezahlt. Erwählte die Form eines Rebstockes mit 66 Trauben aus orientalischen Perlen undEdelsteinen, die das Ostensorium mit einigen kleinen Statuen umschließen und in einenStern von Diamanten auslaufen, deren größter auf 7000 Gulden gewerthet ist.DaS Ganze wog 22 Pfund feines Dukatengold; 1400 Perlen, 350 Diamanten,250 Rubinen und einige andere orientalische Edelsteine schimmerten vom Fuße bis zurSpitze der Monstranz. Der gesammte Werth ist auf 150,000 Gulden angegeben.

Während der traurigen Zeit des 30jährigen Krieges, in welchem der Nachfol-ger ConradS v. Gemmingen nicht bloß sein Hochstift oftmals geplündert, sondern auchmit sterbendem Auge seine Hauptstadt in Asche gesunken sehen mußte, bewahrte dieprotestantische Reichsstadt Nürnberg vierzig Jahre hindurch das heilige Gefäß in ihrenMauern, bis eS endlich, wie wir einer andern Handschrift entnehmen, am 23. Dec.1637 nach Eichstätt zurückkam, nachdem Johann Euchar das Kleinod um 60,000Gulden wieder ausgelöst hatte. Dieser Bischof selbst erlebte nicht mehr die Freude,sie wieder auf dem Altare des heiligen Willibald zu sehen, auf dem sie am 7. Juli1698 zum erstenmale wieder ausgesetzt werden konnte.

An diesem Festtage des Heiligen sah man sie fortan jedes Jahr an derselbenStelle, gewöhnlich von vier Grenadieren bewacht. Wer da weiß, warum eS jetztkeine fürstlich eichstättischen Grenadiere mehr gibt, dem kann nicht unbekannt seyn,weßhalb er dermalen am 7. Juli vergeblich die goldene Arche des heiligsten derSacramente auf dem Altare deö Willibaldchores snchen wird. Denn für diese Welt