Ausgabe 
11 (13.4.1851) 15
Seite
114
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

114

Die heilige Woche in Jerusalem .

(A»S einem Bericht des P. Johann, Secretär» des heil. Landes, an den Gencralcommissär in Wien ,<i<j. 6. April 1850. Abgedrnckt in denMissionSnotizen aus dem heil. Lande.")

Um Ihnen unsere dießjährige Charwochenfeier gehörig zu schildern, kann ichnicht umhin, die Voreinleitung mit der Erwähnung unserer Musikschule zu machen.Wie herrlich mußte Jerusalem , nach der Schilderung der Propheten, unter den Auspi-ckn deS Königs David und in den schönen Tagen seines friedfertigen Sohnes Salo-mon seyn! Es war heiter und fröhlich, es war die Stadt der Fürsten , die Stadtdes vollkommenen AnstandeS. Ah! wie oft hat Jerusalems Bevölkerung, beim mildenKlänge fröhlicher Harfen versammelt, in gesittetem Fest- und Jubelzuge, zum LobeGotteS die gemüthlichsten und erhabensten Hymnen gesungen! Allein in Jerusalem hatte jede Fröhlichkeit ein Ende von dem Tage, an welchem Israel feindlichen Hänvenanheimgefallen, auS denen eS nicht mehr befreit werden sollte; und seitdem ward indieser, nur mehr nominellen Friedensstadt, das GotteSIob im Geheimen, unter Angstund Furcht, in der nächtlichen Finsterniß oder unter dem Höhne des Tages abge-sungen. Würde eS in unsern Tagen, wo es die Absicht dieser Mission ist, gute Ein-richtungen wieder einzuführen, nicht zeitgemäß seyn, auch die Kirchenmusik einzuführen?Ich verstehe hier eine Musik, geeignet dem katholischen Cultus Majestät und Anmuthzu verleihen; eine Musik, welche ernst, fromm, und Desjenigen würdig seyn soll,der mit Verehrung, Furcht und Zittern bedient werden muß. Fest überzeugt, daßdie Musik als ein zur Bildung führendes Mittel nicht den letzten Platz im Civili-sationsplane einnimmt, war daS Ziel unserer Bestrebungen, in unserer Lehranstaltselbst eine Musikschule zu begründen. Diese besteht nun seit etwa einem Jahre.P. Jakob Rad6, der in Spanien und Italien als einer der ausgezeichnetsten Ton-künstler gefeiert wird, leitet dieselbe mit ausnehmender Geschicklichkeit. Dieser Pro-fessor versicherte bald darauf, daß die Morgenländer, so gut als je andere, mit denzum Fortschritte im Musikspiele und Gesänge für unentbehrlich gehaltenen Fähigkeitenbegabt seyen, und daß sie im Vergleiche zu Andern das beste Gehör zum Musiktactehaben. Sein dießfälliges Urtheil bestätigte sich in kurzer Frist; denn schon nach dreiMonaten waren wir in der höchsterfreulichen Lage, die ersten Früchte davon zu genie-ßen, indem wir den trefflichen Gesang von Kindern hörten, deren Stimmchen mirjedesmal den anmuthigen Chor der Kindlein SionS in'S Gedächtniß rufen. DieMusikschule wird jetzt schon ziemlich zahlreich besucht, und es ist ein Vergnügen, diekeinen Araber an dem Fortepiano zu sehen.

Während der heiligen Charwoche waren auch die Europäer Zeugen von denFortschritten unserer Zöglinge. Dieses Jahr wurden am Palmsonntagc die Functionenin der Grabkirche, am Dienstag in der GeißelungSkirche, am Mittwoch an dem Angst-altar in der Grotte am AbHange deS OelbergeS gefeiert. Vor der Trauermette dieses,so wie der zwei folgenden Tage, staunte Alles, im Chorraume vor dem heil. Grabeein Orchester bereitet, in der Mitte ein Fortepiano, und rund herum Sänger ausdes P. Rad6 Schule zu sehen. Sie sangen die Lamentationen mit unvergleichlichschöner Anmuth, Kunst und Geschicklichkeit, so daß ich die rührende Wirkung nichtnur gefühlt, sondern auch an allen Umstehenden wahrgenommen. Jene durch dieMusik und den Gesang so gut ausgedrückten Bestürzungen, Unterdrückungen, Bitter-keiten und Betrübnisse; jene Erniedrigungen und Aengsten der unglückseligen Stadt;jene Trauer und Trostlosigkeit, diese Fluth von Drangsalen, verwoben mit dem pathe-tischen Klänge der Musik, drückten jedem daS Herz auf ganz unsägliche Weise. 5)

') In der nachträglich eingelangten Mittheilung des P. Benjamin Sirucek vom 30. April d. I.heißt es:Die Trauermetten zeichneten sich Heuer vor jenen der frühern Jahre durch neue vierstimmigeProductionen der Klagelieder des Propheten Jeremias , des Levemetus, Lkristus tsetus und desAliserere, der Gottesdienst am Ostertage aber durch jene einer neuen Messe aus. Die Tonsetzungvon unserm P. Jakob Radü war trefflich, die Ausführung eine meisterhafte. Ein arabischer Knabesang die Ssvran-Partie mit einer so tonenden, hellen «nd runden Stimme und mit einer solchen