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postirt und Estherchen getauft. An der nothwendigen guten Meinung hat eö Allennicht gefehlt. Die Kinder sind überselig, danken der guten Gottesmutter für ihrenSchul) und gehen dann nach Hause, als ob nichts vorgefallen. Estherchen aber selbstist so glücklich, alö ob sie bereits schon mit einem Fuß im Himmel stände.
Drei Tage darauf erkrankt Marie-Estherchen und zwar sehr bedenklich. Nunerst beginnt recht eigentlich die Noth der Kinder. Weinend kommen sie zum Pfarrerund erzählen AlleS, waö vorgefallen. Da war guter Rath theuer, denn mit Judenist in solchen Dingen allein nicht gut handeln. Während man überlegt, waö zu thun,und der Pfarrer eben mit den Eltern Estherchens über das Vorgefallene sich beneh-men will, anch wieder zaudert, um dem kranken Kinde nicht unnöthige Unruhe zumachen, stirbt Marie-Estherchen am siebenten Tage. Der Pfarrer, ein sehr geachteterMann, verfügte sich sofort zn ihren Eltern und erzählt ihnen, waS die Kinder miteinander ausgeführt. Estherchen sey giltig getauft und als Christin gestorben. Erkönne sie zwar nicht gesetzlich dazu anhalten, ihr todtes Kind christlich beerdigen zulassen, indeß bäte er sie sehr darum. DaS gestehen endlich die jüdischen Ellern zu,und für die Gespielinnen des keinen Engels gibt'S ein neueö, aber leider, wie siemeinen, trauriges Fest.
Wenige Tage nachher meldeten sich die Eltern der Verstorbenen beim Pfarrerund baten um christlichen Unterricht und die Taufe. Marie-Estherchen hat im Him-mel mehr über das Elternherz vermocht als auf Erden. (F. St.)
Berichte über Missionen.
Kiederich, 4. April. Gestern kamen die mit frommer Sehnsucht erwartetenvier hochwürdigen Väter Redemptoristen , Superior Hampl und die Patreö KastI,Riegger und Roß maier hier an, um für daS obere Rheingau eine Mission zuhalten. Die Kunde davon hatte sich mit Blitzesschnelle weithin verbreitet und schonin aller Frühe deö heutigen TageS eilten die Gläubigen von allen Seiten herbei,um die erhabenen Wahrheiten des Christenthumes aus beredtem Munde zu vernehmen.Die Zahl der Anwesenden kann wenigstens auf sechs bis acht Tausend angenommenwerden. Der Zndrang der Gläubigen war so groß, daß die zweite Predigt um zweiUhr des Nachmittags unter freiem Himmel auf dem geräumigen Kirchhofe abgehaltenwerden mußte, und zwar von der Kanzel der im reinsten gothischen Style erbautenCapelle, die zu den schönsten kirchlichen Gebäuden deS ganzen Rheiugaueö gehört.Der Anfang ist viel versprechend, und es ist kaum zu zweifeln, daß die Theilnahme,wie dieses allerwärts der Fall war, von Tag zu Tag zunehmen werde, so daß dieMission am 13. d. M. mit einer wahrhaft erhebenden Feier schließen dürfte. Beson-ders ergreifend ist am Abend um acht Uhr der Ton der Bußglocke, der die Gläubigeneinladet, für ihre eigene und für die Bekehrung aller Sünder zu beten. Noch immerHort man von neuen Rückerstattungen gestohlener Sachen oder deren Geldwert!) andie frühern Eigenthümer, als Folge der in Geisenheim stattgehabten Mission.In einer von dem Orte der Mission schon entfernter liegenden Gemeinde deS Rhein -gaueS sind unS noch dieser Tage drei Fälle bekannt geworden. Solche Vorfälle gebenZeugniß von der außerordentlichen Wirkung der Missionen, und daß sie bei Vielenden festen Vorsatz hervorgerufen, sich zu bessern und die frühern Vergehen nach Kräf-ten wieder gut zu machen. In solchen außerordentlichen Zeiten, wie die unsrigen,in welchen der crasseste Unglanbe bis in die niedersten Volksclassen sich verbreitet hat,können auch nur solche außerordentliche Mittel, wie sie die katholische Kirche darzu»bieten hat, noch helfen. (M. I.)
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VerlagS-Jnhaber: F. S, Kremer.