Ausgabe 
11 (27.4.1851) 17
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129
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Eilfter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

zur

Augsburger Pojtzeitung.

27. April /G"' K? «851.

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Ueber Pastoralconferenzen.

Der Fürstbischof von Seckau und Bislhumsverweser von Leoben, Joseph Othmar ,hat unterm 17. März d. I. an den Klerus seiner Diöcesen einen Hirtenbrief inBetreff der Abhaltung von Pastoralconferenzen gerichtet. Wir entnehmen demselbendie Eingangsstellen, welche sich im Allgemeinen über Bedeutung und Zweck solcherKonferenzen auösprechen:

Der Buchstabe ist bestimmt, der Träger des Gedankens zu seyn; der Gedanke,welchen er uns bringt, kann mächtig seyn, zu erleuchten und zu entflammen und erist es oft gewesen Allein gewaltiger noch greift das Wort, welches auS dem Her-zen zum Herzen tönt, in daö Innerste deS Menschen ein. Darum hat die Kirche,über welcher der Geist der Weisheit schwebt, bei allen ihren Einrichtungen dem leben-digen Worte große Geltung gegeben. Als die Apostel ausgingen, um das Angesichtder Erde zu erneuern, kamen sie nicht mit der heiligen Schrift in der Hanv undsprachen: Leset, liebe Leute, was hier geschrieben steht! Vielmehr blühten schon vieleGemeinden von Gläubigen in der Fülle eines Eifers, von welchem unsere Tage nurvereinzelte Beispiele sehen, bevor ein einziges Buch der heiligen Schrift des neuenBundes geschrieben war. Als Boten der Gnade, deren begeisterndes Walten auSihrem ganzen Wesen hervorleuchtete, traten sie vor die Ungläubigen, welche das Jochdes Gottesdienstes und des Lasters trugen, und predigten den Auferstandenen in E»weisung des Geistes und der Kraft. Wir besitzen nun die heilige Schrift, in welcherGott selbst daS Wort seiner Wahrheit uns zum Unterrichte und zur Ermaknung nie-dergelegt hat. Wir besitzen viele und vortreffliche Werke, in welchen Männer vollhimmlischer Erleuchtung DaS, was der Herr sie gelehrt, für ihre Brüder aufbewahr»haben. Die Bücher, einst ein theurer, Wenigen zugänglicher Schatz, sind wohlfeilgeworden und die verbreitete Kunst des Lesens hat sie sogar in die bescheidene Woh-nung des Landmannes eingeführt. Demungeachtet verordnet die Kirche so lringendwie vor einem Jahrtausenve, daß die christliche Gemeinde sich versammle, um dieVerkündigung des Evangeliums zu hören und läßt keineswegs die Entschuldigunggelten, daß man ja auch zu Hause die schönsten Predigten lesen könne: dennwoZwei oder Drei in meinem Namen versammelt sind, dort bin ich mitten unter ihnen"spricht der Herr. Der Christ soll den Unterricht, welchen daS geschriebene Wortgewähren kann, mit Eifer benutzen, aber er soll deßhalb nicht versäumen, den SamendeS lebendigen Wortes in Mitte der gläubigen Gemeinde in sein Herz aufzunehmen.

In demselben Sinne gestaltete die Kirche auch die Einrichtungen, durch welchesie die Lehrer deS Volkes, die Verwalter der Geheimnisse Gottes in ihrem heiligenBerufe zu kräftigen und zu vervollkommnen sucht. Der Priester soll, damit seineäußere Thätigkeit an Segen reich sey, nicht bloß für die äußere Thätigkeit leben; er