Ausgabe 
11 (27.4.1851) 17
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soll gewohnt seyn, i» sich selbst einzukehren und in der Betrachtung der Wahrheiten,die er Andern zu verkündigen hat, sich dem Throne teS Allerhöchsten zu nähern; ersoll aber auch gewohnt seyn, der Vervollständigung jeder Erkenntniß, welche seinemBerufe frommt, eine entsprechende Zeit zu widmen, damit er den Auftrag deS Apo-stels erfüllen und wie mit Geduld so auch mit Lehrweisheit ausgerüstet ermähnenund predigen könne. ES ist seine Pflicht, in der heiligen Schrift niemals fremd zuwerden, sondern in ihren reichen gotterfüllten Sinn immer tiefer einzudringen. ESist aber auch seine Pflicht, keine Kenntniß gering zu achten, welche ihn leiten kannauf dem Wege, wo er die Verirrten zu suchen und die Schwachen zu stützen hat.Zu Bewahrung und Förderung eines solchen, ächt priesterlichen Strebens kann dieAnregung, welche ein Verein von Gleichgesinnten und der Austausch ihrer Ueberzeu-gungen gewährt, als wirksames Hilfsmittel dienen. Um unter den Priestern einesolche heilbringende Gemeinschaft zu vermitteln, hat der schöpferische Geist, welcher inden katholischen Einrichtungen waltet, Vieles gethan und Vieles begründet. Nament-lich rief er zu diesem Zwecke die Zusammenkünfte hervor, welche man Pastoralcon-ferenzen zu nennen pflegt.

Die Pastoralconferenzen sind Versammlungen, auf welchen die Seelsorger eincSgrößeren oder kleineren Bereiches sich vereinigen, um Fragen, welche die Verwaltungder Seelsorge betreffen, gemeinsam zu erwägen. Unstreitig ist es möglich, daß derEinzelne sich im einsamen Gemache mit denselben und vielen andern Dingen auf einesehr nutzbringende Weise beschäftige. Allein für uns Alle ist es heilsam, daß einäußerer Antrieb den innern manchmal verstärke und ergänze. Nichts wird so leichtversäumt als Dasjenige, wozu man nicht durch eine vollkommen bestimmte Pflichtgerufen wird. Daß der Priester sich mit dem, was er in den theologischen Studienerlernte, nicht begnügen, daß er die Kenntnisse, welche er dort empfing, nicht bloßbewahren und durch die Erfahrung beleben, sondern auch vervollkommnen und erwei-tern solle, dieß wird wohl von Niemanden geläugnet. Darum findet man auch, daßeS gut und löblich sey, in diesem Sinne zu handeln und nimmt sich vor, eS zu thun.Aber den Meisten scheint es anlockender und leichter, im äußern Leben zu wirken,alS sich viel mit den stummen Büchern zu beschäftigen und die Gedanken anhaltendzum Erwägen und Studiren zu sammeln. So geschieht es, daß man von der Aus-führung deS guten Vorsatzes fast unmerklich abgelenkt wird. Heute ergibt sich dieß,morgen jenes Geschäft; jetzt ist man unwohl, jetzt nicht aufgelegt. Allein nun wirdein Tag für die Pastoralconferenz festgesetzt. Man will nicht ausbleiben, man willaber auch nicht kommen, ohne etwas Gründliches sagen zu können. Man schenktden vorgelegten Fragen eine Stunde der Erwägung. Man schlägt in diesem oderjenem Buche nach und lieSt dabei auch Vieles, was zu dem Gegenstande in entfern-terer Beziehung steht. Bei der Pastoralconferenz selbst vernimmt man daS Ergebnißder Erfahrungen und Forschnngcn Anderer. Der lebenvolle Verkehr wirkt aber nichtnur durch die Mittheilungen, welche man empfängt, sondern auch durch die Anre-gung der eigenen geistigen Thätigkeit. Der heilige Papst GregoriuS macht hierübereine merkwürdige Aeußerung, welche er auS dem seltenen Reichthums seiner innernErfahrung schöpfte:Häufig, sagt er, geschah eS, daß mir Vieles auS der heiligenSchrift, welches ich, wenn ich allein war, nicht verstand, wenn ich mit meinenBrüdern war, deutlich wurde." Uebcrdieß soll die Pastoralconferenz nicht bloß fürEntwicklung und Bereicherung deS Wissens dienen, sondern vor Allem die Gesinnung,in deren Dienste allein daS Wissen Werth hat, ermuntern und kräftigen. Man sagtmit Recht: Beispiele wirken mehr als Worte; aber die Ueberzeugung, für welchedas Wort und neben dem Worte das ganze Aeußere zum Ausdrucke dient, ist auchein Beispiel. Bei einer Pastoralconferenz, wie sie von der Kirche gewünscht undempfohlen wird, entzündet der Hirteneiser deS Einen sich an dem Hirteneifer des An,dern und jeder nimmt Licht oder Wärme als seinen Antheil mit sich nach Hause.

Die Pastoralconferenzen haben den Wandel menschlicher Dinge erfahren. Siebegegnen uns schon in frühen Zeiten der Kirche, wenn auch unter verschiedenen Namen