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und Formen. Im neunten Jahrhunderte standen sie ausgeprägt da und erst als dasMittelaltcr sich zu Ende neigte, schienen sie zu ersterben; allein sie glichen den Kei-men, welche in winterlicher Erde ruhen und des Frühlings harren. Der heilige KarlBorromäuS , dessen Eifer für die wahre Reformation der Kirche kein Hilfsmittel derErneuerung übersah, erweckte auch die Pastoral- (oder Capitel-) Conferenzen zu ver-jüngter Wirksamkeit; von neuem verbreiteren sie sich in der katholischen Kirche undtrugen vielfache Früchte deS Heils. Wieder ermattete der Eifer, auch die Ungunstäußerer Verhältnisse wandte sich wider diese harmlosen Zusammenkünfte und als dasachtzehnte Jahrhundert schloß, waren sie fast überall spurlos verschwunden. Allein sietraten sehr bald wieder hervor und fanden in mchrern Ländern Aufnahme und Pflege.In diesem jüngsten Zeitraume ihrer Thätigkeit waren sie nicht aller Orten von demGeiste beseelt, in welchem sie von den frommen Hirten der Vorzeit gegründet und vondem heiligen Karl erneuert wurden. In einem hartgeprüften Kirchsprengel erkor einePartei, welche die Lehre, die Verfassung und Disciplin der katholischen Kirche haßt,schon vor Jahrzehnten die Pastoralcvnferenzen zu ihrem Werkzeuge und theilweise gelanges ihr, auf den Pastoralconferenzen zu herrschen. Allein man soll sich nicht scheue«,den Weizen zu säen, weil das Unkraut dazwischen aufsprossen kann. Darum wandtedie bischöfliche Versammlung, welche im Mai und Junius 1849 zu Wien gehaltenwurde, den Pastoralconferenzen ihre Sorgfalt zu und vereinigte sich zu dem Beschlusse,daß die Wiederherstellung derselben dringend zu empfehlen sey.....
Der glaubenslose Priester.
-j- Der glaubenslose Priester ist wahrlich ein armer, armer Mensch, und wer einenSolchen zurückbringen könnte zum Glauben, ihn wiedergeben der Würde seines Berufs,deren Gewänder er bloß trägt, der wäre in der That ein großer Wohlthäter!
Denkt Euch den glaubenslosen Priester in Gesellschaft, wo schlechte Blättergelesen ober gelobt werden, und wo man über die Pfaffen, über die „betrogenenBetrüger" loszieht. O du Armer! was wirst du thun? Du wirst ihnen Recht gebenim Innern, und da du deines RockeS und Standes nun einmal nicht so leichtlos werden kannst, wie sitzest du da in solcher Gesellschaft! Da sitzest du. stumm,weil du dich noch deines GewandeS einigermassen schämtest, wenn du Beifall klatschenwolltest, und du redest nicht, wo du reden, nämlich die Ehre deines Standes unddeiner Kirche männlich vertheidigen solltest; so sitzest du da und spielst eine jämmerlicheRolle, du armer, armer Mensch!
Und wenn du im Beichlstuhl sitzest und hörst das demüthige Bekenntniß somancher gläubigen und frommen Seele und schauest hinein in ihr ganzes Leben undverlachst bei dir selbst „die dumme Offenherzigkeit" und kömmt dir selber ganz curiosvor, daß du der dummen frommen Seele eine Absolution ertheilen sollst, die du nichtverdienst und an die du nicht glaubst, — und bist „neugierig", was dir wohl diesesund jenes Beichtkind anvertrauen werde, sitzest lauernd im Beichtstuhl, wie die lauerndeSpinne im Holzwinkel, um die harmlos heranfliegende Mücke zu fangen; — mitwelchem Gefühl magst du wohl oft auö dem Beichtstuhl gehen und in deine ent-weihte Wohnung zurückkehren, o du armer, armer Mensch!
Und am Altare!--Dort, wo du, Heuchler vor Gott und den Menschen,
das heiligste aller Geheimnisse feiern sollst an einem Ort, den deine unwürdige Ge-genwart entehrt; was fühlst du wohl während der ganzen heiligen Messe? Was fühlstdu besonders, du armer, armer Mensch, wenn der Augenblick der heiligen Wandlungkömmt, wenn Hunderte gläubiger Christen, die hinter deinem ehrwürdigen Gewandnicht den unehrwürdigen Heuchler ahnen, voll heißer Andacht, voll inniger Liebe aufdie Kniee sinken, — was fühlst du da wohl? Unv waS fühlst du, wenn du, glau-benslos und gewissenlos, bei der heiligen Communion, die du mit äußerlichem Respect