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celcbrirst und innerlich belächelst oder doch gleichgiltig betrachtest, daran bist, dir denTod und daS Gericht hincinzuessen, du armer, armer Mensch?
Und wenn vu, ein hohler Kürbiß, äußerlich schön bemalt, die Kanzel besteigst;o du Acrmster! Wo sollst du Gedanken, wo heilige Eingebungen, wo fromme Gefühle,wo hinreißende Begeisterung hernehmen? Wo willst du, im Schweiß deines uurvü»digen Angesichts, Worte und Wendungen hernehmen, um „die Dummköpfe da unten",die zu dir mit frommem, heilöbegierigem Blick hinaufschauen und die Kanzel, die. duentehrst, so sehnsüchtig, ehrerbietig betrachten, zu satisfaciren? In welche falsche Be-geisterung wirst du dich hineinlügen, welche Glaubens- und Sittenlehren wirst duvorheucheln; wie wirst du dich abmühen, um vor deinem Publicum das Elend deinerGlanbenSIosigkeit zu verberge»?
So bist uud bleibst du denn ein armer, armer Mensch, und besonders, wenndir so recht innige, warme, fromme Serien in den Weg kommen, da muß dir (o seynur aufrichtig!) denn doch zuweilen seyn, als läge der Donner des Gerichts überdeinem Haupte!
Ihr, die ihr so unglücklich seyd, glaubenslose Priester zu seyn, wendet Euchnicht ab von diesem Spiegel, in dem ihr euer Bild nur allzu Wohl erkennet, — schautsie an, diese unerquicklichen Züge, und möge durch die Fürbitte Dessen, an den Ihrnicht glaubt, Eure Seele durch die Gnave Gottes im Innersten erschüttert, EuerHerz bewegt, das Schaamroth auf Eure Wangen getrieben werden, möge Euch einStrahl der Gnade den fürchterlichen Abgrund beleuchten, an dessen Rand Ihr steht,um, gleich den gefallenen Engeln, hinabzustürzen, anstatt daß Ihr mit Glauben undReue zurückgekehrt zum Herrn, der so süß »nd lieblich ist, ein englisches Amt, einewahrhaft königliche Würde verwalten und Euch und Andern zum Heil, zur Rettung,zur heiligen Freude werden könntet!
Geschrieben in der Charwoche 1851. C.
Eine Mission im Jahre 171«.
k. In unsern Tagen, wo die Missionen einen so großen Aufschwung erhielten,dürfte es nicht unwillkommen seyn, die Art und Weise einer Mission darzustellen,wie selbe im Jahre 1716 zu Neuburg a, D> stattfand, und in welcher Gestalt selbeallenthalben um diese Zeit gehalten wurden. Es bildet dieß einen nicht unwichtigenBeitrag zur Sittengeschichte deS 18ten Jahrhunderts. Wir beginnen sogleich mit derErzählung derselben. Nachdem Churfürst Carl Philipp sowohl als daö hvchwürdigeOrdinariat Augeburg das Vorhaben, eine Mission zu Neuburg halten zu dürfen,genehmigt hatten, wurde mit allein Eifer alles hiezu Erforderliche veranstaltet undhergerichtet. Bor Allem wurden die zu diesen christlichen Verrichtungen für diebayerische Provinz bestimmten vier Patres Jesuiten einberufen. Zwei, nämlich PaterGeorg Loserer und P. Conrad Herdegen, befanden sich in Düsseldorf , wohin sie aufVerlangen und Kosten der Frau Churfürstin 1714 geschickt weeden mußten, der dritteP. Caspar Rieger war Prediger bei S>. Martin in Landshut , der vierte P. CarlWalliardo Missionär in der Schweiz . Die beiden Erstem kanien den 17. Octoberin Neuburg an, die Andern etwas früher. Hierauf wurde die Mission von denKanzeln dem Volke verkündet und dasselbe ermähnt, den Predigten und Erercitienfleißig beizuwohnen. Die vornehmsten Einwohner der Stadt, so wie die Geistlichkeitlud man durch eigene Abgeordnete hiezu ein. Letztere sprachen ihren Beifall hiezuaus und boten auch ihren Beistand dazu an. Nun wurde vor dem Rathbause auseinem freien Platze zu den öffentlichen Vorträgen und andern geistlichen Verrichtungen,die dabei gewöhnlich waren, eine eigene Bühne errichtet und der Anfang der Misstonauf den 22. October festgesetzt. Schon am Vorabende deS ersten MissionstageSdrängte sich Nachmittags 3 Uhr eine ungeheure Menge Volkes in die St. PeterS-Pfarrkirche, um dem Ansang der Mission beizuwohnen. Dieser hatte auf folgende