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Weise stattgefunden. Der Stadtpfarrer trat mit dem Missionär zum Hochaltare undübergab demselben ein Kreuz, als das Symbol deS vorhabenden heiligen Geschäftesmit einer kurzen Anrede, worin er ihm das Heil der Stadt und der Einwohnerschaftempfahl. Der Missionär empfing dieses heilige Unterpfand mit großer Ehrfurcht undversprach alle seine Kräfte auS Liebe zu dem Gekreuzigten, und dem Seeleuheile deSVolkes zu widmen. Hierauf wurde die erhabene Himmelskönigin um ihren Beistandzu diesem Unternehmen angefleht, und eine Procession angestellt, welcher auch dieFranciScaner und barmherzigen Brüder beiwohnten; der Zug begab sich in die Hof-oder Jesuitenkirche, wo der Hymnus verii scmetö 8pii'itus gesungen und über den Tert2. Cor. 5, 20: So sind wir nun Botschafter an Christi Stadt:c. eine Predigtgehalten wurde. Diesem feierlichen Anfange wohnten nicht allein die Bürger, sondernauch alle Hofleute und fürstlichen Räthe und Beamten bei, trotz der übelsten Witterungund heftigen Regens. Während der Procession sangen die Studenten eine in Versegebrachte deutsche Litanei, die man auch abendS in der Kirche und in den Straßenvernahm. Nachdem die Predigt beendigt, wurde der Segen gegeben und das Bolkentlassen. AbendS 7 Uhr begann die Gewissenserforschung in der Kirche und vor der-selben wieder eine kurze Anrede, worin fünf Puncte auseinander gesetzt und jeder der-selben den Zuhörern zur Ueberdenkung vorgelegt wurde. — Der folgende, also dererste Missionstag, begann mit einer Predigt, welche schon früh Morgens 6 Uhr überdie Absicht der Ausübung guter Werke gehalten und nach derselben eine hieraufbezügliche Formel vorgetragen und von allen Anwesenden mit lauter Stimme nachge-sprochen wurde. Nun folgte die heilige Messe ohne Musik, nur als der Priester mitdem Hochwürdigsten den Segen ertheilte, antwortete der Chor.
Um 1 Uhr Nachmittags wurden den Mädchen in der Hofkirche, den Knaben inder St. PeterSkirche die vorzüglichsten Glaubenslehren erklärt. Um 2 Uhr führteman aus erstgenannter Kirche die Mädchen und die Frauen, aus der andern dieMänner mit den Knaben in schönster' Ordnung zum MissionSplatz. Hier bielt einPater wieder eine Anrede über das Thema: „was zur Besserung unseres Lebenwan-delS erfordert werde." Nach geendigter Rede wurde aus der Kirche das Hochwür-digste unter Begleitung des Adels und der Vornehmsten der Stadt getragen und aufeinen eigens dazu errichteten Altar der öffentlichen Verehrung ausgesetzt. Bevor derPriester dem Volke den Segen damit gab, forderte einer der Missionäre, angethanmit Chorrock und Stola, dasselbe in einer nachdruckövollen Rede zum Glauben undzur schuldigsten Ehrerbietung gegen dieses Schauder und Zittern erregende Geheimnißauf. Das Zurücktragen des Hochwürdigsten in die Kirche geschah ohne Begleitung,indem jetzt wieder eine andere Predigt, die eigentliche Bußpredigt, begann. Diesehatte den Zweck, die Gemüther aufzurütteln und zur Furcht Gottes zu bewegen.Damit aber der Prediger nicht allein durch Worte, sondern auch durch die That aufseine Zuhörer wirke, begann er gegen das Ende seiner Rede sich öffentlich zu geißeln.Während der 10 Tage, als die Mission währte, wurde dreimal unter der Messe dasOfficium der unbefleckten Jungfrau und deS heiligen Franz v. Xaver gesungen, undin dessen Namen ein Wasser geweiht, das stark abgeholt wurde. Gegen die Nachtversammelten sich, wie bisher die Männer in der St. Peterskirche, die Frauen in derHofkirche, um Bußübungen vorzunehmen. Beide Abtheilungen begaben sich auf denMissionSplatz und durchzogen von da aus, jedoch besonders abgetheilt, die Hauptstraßeder Stadt. Den Männern ging der Missionär mit einer eisernen Geißel versehenvoraus und gab durch unaufhörliche Hiebe, die er sich beibrachte, den PönitentenMuth dasselbe zu thun. An der Spitze der Frauen schritt eine adeliche Dame, in.einem BufMide, barfuß, das Bildniß deS Gekreuzigten in den Händen tragendEinige von den PatreS und Brüdern der Jesuiten , einen Strick um den HalS undeine Dornenkrone aus dem Haupte, trugen Vorstellungen (tereuls) deS Leidens Christi,andere schleiften Kreuze.
Auch die Schüler der Volksschulen und die Studenten bildeten einen Zug. DerfP. Präfect als Kreuzträger, einen Strick um den HalS und eine Dornenkrone au