Ausgabe 
11 (27.4.1851) 17
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dem Haupte, führte denselben, und die Studenten folgten gleich ihrem Führer ebenfallsdaS Haupt mit einer Dornenkrone umwunden. Die Zahl der Pönitenten, welcheKreuze trugen, oder mit knotenvollen Stricken, mit eisernen Ketten und Geißeln ihrenKörper zerschlugen oder ihren Rücken zerfleischten, war sehr groß, und eS befandensich darunter nicht blos gemeine Leute, sondern auch hochgestellte, adeliche Personen.WaS diese Selbstpeinigung noch um vieles empfindlicher machte, war eine kalte Nachtund Regenwetter. Indessen wurde alles dieses Ungemach mit fröhlichem Muthe ertra-gen Aber nicht allein unter den Männern bestand der Eifer zu Bußübungen, auchFrauen, adeliche Frauen, ahmten das Beispiel derselben nach, zogen daS Kreuz odergeißelten sich. Selbst daS zarte Alter verließ das jugendlich Fröhliche, nahm einenheiligen Ernst an und schwang mit nicht leichter Hand die Geißel. Dieser Eifer wurdevorzüglich durch die öffentliche am Platze gehaltene feurige Bußpredigt uud dadurchentflammt, als man sah, wie der Prediger sich selbst geißelte. Allenthalben erhobsich Weinen, Stöhnen und Geheul, wodurch die Zuhörer die Schmerzen und Reueüber ihre Sünden an den Tag legten. Unter Andern machten auch einen besondernEindruck zwei Ehefrauen, welche unbedeckten Angesichts, schwere Kreuze ziehend daherkamen. Alle, die sie sahen, wurden durch diesen Anblick sehr gerührt und aufs Innigstebewegt. In den letzten drei Tagen der Mission strömten auS weit entfernten Ortenso viele Landleute, theils schaarcnweise, theils in Processionen geordnet, mit Fahnenund ihren Geistlichen herbei, daß der geräumige Hauptplatz der Stadt, wo dieMission gehalten wurde, kaum die Menge fassen konnte. Bei dem letzten Umzugschätzte man die Zahl der männlichen Büßer allein über 40t>l). Den Tag bevor dieMisston geendigt wurde, ermähnte der Missionär seine Zuhörer zu einer eifrigen Ver-ehrung Mariens und sprach mit solcher Rührung, daß alle Anwesenden in ThränenauSbrachen. Nach geendigter Rede bat er öffentlich um Verzeihung und Nachsichtüber seine Fehler und gab, wenn er allenfalls, auf waS immer für eine Art, diegehofften guten Früchte der Mission in etwas gemindert haben sollte, seinem Körperöffentlich wieder die Geißel.

Um an dem darauffolgenden Feste Allerheiligen Unordnung und alles die An-dacht Störende zu vermeiden, wurden für die verschiedenen Stände eigene Stundenzur heiligen Communion bestimmt. In der Hofkirche allein, ohne die andern Pfarr-und Klosterkirchen, zählte man 7VW Communicanten.

Um N Uhr bestieg der Hauptprediger die Kanzel, ermunterte die Zuhörer zurStandhaftigkeit in ihren guten Vorsätzen, forderte sie auf, alle Gelegenheiten zumSündigen zu vermeiden, öfters die heiligen Sacramente der Buße und deS Altareszu empfangen. Hierauf wurde der Ambrosianische Lobgesang gesungen, Gott für diegewährte heilige Mission gedankt, nach I Uhr Nachmittags der vom Papste Elem-menS II. verliehene Segen gegeben und so die Mission beschlossen.

Die englische Kirche.

Der bekannte Historiker Professor Leo in Halle (Protestant) gibt imVolkS-blatt für Stadt und Land" folgende bemcrkenswcrthe Erörterung:

Von der Art und Weise, wie König Heinrich VIII. die Reformation in Eng-land ein- und durchführte, kann man getrost auSsprechen, daß sie durch und durchsündhaft und abscheulich gewesen sey, sowohl in ihren Motiven, als in ihren Proce-duren seine ehebrecherischen Gelüste und seine Habsucht bildeten die Motive, Ge-waltsamkeit, Tyrannei, die schauderhafteste Kirchenbedrückung war die Procedur. Dieenglische Kirche ward durch die Reformation nicht zu geistlicher Freiheit, sondern zu, ehester Sclaverei geführt, uud Elisabeth, die ein uneheliches, ja ein Kind deS Ehe-bruchs gewesen wäre, nicht daS mindeste Recht auf den englischen Thron gehabthätte, wenn man Heinrichs Thun nicht als berechtigt anerkannt hätte, mußte indieser Kirchentyrannei beharren, wenn sie Königin von England bleiben wollte. Diese