Ausgabe 
11 (27.4.1851) 17
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gefahrenen Wagenburg kirchlicher Institutionen hatte, auf welche Wagenburg dieSchlachtreihe nur taktische Rücksicht nahm. DaS lebendige kirchliche Bedürfniß hatsich denn auch neben jener Wagenburg geltend gemacht, zuerst als der Jndifferentis-mus schon daS ganze Leben zu verschlingen drohte im Methodismus, dann als dieserfür GewissenSsragen selbst schon bedeutend die Gewissen wieder geschärft hatte, dieLage Irlands als daS Facit eines zweiten entsetzlichen Sündenregisters die StaatS<männer auch von der politischen Seite drängte und man nun die Katholiken emanci-pirt hatte, in dem sich ausbreitenden Katholicismus, der, wie neuerdings ganz richtigausgeführt worden ist, sich noch reißender verbreitet haben würde, wenn nicht derPuseyiSmus als ein Versuch, der englischen Staatskirche wieder mehr eigenes Lebenzu gewinnen, vermittelnd dazwischen getreten wäre. So steht nun in diesem Augen-blicke der englische Staat sowohl nach der kirchlichen, als nach der politischen Seitevor einer Krisis, die leicht auch eine Katastrophe werben kann. Der Methodismuskonnte sich ausbreiten, ohne dus kirchliche Gerüst des Staates von England zu bedro-hen; die römische Kirche bedroht dieses Gerüst ihrer Natur nach, auch wenn sie eSnicht ausdrücklich will sie ist nicht bloß eine geschlossene Macht, sondern zugleichein vollkommen organisch gebautes und vollendetes Wesen. Der Methodismus hatnur ein Herz der Kopf fehlt seinem Daseyn und Mit ihm die organische Geschlos-senheit, was sich in seiner politischen Ohnmacht der Staatökirche gegenüber eben sosehr, als in seiner Neigung, wieder in eine Reihe von Spaltungen und Secten zuzerfahren, darstellt. Seit Jakobs II. Vertreibung war die kirchliche Wagenburg, dieim Rücken der Staatslinie aufgefahren war, nicht wieder bedroht gewesen manhatte sie ruhig stehen lassen können, so daß allmälig die Räder sich tief in den Rasensenkten und unbeweglich wurden. Ab und zu holte man Munition und Proviant ausihr; hatten Einzelne in ihren eigenen Taschen Munition und Proviant bei sich,so störte daS nicht. Mit einem Male ist die Wagenburg im Innern und von Außenbedroht. Im Innern, denn neben der ursprünglichen linearischen Ordnung der Wagen-burg hat sich ein bequemes Gehenlassen der einzelnen Wagenführer gebildet mitder Zeit muß daraus Verwirrung folgen Philpotts dringt auf Herstellung deralten präcisen Ordnung, seine Gegner schreien, die lebendige Entwickelung der Be-quemlichkeit habe auch ihr Recht also Streit zweier Haufen im Innern, und wäh-rend dessen fährt mit einem Male eine andere Macht, die in der vornstehenden staat-lichen Schlachllinie eine gute Anzahl Kämpfer hat, eine neue Wagenburg neben deralten auf. Im Kleinen, für die irländischen Mitkämpfer, hatte man daS aber schongestattet waS nun? entweder muß auch die Ordnung der römischen Hierarchie fürIrland abgefahren werden, oder man muß auch die neu aufgefahrene Wagenburgfür die englischen Streiter stehen lassen. Thut man aber daS, so werden immer mehr,die es ihrer subjectiven Stellung nach näher haben, denen Munition und Proviantin der neu aufgefahrenen Wagenburg besser zusagen, auch aus den englischen Reihendahin laufen eS wird Verwirrung entstehen und am Ende die im Rasen einge-wachsene Staatskirchenwagenburg im Tumult bei Seite geräumt und geplündert wer-den, da sie bald nur als ein hinderliches, halb vermorschtes Gesckleppsel erscheinenwird. Noth in allen Ecken und nun zugleich die Noth vorn in der Schlachlliniees ist, wie wenn Jemand, der an einem Magenübel leidet, ein Hautleiden dazubekömmt die Arznei, die ihn vom Hautleiden befreien könnte, verschlimmert dasMagenübel und so umgekehrt da ist eS gar nicht so unmöglich, daß über langoder kurz des guten kuZ 6v Wllrss Prophezeiung eintrifft und England einen gewal-tigen PlumpS thut - : ^rißletorre rie sers plu5.

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.

Verlags-Jnhaber: F. C. Krem er.