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die Hinterlage der ewigen Glaubenswahrheiten treu zu bewahren, die derSohn GotteS, JesuS Christus , seiner Kirche anvertraut hat.Schon jetzt glaube ich diese Pflicht erfüllen zu müssen.
Ich habe nunmehr ein halbes Jahr in Eurer Mitte zugebracht. Blicke ich aufdiese Zeit zurück, so muß ich mit gerührtem Danke mein Herz und meine Hände zuGott erheben. Er, der mächtig und dessen Name heilig ist, hat mir seinen gnaden-vollen Beistand nicht versagt. Seine Barmherzigkeit hat mich bisher von Stelle zuStelle begleitet, und so ist eS geschehen, daß ich auch unter Euch so viel Liebe undVertrauen angetroffen habe; eine solche Geneigtheit Eurer Herzen, daß ich dadurchmein eigenes Unvermögen weniger empfunden habe. In der Stadt und auf demLande, wo immer ich zu Euch gekommen bin, habt Ihr mich in einer Weise aufge-nommen, die mir tief zu Herzen ging, die mir Eure Liebe zu Christus verkündete,der mich gesandthat; die mich ohne Unterlaß an meine Pflicht erinnerte, mich EuremSeelenheile ganz aufzuopfern. Und wenn ich gar an die Missionen denke, die bisherabgehalten sind, an die heilige Begeisterung, mit der Ihr dort weither zusammeneiltet, um das Wort Gottes zu hören und die heiligen Sacramente zu empfangen;an die erbauliche Ordnung, mit der Ihr dort, viele Tausende als Brüder versammelt,im Gebete, wie von Einem Geiste und Einer Seele durchdrungen, ausharrtet, —wie vermag ich da Gott gebührend zu preisen und Euch meinen Dank und meineLiebe hinreichend auszudrücken. Viele Hindernisse, die ich dagegen erwartete, sindgänzlich verschwunden, und ich kann noch keinen Namen in dem ganzen Lande nennen,von dem ich eine persönliche Kränkung erfahren hätte.
Je mehr ich aber hiernach verpflichtet bin, Euch zu lieben und mit allen Kräf,ten für Euer Seelenheil zu arbeiten, desto mehr mußte es mich betrüben, daß derGeist des Unglaubens sich auch in Eurer Mitte eine Stätte aufgeschlagen hat undsich das Ansehen gibt, als gehöre er dem Volke an, das mir Gott zu leiten über-geben hat. So ist eS aber nicht. Der Same des Unglaubens ist nicht hier gewach-sen, er ist ein fremder Same, den man hierher getragen hat. Die Säeleute desUnglaubens sind nicht von hier, sie haben nichts gemein mit Eurer Geschichte, mitEurem Volke, sie sind Euch nicht durch Bande des Blutes und der Abstammung ver-wandt. Der Same und die Säeleute sind Fremdlinge in der Geschichte der DiöceseMainz .. Das könnte mich trösten, wenn ich nicht sehen müßte, daß auch diesesfremde Unkraut angefangen hat, hier und dort aufzugehen, und daß viele der miranvertrauten Seelen es gar nicht zu ahnen scheinen, von welcher Art dieses giftigeUnkraut ist, welche Gefahr dem ganzen Volke, der ganzen Nachkommenschaft droht,wenn es sich weiter verbreiten sollte.
Um nun den Wächtern nicht zu gleichen, die da schliefen, während der Feinddaö Unkraut säete, habe ich ohne Unterlaß Gott angefleht, er möge mir offenbaren,was ich zu thun habe, um diese Gefahr von Euch und Euren Kindern fern zuhalten, und ich glaube nunmehr, daß eS meine Pflicht ist, Euch zu warnen und denoffenen Feinden des christlichen Glaubens offen entgegen zu treten, Feinden, die eSwagen, einem katholischen Volke ins Angesicht zu sagen, daß die römisch-katho-lische Kirche barer Aberglaube sey, die so Eure ganze Vergangenheit schmähen,Eure Eltern bis in das fernste Glied, die dieser Kirche mit Liebe anhingen und alsoDiener des Aberglaubens gewesen wären, wenn die Kirche Aberglauben lehrte.
Nichts aber darf mich abhalten, eine so ernste Pflicht zu erfüllen.
Ich weiß zwar, wie man mein Verfahren nennen wird. Man wird überIntoleranz und Gewissenszwang klagen. Man wird schöne Namen: Liebe, Friede,Freiheit gebrauchen, um gegen mich zu kämpfen. Man wird von Inquisition , Bannund Ketzergerichten sprechen.
Ihr aber, Vielgeliebte, werdet Euch in der Beurtheilung meines Verfahrensdurch den schönen Klang leerer Worte nicht irre machen lassen.
Ist es Intoleranz, wenn ich als von Gott bestellter Bischof Eurer Seelen dieWahrheit, den Glauben, die Offenbarung Gottes gegen den plattesten Unglauben