Ausgabe 
11 (11.5.1851) 19
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gemäß, hier auf Erden dienen. Gott gibt jedem Menschen die nothwendige Gnade;Gott hat Alles gethan, was seine Allmacht vermochte, den Menschen zu retten; aberdie endliche Entscheidung liegt in der Hand jedes Menschen. Gott ist langmüthig,aber er läßt seiner nicht spotten. Dieses Leben ist eine Zeit der göttlichen Erbarmung aber eS ist jedem Menschen gesetzt, zu sterben, und dann folgt das Gerichtund die Entscheidung für die ganze Ewigkeit, die Guten werden Gort ewig schauen,ewig in ihm selig seyn, die Bösen aber werden ewig von Gott getrennt, Strafe lei-den. Der Herr wird sie sondern, und zu den Einen wird er sprechen: Kommet her,ihr Gesegneten meines Vaters, nehmet daS Reich in Besitz, das Euch bereitet ist vonAnbeginn; zu den Andern aber: Weichet von mir, ihr Verfluchten, ins ewige Feuer.Wer diese klaren gewissen Wahrheiten läugnet, macht Christum zum Lügner, demMenschen aber sucht er die heilige Furcht Gottes zu rauben, welche der Anfang allerWeisheit ist, wovon der Heiland sagt: Fürchtet die nicht, welche den Leib todten,sondern fürchtet denjenigen, der Leib und Seele in die Hölle stürzen kann. Wasnutzt eS darum dem Menschen, so er die ganze Welt gewänne, aber Schaden litte anseiner Seele, denn was will er zum Ersatz für seine Seele geben?

AlleS dieses läugnet jene Partei, und es ist also keine Wahrheit deS Christen-thumS, welcher sie nicht kalten und entschiedenen Unglauben entgegensetzt.

So ist denn gar nichts, was sie mit dem Christenglauben gemein haben?Glauben sie denn nicht wenigstens an denselben Gott, wie wir? Leiver muß auch daöVielen, die sich an die Spitze dieses unchristlichen Treibens gestellt haben, und nunauch ihre Anhänger allmälig und unvermerkt in die Tiefe ihrer Verirrungen hinabzu-ziehen suchen, abgesprochen werden. Der Gott, von dem sie reden, ist nicht der wahrelebendige Gott, den alle Diener Gottes im alten und neuen Bunde angebetet haben.Ihr Gott ist ein bloßes Gedankending, jener Allvater, wovon die moderne Flachheitsich nebelhafte Vorstellungen macht, der uns zu ferne ist, um ihn zu lieben und umihn zu fürchten, der sich niemals seinen Geschöpfen geoffenbaret, der weder ihr Er-löser, noch ihr Heilig- und Seligmacher ist, jener Weltengeist, von dem man kaumweiß, ob er ein von der Welt verschiedenes persönliches Wesens oder ob er nur diein der Welt wirkende Naturkraft ist.

Und in der That, wenn die deutschkatholische Secte in ihrer Art von religiöserAufklärung fortschreitet, waS bleibt ihr noch übrig, als der baare Atheismus? Unddieser wird auch ihr trauriges Ende seyn.

Mit der gesammten Glaubenslehre ist aber in der Secte der sogenannten Deutsch-katholiken auch die Sittenlehre des Christenthums über Brod geworfen. Das Wesender christlichen Moral besteht darin, daß wir, an Jesum Christum glaubend, ihnlieben und ihm nachfolgen. Da wir aber das AlleS nur können mit seiner Gnade,die uns durch die heiligen Sacramente zu Theil wird, wie kann man wähnen, daßdaS christliche Leben mit einer Lehre bestehen könne, welche allen Glauben an JesuSChristus vernichtet, die Gnade läugnet, und anstatt auf den Glauben, die Demuthund die heilige Liebe Gottes, ihr Moralsystem auf jene stolze Selbstgerechtigkeit grün-det, die ihr eigner Erlöser seyn will, die kein Gesetz über sich anerkennt, als daStrügerische Urtheil der eigenen Vernunft, welche den Menschen sein Ziel und Endenicht in Gott, sondern in sich selbst finden läßt, in jener stolzen Selbstachtung undirdischen Selbstbeglückung, welche die moderne Gottvergessenheit an die Stelle derVerherrlichung GotteS und der Sorge für unser ewiges Seelenheil gesetzt hat, welchedaS Christenthum unS als den letzten und höchsten Zweck unseres LebenS bezeichnet.

Dieses ist also das Verhältniß des sogenannten Deutschkatholicismus zur katho-lischen Kirche . Die Kirche Christi ist katholich, d. h. allgemein, weil sie alles das,was Christus ihr übergeben und waS die ganze Christenheit an allen Orten und zuallen Zeiten mit Einem Herzen geglaubt und mit Einem Munde bekannt, lehrt, glaubtund bekennt, und hiemit alles Leben, alle Wahrheit, alle Bejahung im Principe insich schließt; auch dem Deutschkatholicismus kann man eine gewisse Allgemeinheit zu-sprechen, zwar nicht der Zeit und der Ausdehnung nach, denn er ist erst seit gestern