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und geht bereits seinem Verfall entgegen, und nur hie und da zählt er einige Anhän-ger; aber doch in so fern, als er alle Irrlehren, alle Läugnung und damit alle Keimedes Todes, der Verneinung, des Abfalls, der Zerstörung in allen Confessionen, beiChristen und Juden, in sich aufnehmen kann; ein vollendeter Abfall, ein vollkommenerGegensatz, ein unbedingter Widerspruch gegen alles Christenthum, gegen alle geoffen-barte Religion bis zur äußersten Spitze.
Ihr möget deßhalb den Schmerz ermessen, Vielgeliebte, der sich meiner bemäch-tigte, als ich sah, wie dieser baare Unglaube in der Sladt des heiligen Bonifacius,von wo aus einstens daö Licht des Christenthums über ganz Deutschland ausstrahlte,und hie und da auch in der Diöcese Mainz nicht bloß Anhänger gewonnen, sondernauch mit welcher Offenheit und durch welche Mittel er verbreitet wird. Ich kannteden sogenannten Deutschkatholicismus kaum anders, als vom Hörensagen. Geht denRhein hinab, wo die Städte liegen, die mit Euch den Glauben und die Kämpfe derKirche seit Jahrhunderten getheilt haben, durchwandert den ganzen Norden Deutsch-lands, geht durch Schlesien bis zu der Stätte, wo der Stifter dieser Secte geborenist, -und ihr werdet hören, daß man dort überall den sogenannten DeutschkatholiciSmuSfür so leer, so nichtig, so geisteSarm und geistesschwach, so unwissenschaftlich hält,daß man von seiner Existenz kaum noch etwas weiß.
Aber wie fand ich eS her? Hier sand ich, daß einige Fremdlinge diesen in sichso nichtigen, tröst- und hoffnungslosen Unglauben mitten unter einem Volke, das,wie ich ja gesehen, großen TheUs mit Treue und Liebe der Kirche anhängt, verbrei-ten, und so einen offenen Vernichtungskrieg gegen das Christenthum führen — undmit welchen Waffen? Mit den Waffen ver plattesten Unwahrheit und Unwissenheit.Mit wahren Kindermährchen, die man als Ergebnisse neuer Aufklärung und tieferWissenschaft zum Besten gibt, greift man die erhabensten Wahrheiten an. AlleS,was die Heiden und Juden zur Zeit der alten Christenverfolgungen gegen daS Chri-stenthum, Alles, was Jrrlehrer je gegen die Kirche ersonnen haben, was tausendmalwiderlegt, waS in ven Augen jedes wissenschaftlichen Mannes eine Abgeschmacktheitist, wird als neue Entdeckung vorgebracht und benutzt, um damit in sogenanntenreligiösen oder kirchengeschichtlichen Vorträgen, oder in Privatzirkeln, oder an öffent-lichen Orten, ununterrichteten Leuten, ungelehrten Arbeitern, um Frauen und Mäd-chen, ja Unmündigen und Kindern ihren Glauben abzuschwatzen, sie gänzlich in dieIrre zu führen, und unter Benutzung aller Leidenschaften zum Abfall und zum Haßgegen die Kirche fortzureißen. Es ist unerhört, mit welch rein lügenhafter Behaup-tung man die heilige Schrift, das Leben Christi, die geschichtliche Wahrheit, die Ehreder katholischen Kirche und damit die Ehre des größten Theils der gesitteten Mensch-heit, welcher dieser Kirche seit vielen Jahrhunderten angehört, angreift. Da wirdbehauptet, keines der Evangelien sey von einem Apostel, sie seyen erst später ausfabelhaften Sagen zusammengeschrieben und vielfach verfälscht; dort werden ganzeerdichtete Leben Christi zum Besten gegeben, angebliche Aufschlüsse über seine Wunderund seine Auferstehung; da wird erzählt, daß der Glaube an die Gottheit Christi erstvon Kaiser Constantin durch Gewalt der Christenheit sey aufgenöthigt worden; dannwieder, daß die Lehre von der Gegenwart Christi im heiligen Altarssacramente, vonder Beichte u. s. w. viele Jahrhunderte nach den Aposteln aufgenommen sey, wäh-rend das Gegcnheil von allem diesem thatsächlich feststeht; da werden der Kirche undihren Dienern die abscheulichsten Gräuel und Scandale der häßlichsten Art nacherzählt,und die ganze große und herrliche Geschichte der Kirche zu einem ekelhaften Gewebevon Schändlichkeiten entstellt. Und durch solche Mittel wird das Volk, werden dieseSeelen, für die Christus gestorben ist, jammervoll zu Grunde gerichtet.
Was mich aber besonders schmerzlich berührte, und was mein Schweigen indieser Sache zu einem Verrath an den Seelen deS mir von Gott anvertrauten Volkesmachen würde, ist die Wahrnehmung, daß selbst politische Blätter der Verbreitungdieses Unglaubens ihre Spalten widmen. Mögen sie auf politischem Boden sich hal-ten, dann habe ich nicht daS Recht, über sie zu urtheilen. ES ist aber verwerflich,