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wenn politische Blätter, die überdieß für ein fast ausschließlich katholisches Volkgeschrieben sind, die Politik dazu benutzen, um den katholischen Glauben zu verhöhnenund zu zerstören; «S ist unerhört, wenn ein katholisches Volk sich daS gefallen läßt.Und dennoch steht ein großer Theil der unter Euch verbreiteten politischen Blätterunter dem ausschließlichen Einfluß der sogenannten deutschkatholischen Secte, und wirktdahin, die Anschauungen dieser Secte zu verbreiten. Ich habe sie oft gelesen, undfast immer einen ungerechten, mehr oder minder auf Unwahrheit beruhenden Angriffgegen die Kirche, gegen daS Christenthum, gegen die christliche Sitte gefunden. JedeInstitution der Kirche, ihre Orden, ihre Priester, ihre Gebräuche, ihre Andachtenwerden dort verunglimpft und verspottet, jeder Abfall vom Geiste, von den Lehrenund Gesetzen der Kirche wird angepriesen und erhoben, die Gottlosigkeiten ausländi-scher Schandliteratur werden dem Volke zur Unterhaltung dargeboten, der platteste,geistloseste Unglaube wird gepredigt, und wo in der ganzen Welt ein wirkliches odererdichtetes Verbrechen eines Priesters zu Tage kommt, da wird es mit hämischerSchadenfreude mitgetheilt — all das unzählige Große, Gute, Edle, Heilbringende aber,daS von der Kirche ausgeht, verhehlt, verkleinert oder gar entstellt und verlästert.
(Schluß folgt.)
Berichte über Missionen.
Ueber die Mission in Mannheim bringt das „M. I." einen längernBericht, dem wir Folgendes entnehmen:
Von feierlichem Beginne der Predigten mit Glockengeläute, glänzendem Gottes-dienst u. f. w., was andere Missionen schon von vornherein so erhebend macht, warhier keine Rede. Kaum daß man Morgens um 5 Uhr zur Messe läutete. Deßhalbaber wirkte die Mission nicht weniger segen- und erfolgreich. Was den Besuch betraf,so fand man nicht jenes allgemeine Gedränge zu allen Predigten, wie in andern mehrkatholischen Gegenden (Mannheim zählt höchstens 10 — 11,000 Katholiken); allein dieZuhörerzahl war dennoch groß für eine Stadt, wo bei den gewöhnlichen sonntäglichenPredigten kaum 3—400 Menschen gegenwärtig sind. In der am wenigsten besuchtenAndacht, die Morgens um 9 Uhr gehalten ward, waren immer mehr Leute, nament-lich Männer, als in der gewöhnlichen SonntagSpredigt. In den übrigen Predigtenwechselte die Anzahl, namentlich aber war Abends die Kirche von 3—4000 Menschenbesetzt, und in dem Unterrichte über die Standespflichtcn der Jünglinge war sie sovoll, daß viele noch vor der Thüre standen, die nicht herein kommen konnten. AlleClassen, alle Stände der Bevölkerung waren im Auditorium vertreten. Die FrauGroßherzogin Stephanie , die fürstlichen und andern Standespersonen gabengutes Beispiel, und verfehlten keine einzige Predigt; außerdem sah man oft denStadtcommandanten und die Officiere, eben so die höchsten Beamten der Regierung.Auch der königl. preuß. Gesandte am badischen Hofe, Hr. v. Savigny (Katholik),war von Karlsruhe herübergekommen, der Mission beizuwohnen. AbendS bestand dergrößte Theil des Auditoriums aus Männern, und zwar auS den gebildetsten, aufge-klärtesten, und an ihrem beständigen Wiedererscheinen sah man den Eindruck, vondem sie ergriffen waren. Auch das Theater war vertreten, und man sah manchenangesehenen Schauspieler eifrig die Predigt anhören. Protestanten wohnten viele bei,und wie man hört machte die Wahrheit auf manchen von ihnen einen überraschenden,oft entscheidenden Eindruck.
Sogenannte Deutschkatholiken sah man wenige: ihr Prediger hatte sie beimBeginne der Misston alle zusammenberufen und eine rührende Rede an seine Schäf-lein gehalten, in der er sich gar gefühlvoll über die Missionäre auSsprach; man müssevon ihnen sagen: Vater, verzeih' ihnen, sie wissen nicht, waS sie thun! ic. —Nirgendwo ist aber auch der böse Geist noch so ungeduldig, ja so wüthend über eine