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Mission geworden, wie hier: denn daß man wagen würde, in einer seiner Haupt«städte eine Mission zu halten, hatte er sich nicht geträumt; hier, wo er eS so weitgebracht hatte, daß Katholiken ihre Religion so sehr mißachteten, daß sie an derkatholischen Kirche vorbeifuhren, um sich in der protestantischen trauen zu lassen; hier,wo eS in neuerer Zeit beinahe für unanständig galt, ein Katholik zu seyn; wo derReformator Ronge (als Basstrmann's Gast in Mannheim eingezogen) selbst besoffennoch angebetet wurde; wo bei der täglichen Feier der heiligen Messe höchstens fünfbis sechs Personen gegenwärtig waren; wo vielleicht längst keine katholische Kirche mehr wäre, wenn man sie nicht wegen des Kirchenvermögenö, so gering eS auch ist,noch beibehalten hätte; hier, wo sich Alles gegen die Mission sträubte, am meistender katholische Kirchenvorstand, der beim Herrn Erzbischof förmlichen Protest gegendie frommen „Reiscprediger" einlegte; wo nur der Stadtpfarrer allein, wenn auchmit Zagen, den lobenswerthen Muth hatte, die Verantwortlichkeit eines solchenUnternehmens auf sich zu nehmen. Daß nun aber gerade die Jesuiten es wagten, mitkühner Hand dieß Bollwerk der Afteraufklärung anzugreifen, dieß brachte die Lügen-geister einen Augenblick außer Fassung und dann in Wuth.
Mit Spott und Hohn, mit Verleumdung und gröblicher Entstellung, ja mitAndrohung von Gewalt fiel man über die Mission her. Zuerst wollte man sie mitVerachtung strafen: „die Mannheimer werden sich nicht um Pfaffengeplärre und mittel-alterliches Rumpelzeug kümmern", hieß eS in ihren Zeitungen, „sie sind dafür vielzu gescheidt; man wird höchstens nur einige alte Weiber in der Kirche sehen." Aberdie Mannheimer waren nicht dieser Meinung, und als nun Tausende zu den Pre-digten strömten, und zwar nicht bloß alte Weiber, sondern gerade Die, an derenGunst den Herren am meisten gelegen war, und die sie am allerungernsten dort sahen,da spannten sie andere Saiten auf. Mit dem Spotte kamen sie nicht weit: manfing an, kühn zu verleumden, die Predigten auf'S Gehässigste zu verdrehen, durchdas Lügen-Journal in Frankfurt falsche Gerüchte unter das Publicum zu bringen,um den Mannheimern alles Vertrauen zu den Missionären zu benehmen und ihnenFurcht und Abscheu gegen dieselben einzuflößen. Als demungeachtet die Zuhörer immerzahlreicher wurden, da suchte man schnell seine Zuflucht zu einer Bittschrift an dieRegierung zu nehmen, damit man den Missionären das Weiterpredigen untersagensolle! Man ließ die Petition in der Stadt circnliren, aber sie fand nicht genugUnterschriften, und mußte so liegen bleiben. Man kam vor wie nach in die Predigtund hörte aufmerksam zu: alle Versuche, die Mission zu vereiteln, scheiterten kläglich.— In den Wirthshäusern u. f. w. schimpften die eiuen über die Mission, von dersie kein Wort selbst angehört hatten; Andere, die der Predigt beigewohnt, vertheidig-ten sie, und manchmal ganz handgreiflich. Noch neulich haben einige Dragoner vonihren kräftigen Fäusten Gebrauch machen müssen, um einige Subjecte zur Ruhe zubringen, welche über sie und ihren Major schimpften, weil sie den Predigten zuge--hört. Ueberhaupt geht es hier, wie überall: Diejenigen, welche die Misston anhal-tend besuchen, sind dafür begeistert, und die sie nicht kennen oder sich darunter eheralleS Andere vorstellen, als Das, waS sie wirklich ist, werden um so wüthenderdagegen, als sie die Andern begeistert sehen.
Die Wirkungen, welche die Misston in Mannheim unter Katholiken und Prote«stanten hervorbringt, sind für die Zukunft unberechenbar. Ein völliger Umschwungder Ideen ist angeregt; eine neue Zeit für die katholische Religion ist auch hier ange-bahnt. Die Einen sind zurückgeführt, die Andern sind gestärkt, die Gleichgiltigenaufgeweckt und Alle in ein anderes Verhältniß zur katholischen Kirche gestellt, zu derKirche, die man für halb begraben und mit dem hohlen Rationalismus fast verschmol-zen hielt, und die nun mit einem Male wieder in ihrer ewigen Jugendfrische undEigenthümlichkeit dasteht. Aber Alles ist noch nicht gethan. ES ist bloß ein Anfang,aber ein Werk der Barmherzigkeit GotteS , der das Angefangene noch vollenden wird.
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