Ausgabe 
11 (18.5.1851) 20
Seite
153
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Eilfter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

zur

Augslmrger PostMtung.

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18. Mai ^ 2«. 1851.

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Hirtenbrief des hochwürdigsten Bischofs von Mainz,

bei dem Anfange der Fastenzeit 1851.(Schluß.)

In dieser offen vorliegenden Thatsache kann ich nur das Bestreben erkennen,die politische Bewegung für religiöse Tendenzen auszubeuten. Unter dem Vorgeben,Politik zu treiben, will man das Volk deutschkatholisch machen. Dagegen muß ichmich erheben und dagegen sollten sich mit mir alle Katholiken erheben, von welcherpolitischen Partei sie immer seyn mögen.

Als die Arianer vor anderthalbtausend Jahren unter dem Schutze der römi-schen Kaiser bis nach Mainz vorgedrungen, um nicht etwa, wie eS jetzt geschieht,Christus zu einem bloßen Menschen zu machen, sondern um ihm seine ewige Geburtvom Vater abzusprechen, da trat der Bischof von Mainz, der heilige Marimus, derNachfolger des heiligen Märtyrers Lucius, wider sie auf, durchwanderte barfuß mitseinen Priestern das Land, um seine Heerde vor dieser Irrlehre zu schützen. Ohneandere Macht, als die der Wahrheit, kämpfte er gegen die übermächtigen Arianer.Er wurde sieben Mal von ihnen ergriffen, öffentlich geschlagen und vertrieben, aberwie Christus durch den Tod den Tod überwand, so überwand er durch Leiden dasLeiben und die Verfolgung, und befestigte von Neuem seine Heerde in dem Glaubenan den Sohn Gottes.

Seitdem bis auf die neueste Zeit hat eS Niemand mehr gewagt, in der Mittedes Volkes, von dem Ihr abstammt, die Gottheit Christi offen anzugreifen; mir undmeinem Vorgänger war der Schmerz aufbehalten, diese Unthat erleben zu müssen.

Wenn ich auch an Verdienst nicht werth bin, dem heiligen Marimus dieSchuhriemen aufzulösen, so theile ich dennoch sein Amt und seine Pflichten. Fürdenselben Glauben, den er vertheidigte, habe ich an derselben Stelle meine Stimmeerhoben, und wenn eS nöthig seyn sollte, so bin ich bereit, auch seine Leiden fürdiesen Glauben zu tragen.

Vielgeliebte in unserm Herrn Jesuö Christus! Wie die Zeiten vor unS waren,so werden sie auch nach uns seyn. Nur wir Menschen vergehen schnell, wie dieBlume verblüht, wie daS Blatt vom Baume fällt. In dem alten Mainz wandelnwir auf Gräbern. Unwandelbar besteht nur die Kirche bis an das Weltende.

Wird aber auch die Stadt und die Diöcese Mainz Christus und seiner Kircheunwandelbar treu bleiben? Werdet Ihr und Eure Nachkommen, wenn die Posaunendes Weltgerichts Euch und Eure Voreltern aus den Gräbern hervorrufen werden,daS Zeichen desselben Glaubens an der Stirne tragen, das sie so treu nnter allenGlaubenskämpfen bewahrten? oder werden sie mit dem Zeichen des MenschensohneSund Ihr mit dem Zeichen seines Widersachers dastehen?