Ausgabe 
11 (18.5.1851) 20
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so auch die Priester; und wie die gefallenen Engel die Verführer der Welt wurdenund daS größte Elend anrichteten, so auch schlechte Priester; ja, es gibt auch schlechtePriester. O, gäbe es keine! Wären wir Alle, wie die Kirche uns will, wie wires der Kirche geschworen haben, wie würde cS dann anders in der Welt werden,waö könnte dann noch der Wahrheit und Schönheit der Kirche widerstehen? Aberwarum sehet Ihr auf diese unseligen Nachfolger deö Judas , über die die Kirche weh-klagt und jammert, und nicht auf die große Schaar heiliger Männer, die zu jederZeit Gut und Blut dem Heile ihrer Mitbnider geopfert haben? Abermals frage ich,welche andere Zeichen der Liebe, als den Hohn über die Kirche, haben sie Euchgegeben? Welche Opfer, welche Entsagungen umd Selbstverläuanuiigen haben sieEuch gebracht? O wahrhaft, prüfet die Geister. Wir aber, Geliebte, wollen Euchzeigen, daß wir Euch lieben, daß wir nichts suchen als Eure Seele. Ich bin wenig-stens nicht zu Euch gekommen, weil ich keinen andern Aufenthalt auf Erden hatte,oder weil ich zeitliches Gut bedürfte. Ich habe in meiner Heimat viele tausendSeelen, von denen ich mich mit Schmerz losgerissen, die mich mit Jubel und Liebewieder aufnehmen würden; ich habe dort Gelegenheit genug, auch iu zeillichem Wohl-ergehen zu leben, wenn ich das suchte. Ich bin auf Befehl des heiligen Vaters zuEuch gekommen, und ich bin bereit, Euch meine Zeit, meine Kräfte, mein Habeund mein Leben zu opfern, und nichts für mich zu suchen bis an das Ende meinesLebenS; und viele meiner Mitbrüder unter den Priestern sind dazu bereit, daS wollenwir Euch zeigen. Prüfet dann, wer ver Miethling ist, der nicht Gott und seineHeerde, sondern sich und das Seiuige sucht. Prüfet aber auch Cure Seele, EuerGewissen in ver Gegenwart des allwissenden Gottes, prüfet Euch, nachdem Ihr gebetethabt, prüfet Euch, ob daS der Weg ist, der Euch wahrhaft glücklich gemacht hat,auf dem Ihr der Ewigkeit entgegen gehen wollt. O, möchtet Ihr zu dem gutenHirten Eurer Seele zurückkehren! Heute, wenn Ihr meine Stimme höret, verhärtetnicht Eure Herzen.Glaubet an das Licht, so lange Ihr das Licht noch habet,damit Ihr Kinder des Lichtes seyd." So bitte ich Euch mit den Worten Jesu Christi .Lasset die Zeit nicht vorübergehen, wo Euch das Gnadenlicht noch leuchtet. HabtIhr die Gnadenzeit erschöpft, entzieht Euch Gott die Gnade, ohne welche wir nichtglauben können, o dann würden sich an Euch die fürchterlichen Worte erfüllen, dievon den Juden geschrieben stehen: Darum konnten sie nicht mehr glauben; denn JsaiaShat abermals gesagt:Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verstockt, daß siemit den Augen nicht sehen und mit dem Herzen nicht verstehen, noch sich bekehren,noch ich sie selig mache."

Ihr Alle aber, geliebte Diöcesanen, die Ihr an Jesum Christum glaubt unddurch ihn selig werden wollt, ich bitte unv ermähne Euch, benutzet die Gnadeuzeit,die uns jetzt bevorsteht, die heilige Fastenzeit im Geiste der Kirche. Wenn Gott derSünde gedenken will, wer wird dann vor ihm bestehen? Vereiniget Euch mit unSPriester,»! im Gebete, damit Gott seine heilige Liebe in unsere Herzen ausgieße, betetfür die Kirche, den heiligen Vater, die Bischöfe und Priester, daß Gott sie mit Weis-heit, Gnade und Kraft erfülle, betet inständig für unsere lieben verirrten Mitbrüder,daß sie zur Heerde Jesu zurückkehren mögen.

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi sey mit Euch Allen!

Gegeben zu Mainz am Tage des heiligen Willigis, 23. Februar 1851.-j- Wilhelm Emmanuel , Bischof.

Der Missionär P. Gawronski.

Es war ungefähr im Jahre 1843, als ich auf meinem in dem ruthenischenTheile GalizienS gelegenen Landsitze in 55» ein Schreiben des lateinischen Pfarrersvon 55», ^ Diöcese die lateinisch-christliche Bevölkerung meines Gutes gehörte,erhielt, worin er mir anzeigte, daß der Priester Gawronski, der von der Regierungdie Erlaubniß erhielt, die in Ruthenien zerstreuten und von ihren respectiven Pfarren