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lesen, wachet darüber, wie sie ihre Pflichten gegen Gott und seine Kirche erfüllen.
Die Verführung naht sich vor Allem dem jugendlichen Herzen. „Sie," sagt derApostel PetruS , „nämlich die falschen Lehrer, die die Lust eines TageS für Glück-seligkeit halten, sie locken an sich die leichtfertigen Seelen." Die Jugend ist >o leicht-fertigen HerzenS, deßhalb hat ihr Kolt Eltern, Vorsteher und Führer gegeben, diesie vor Sünde und Verführung bewahren sollen. Gott hat im Allen Bunde demHeli geschworen, „daß die Missethat seines HauseS nicht gesühnt werde durch Opferund Gaben bis in Ewigkeit." Und worin bestand diese Missethat? O höret cS,geliebte Eltern, in der Sünde, „daß er wußte, daß seine Söhne BöseS thaten, undsie nicht bestrafte." Und worin bestand das Böse, daS die Söhne thaten? „Darin,daß sie die Leute vom Opfer deS Herrn abhielten." Wie viel größer ist aber dieSünde christlicher Kinder, die sich durch den Besuch schlechter Gesellschaften in dieGefahr begeben, Glauben und Tugend zu verlieren, wie viel größer die Missethatchristlicher Eltern, die daui schweigen. Wie tief mußte cS mich daher schmerzen, zuerfahren, daß es hier Männer und Frauen geben soll, die zwar mit den IhrigenKatholiken bleiben wollen, und dennoch nicht nur selbst Versammlungen und Vortrü-gen der sogenannten „Deulschkatholileu" beiwohnen, sondern auch gestalten, daß ihreKinder, Jünglinge und Jungfrauen, hingehen. Ich aber sage Euch, geliebte Eltern,mit dem Apostel Paulus und mii der kaiholischen Kirche: Ihr müßt diese Versamm-lungen vermeiden. Unmöglich ist cS, Christum als seinen Heiland und die Kirche alseine Anstalt GotteS , als eine Säule und Grundfeste der Wahrheil zu bekennen, undVersammlungen anzuwohnen, wo Christus als ein weiser Jude, die Kirche aber alseine Anstalt voll Schmach und Schande behandelt wird. „Wie lange werdet Ihr,rufe ich mit EliaS auS, auf beiden Seiten hinken? Ist der Herr Gott , so folget ihm,ist Baal Gott , so folget ihm."
O, möchte meine Stimme auch Euch erreichen, fremde Brüder, die Ihr dieQuellen des lebendigen Wassers in der Kirche GotteS verlassen habt, und an denCistcrnen deS Unglaubens Euren Durst nach Glückseligkeit zu stillen bemüht seyd.Möchte insbesondere Euch mein Wort nicht hart und lieblos erscheinen. Ich habe sogesprochen, weil ich glaubte, eS zu müssen, weil ich glaube, daß kein anderer Namedem Menschen gegeben ist, um selig zu werden, als der Name dcö GottmenschenJesus ChristuS ; weil ich also glaube, daß daS höchste allein wahre Gut unS mit demwahren Glauben entrissen wird. Man hat Euch mit Haß gegen die Kirche und ihrePriester erfüllt, aber ich sage Euch, was ein würdiger Priester seinen LandSleuienzurief: Ihr haßt nicht die Kirche und ihre Priester, sondern das Lug» und Trugbild,daS der Geist der Lüge Euch von der Kirche entwirft. Kenntet Ihr die Kirche, diesevon Gott unS gegebene Mutter, wie Eure Eltern sie kannten, so würdet Ihr sielieben, wie sie sie liebten. Prüfet die Geister, die sich Euch nahen, die Euch beleh-ren wollen, ob sie dem Geiste GotteS oder dem Geiste der Lüge entstammen. Wodurchhaben sie eS Euch bewiesen, daß sie eS redlich mit Euch meinen, daß sie Euch wahr-haft lieben? Ist der schon immer unser Freund, der unsern Leidenschaften, unsermStolze, unserer Sinnlichkeit schmeichelt? Sind Adam und Eva dadurch Götter gewor-den, daß ihnen der Teufel sagte: „Ihr werdet wie Götter werden?" Und welcheandere Beweise der Liebe hat man Euch gegeben? Man erfüllt Euch mit Haß gegenunS. Man stellt Euch daS Leben einiger schlechten Priester vor, und wirft dann denSchein der Habgier und der Bosheit auf unS Alle, und auf die Kirche. Kann aberdie Kirche ihren Priestern die Freiheit nehmen? Kann sie eS ihnen wehren, wenn siesich verdammen wollen? Ist ChristuS schuld, daß unter den Jüngern ein JudaSwar, oder sind alle Apostel gottlos, weil JudaS ein Verrälhcr war? Wie könnt Ihreinem so groben Truge folgen? Ja, eö gibt auch einzelne nichtSwürdige Priester, diedaS unendlich heilige Amt schänden, das sie bekleiden, die der Kirche die tiefstenWunden schlagen, die die Kirche, ihre Ehre, ibre Göttlichkeit, das Heil der ihnenanvertrauten Seelen verrathen, wie JudaS — Christum verrathen hat; ja, cS gibtauch schlechte Priester, und wie die Engel um so tiefer fielen, je höher sie standen,