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noch in der zweiten Hälfte des löten Jahrhunderts am Stephans-Dome arbeitete.Das InnungSwesen hielt indeß auch später noch, zufolge seiner Organisation, gleich-sam mechanisch Vieles von den alten Ueberlieferungen fest, das wie gefrorener Weinsich in der Eishülle barg. Manches d-won ist in der neuesten Zeit wieder anS Lichtgetreten. So ließ ein glücklicher Zufall mich in Trier , wo die deutsche Baukunst inder Liebfrauenkirche ihre erste und reizendste Knospe getrieben hat, die Zunftlade derSteinmetzen-Innung in einem Winkel ihres ehemaligen Zunfthauseö entdecken. DieLade, bunt bemalt, mit den Bildnissen der vier gekrönten Meister in Medaillons undmehreren Steinmetzen-Zeichen verziert, scheint im 17ten Jahrhundert angefertigt wor-den zu seyn. Ihr Inhalt aber reicht zurück bis ins 14te Jahrhundert. Leider hatteder Hausbesitzer, ein Schmid von Profession, die kostbarsten Pergamente bereits zurAusbesserung seines Blasebalgs verwendet. Indeß enthielt sie doch noch manchesSeltene, u. A. eine Urkunde vom 30. October 1397, eine Steinmetzen-Zunftordnung,ausgegangen von den Scheffen und Scheffenmeistern der Stadt Trier . Ich muß dar-auf verzichten, Sie näher mit dem Inhalte dieses DocumenteS nicht bloß, sondernder Zunftlade überhaupt bekannt zu machen, wie beziehungsreich und charakteristischletzterer auch ist, und zwar nicht bloß für die innere Geschichte der trierer Steinmetzen-Bruderschaft, sondern für die Entwicklungsgeschichte der Architektur überhaupt, derenverschiedene Stadien hier ausS getreulichste revräsentirt sind. Neben den Satzungenjener Steinmetzen, die noch „aus den rechten Grund der Geometrey" fußten, findenwir da die „^rotutootura ei>ilis, nach deutscher und nach wälscher Art," einen Folio-band von Johann Wilhelm aus Frankfurt am Main vom Jahre 1618, dannweiter, nach ausschlietzlich wälscher Art, des Barozzi Vignola „Buch von den fünfSäulen-Ordnungen," sodann ein Heft aus dem Jahre 1792, „Zeichnungen nach demneuesten Geschmack" betitelt, und endlich vom Jahre 1793 ein sich so nennendes„Ideen-Magazin" mit Abbildungen in chinesischem, griechischem (!) und ägyptischemGeschmacke, darunter auch ein wunderlich barockes Gartenhäuschen mit der Unter-schrift: „Sommerhaus im gothischen Style."*) — So sehen wir die Nachfolger derErbauer der Liebfraucnkirche, jener kraftvollen, lebensfrischen Werkmeister, in einschwachsinniges Geschlecht ausgeartet, dem die pariser Tapezierer und Galanteriehänd-ler die „Ideen" liefern. Dahin ist eS gekommen, weil man Leben, Wissen und Kön-nen verschiedene Straßen ziehen ließ, weil man seine Nationalität, seine Geschichte,seine heiligsten Ueberlieferungen verläugnet hatte! Der Dünkel, die Vornehm- undGelehrtthucrei haben hauptsächlich der deutschen Kunst ihr frühes Grab gegraben unddas freudige Leben hinweggenommen, welches vormals in ihr pulsirte. Zum Glückwird der Schmerz über diesen Wechsel der Dinge durch den Gedanken gelindert, daßwieder ein neuer Umschwung begonnen hat, ein Umschwung zum Besseren; daß eöden Anschein gewinnt, als ob jenes freudige Leben um deßwillen sich in die Tiefengezogen habe, um dort zum neuen Springquell sich zu sammeln. Allerwärts drängenin diesem Sinne sich die Zeichen. Schon baut wieder die mächtigste Nation der Erdeam Themsestrande das HauS ihrer Vertreter auS dem alten Steinmetzengrunde mitnie gesehener Pracht auf, und der Dom zu Köln treibt auf allen Seiten wiederZweige, Blätter und Blüthen: multa rensseentur czuse jam oeciclere. (Domblatt.)
Die heilige Mission in Regensburg .
Die schönen Tage der Mission, sie sind vorbei — doch nein, sie dauern immernoch — denn das Himmlische, das Göttliche kennt kein Ende. Dem kalten, unfreund-
") Recht interessant ist noch das auf der städtischen Bibliothek zu Trier beruhende Steinmetzen-amtS-Protocollbuch, welches die Jahre 1670 bis 1721 umsaßt und die lateinische (!) Aufschrift führt:„proloeollum inslilulum ipzo <Ioksrillis kiipliülav 1K7V a ms ^osime Odrisloiikurc) OrtliI-lpieicllirum pr.iekeclo." Die successiven Aufzeichnungen in diesem Buche bringen uns das innereLeben der Zunft bis zu den geringfügigsten Einzelnheitcn vor das Auge und gewähren manchen über-raschenden Aufschluß.