Ausgabe 
11 (1.6.1851) 22
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176
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lichen Mai zum Trotze ist in diesen Tagen nicht draußen in der Natur, sonderninner des altehrwürdigen kati^onas Mauern, ein Frühlingsleben erwacht warmund freundlich für Alle, deren Herzen noch für Edles fühlen, und der Sonnenblickder Gnade und der Weltensturm der Prüfung wird den Sommer reifen zur goldnenFrucht einer schönern Zukunft.

Der fromme Seeleneifer des hochwürdigsten Herrn Bischofes Valentin hatfür das Jubiläum die P. Nedemptoristen zu einer Mission für die Diöcesan-Stadtberufen. Unter dem feierlichen Geläute aller Glocken der Stadt zog der Oberhirtemit den Friedensboten des Himmels in den ehrfurchtgebietenden Dom ein, dessenRäume gedrängt voll waren von frommen Gläubigen, die dem Rufe des Hirten folgten.Von dem liebevollen Aufrufe zu den geistlichen Uebungen bis zum himmeleröffnendenSchlüsse haben die von Gottes- und Nächstenliebe glühenden Nedemptoristen in einerReihe von 28 Vorträgen, die in 9 Tagen jedesmal Morgens 6 Uhr, Mittags 2 Uhr,und AbendS 7 Uhr gehalten wurden, eine ganz andere Stimmung in den Gemüthernder NegenSburger hervorgerufen, als vor Kurzem sie vielleicht andere Feste hervor-rufen wollten.

Dieser Freiheitsprediger im edelsten Sinne des Wortes, sie haben den Sündernwie in einem Spiegel ihren erbärmlichen Zustand, aber auch die winkende Hand derBarmherzigkeit GottcS gezeigt; die Gnade und Verzeihung angeboten ehe dienahende Todesstunde schlägt, und vom tröstenden Beichtgerichte erzählt, auf daß dieschauerliche Hölle sie nicht zu fürchten hätten. Haben abgemahnt im Donnerrufe derBußpredigt von den Sünden die die Menschheit schänden, haben Versöhnlichkeit undRückersatz und Erbauung geprediget, und Gottes Gericht dem Gläubigen vor dieSeele geführt, und haben endlich in den letztern Tagen mit der ganzen Macht derAlles bewältigenden ewigen Wahrheit Aller Herzen zu einem neuen katholischen Lebenbegeistert.

Am Donnerstage stand im Presbyterium deS hohen DomeS ein entsprechenderbochemporragender Altar, auf dem in einem Flammensterne von Lichtern und in paradie-sischer Blumenzier daö heiligste Sacrament der Liebe ausgesetzt war zur Anbetungund zur Abbitte, die der Prediger in tieferschütternden Worten im Namen der Sünderleistete. Und am Freitag erglänzte eben dort die Fahne deS katholischen Welt-Triumphes das heilige Kreuz, und von einer lmübersehbaren unzähligen Menge,die im Dome um das Kreuz sich drängte, wurde nach des Predigers Wort der erneuteSchwur zur Fahne des Kreuzes abgelegt, so wie am Samstage in gleicher Weiseder Himmels Mutter Mariä Bildnis) am selben prangte, ein liebliches Bild der unbe-fleckten Jungfrau, die mit Himmelsfreude niederlächelte auf die im sinnigen Schmuckeweißgekleideten Mädchen, und mit göttlicher Mutterwonne segnete die neugewonnenenKinder, die sich im Vertrauen und in Kindesliebe ihrem Schutze empfohlen.

Der Sonntag schloß diese erhabene Feier mit der Mahnung zur Heiligungdeö Sonntages, und mit dem von Ernst und Liebe getragenen Fingerzeige zumHimmel!

Kein Herz blieb ungerührt und kein Auge thränenleer, und wirklich wars einJubelfest jetzt schon dem Himmel und der Erde, und wahrhaftig über NegenS-bürg wacht ein guter Geist der Bischof hat die Friedensboten gerufenund diese haben den Frieden gepredigt, und dieser Friede wird Alle beseligen, welchedieses Friedens Worte nimmer vergessen!

Und eS war eine so selige Harmonie der Herzen, so daß Katholiken, Protestan-ten und Juden dicht aneinander gedrängt und um die Kanzel geschaart nur EineFamilie zu seyn schienen in diesen Tagen, und arm und reich und jung und altund hoch und nieder Alles eilte, Alles harrte, Alleö hörte o daß auchAUeS glaubte! (B. V..BI.)

Verantwortlicher Redacteur: L, Schönchen.

VerlagS-Jnhabcr: F. C. Krem er.