Ausgabe 
11 (8.6.1851) 23
Seite
177
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Eilfter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

zur

Augslmrger Pojtzeitung.

8. Juni 23. 1851.

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Magdalena

Herzogin von Bayern, Pfalzgräfin bei Rhein :c.

von

Carl August Boehaimb, Caplau in Ncuburg a D.(Fortsetzung.)

MagdalenenS Vermählung mit Herzog Wolfgang Wilhelm .

Im September des Jahres 16l3 kamen die Neuburgischen Gesandten mit ihrenVollmachten und die Vermählung wurde auf den 11. November anberaumt. Ambayerischen Hofe scheute man keine Kosten, um dem Feste Würde und Pracht zugeben. Mehrere Fürsten , darunter auch der Churfürst Ferdinand von Köln, derBruder Magdalenens, waren herbeigeeilt. Der alte Herzog Philipp Ludwig machtesich mit seiner Familie und einem Gefolge von 38! Personen uud 371 Pferden aufdie Reise zur Vermählung. Als sich am 10. November der Zug München näherte,kamen ihm 12 Fähnlein bewaffnetes Fußvolk entgegen. Hierauf ritten ihm zuerstFerdinand der Churfürst von Köln und die Herzoge Maximilian und Albert vonBayern zur Bewillkommnung entgegen, voran eine dreifache Musikbande. Sodannfolgte der übrige Hof und der bayerische Adel, dazwischen die für die Gäste bereit-gehaltenen Pferde nebst Reitern. Dann kam ganz allein Herzog Wilhelm V. ineinem Wagen, umgeben von einer Schaar Trabanten. Nach Beendigung der Empfangs-feierlichkeiten begab sich der ganze Zug, unter fröhlichem Zujauchzen, Donner derKanonen und Glockengeläute durch die Stadt in die Residenz.

Am andern Tage ließ Herzog Philipp Ludwig , seiner Denkart gemäß, überalles weitläufig unterhandeln, waS er bei der Trauung entfernt wissen wollte. Manmöchte die Trauung Nachmittags halten, kein Weihwasser bei ihm und den Seinigengebrauchen, und daß die Trauung nicht in der Kirche stattfinde. Alles, bis auf dasLetzte, wurde zugestanden. Magdalena betrübte sich nämlich sehr über diese Verwei-gerung und bat recht sehr, daß die Trauung in der Kirche stattfinde, eS unterlasseja kein Bauer oder Handwerksmann die Feierlichkeiten gerne, die bei Hochzeiten her-kömmlich seyen, und sollte ein solcher in seinem Hause Hochzeit halten müssen undnicht in die Kirche gehen, so halte er eS für eine Strafe. Endlich verständigte mansich hierüber beiderseits. Zur Mittagszeit wurde nun ein prächtiges öffentliches Mahlgehalten und als der Abend heranrückte, bewegte sich der feierliche Zug der fürst-lichen Personen durch die Reihen der bewaffnen Bürgerschaft in die Kirche zu Unserlieben Frau.

Den Zug eröffneten die drei Prinzen von Birkenfeld und Herzog Albert vonBayern zu Pferd, dann folgte der Bräutigam in Silberatlas nach spanischer Tracht